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vergrößern 800x438Sängerin Marianne Faithfull und Tänzerin Anna Sterbová als zwei Seiten einer Person in Brecht/Weills "Die sieben Todsünden" am Landestheater Linz.
Das allein wäre noch keine Überraschung - schließlich ist die Dame sowohl mit Kurt Weills Musik als auch mit Todsünden bestens vertraut.
Linz - Zeitlos und unprätentiös inszenieren Jochen Ulrich und Fabrice Jucquois: ganz im Sinne der Selbstverständlichkeit und unwidersprochenen Präsenz, mit der sich Marianne Faithfull zwischen ihren tanzenden Kollegen ausnimmt. Als Teil des großen Ganzen festigt die fast 66-Jährige (deren Mutter Eva von Sacher-Masoch selbst Balletttänzerin war) einmal mehr ihren Ruf als Brecht/Weill-Interpretin.
In einem zurückhaltenden Bühnenbild (Gottfried Pilz) singt sie, raucht sie, steht und sitzt sie - mehr braucht es nicht. Drei Jahre nach einer konzertanten Aufführung der Todsünden im Brucknerhaus steht Marianne Faithfull als Anna I auf der Bühne des Großen Hauses - in der 1933 uraufgeführten Ballettfassung.
Anna Sterbová tanzt Anna II - sie verkörpert die Schöne, die Wahre, die Anna I als "die Praktische" feilbietet. Schwestern, die eigentlich eine Person sind. Stets vier Sänger als Familie im Nacken, die daran erinnern, möglichst rasch die fürs Häuschen in Louisiana nötige Barschaft nach Hause zu bringen. Das ist eine Odyssee durch amerikanische Großstädte, begleitet von den sieben Todsünden, die bei Bertolt Brecht eine radikale Umdeutung erfahren.
1998 hat Faithfull das Album The Seven Deadly Sins herausgebracht, sie singt also mit Erfahrung, nicht nur stimmlich. "Stolz" sei ihre persönliche Todsünde, erzählt sie bei der Pressekonferenz und wirft ein bescheidenes Lächeln in die Runde. Dieser Stolz hätte ihr ermöglicht, sich vor 20, 30 Jahren selbst aus einem von unterschiedlichen Abhängigkeiten geprägten Leben zu befreien. Drei Monate wird Faithfull nun in Linz sein, um Anna I zu singen, möglicherweise wird die Inszenierung im Herbst 2013 wiederaufgenommen, so Intendant Rainer Mennicken, dann im neuen Haus im Volksgarten.
Vorangestellt wird den Todsünden Kurt Weills erstes Ballett - die 1922 verfasste Zaubernacht. Eine zauberhafte Kinderpantomime (so nannte sie Weill selbst), in der Spielfiguren zum Leben erwachen und zwei Buben ihre Not u. a. mit einem Löwen (Morgan Reid), einer Hexe (Martin Dvorak) oder einem Dompteur (Alexander Novikov) haben. Sieht man über zwei in Paillettenhöschen gezwängte Tänzer, die Marianne Faithfull umgarnen müssen, hinweg, ein sehr stimmiger Ballettabend. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 16.10.2012)
Nächster Termin 19.10.
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