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vergrößern 466x700Marion Fuhs, Sergej Gößner.
Innsbruck - Kurz nachdem er zum Nachfolger von Brigitte Fassbaender ernannt worden war, holte Neointendant Johannes Reitmeier seinen Weggefährten am Pfalztheater Kaiserslautern, Thomas Krauß, als Schauspielchef ans Innsbrucker Landestheater. Der machte sich seinen Regie-Einstand nicht leicht und hievte nun Friedrich Hebbels deutsches Nationalepos Die Nibelungen erstmals auf den Spielplan des Hauses.
Der mythologische Stoff rund um den fast unverwundbaren Drachentöter Siegfried, der von seinen Vertrauten bei der Jagd hinterhäl-tig gemeuchelt wird und dessen Witwe Kriemhild als spätere Gattin König Etzels an den Mördern grausame Rache nimmt, beschäftigte Hebbel jahrelang.
Auf Grundlage der zweieinhalbtausend Strophen des mittelalterlichen Nibelungenlieds verfasste er sein Trauerspiel in drei Abteilungen: Der gehörnte Siegfried, Siegfrieds Tod, Kriemhilds Rache.
Bei Krauß kommt das Spiel nicht recht in Gang, die Inszenierung bleibt hölzern, auch vor banalem Realismus schreckt er nicht zurück. Ein Vögelchen - Kriemhilds Trost in der Trauer - wird an einer Schnur von der Decke herabgeseilt und fliegt später auf gleichem Wege wieder davon.
Das finale Gemetzel wird zum Debakel. In martialischem Klanggetöse und dichten Nebelschwaden schlagen einander die Ritter, aus dem Schnürboden fallen Pfeile auf sie herab, Blut platscht auf die Bühne.
Etzel und Kriemhild beziehen auf sich drehenden Tribünen Position und überschreien das Getümmel. Der schwertschwingende Siegfried (Sergej Gößner) mit langem, flachsblondem Haar und Ganzkörpertätowierung, wirkt etwas albern. Marion Fuhs (Kriemhild) gibt anfänglich die scheue Verliebte, am Ende erstarrt sie in Trauer und Hass. Sara Nunius (Brunhild) und Helmuth A. Häusler (Hagen Tronje) schaffen es, ihren Figuren Kontur zu geben. Die anderen Charaktere hingegen bleiben großteils farblos.
Verblassende Schauspieler
Max Weilers Eiserner Vorhang aus dem Jahr 1967 ist zentrales Gestaltungselement für Helfried Lauckners Bühne. Die wuchtige Malerei trägt den treffenden Titel Speiche des blutigen Schicksalrades dreht um die Sonne. Landschaftstrümmer, Landschaftsfiguren und prophetische Gestalt.
Das farbenprächtige und übermächtige Gemälde lässt die davor agierenden Schauspieler bisweilen verblassen.
Die Kostüme von Isabel Graf begeben sich auf Zeitreise in die Vergangenheit. Treten die deutschen Recken im ersten Bild auf König Gunthers Burg zu Worms noch in Jeans, Sakko und Nietengürtel auf, meucheln sie Siegfried im Odenwald in Nazi-Adjustierung. Auf Hagens Kragen prangt gar ein SS-Emblem. Ins Heunenland zu König Etzel reisen sie in monarchistischen Uniformen, um im finalen Gemetzel mit Schwert, Schild und Kettenhemd jämmerlich unterzugehen.
Die Nibelungen sind sicherlich nicht leicht zu stemmen, diese Inszenierung hat sich damit übernommen. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 16.10.2012)
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