DFB-Wackelabwehr gegen "Ibrakadabra"

15. Oktober 2012, 16:54
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Deutschland misst sich im Schlager der Gruppe C mit Schweden - Irland gegen Färöer um Rehabilitation bemüht

Berlin - Wackelabwehr gegen Superstar, Deutschland gegen Zlatan Ibrahimovic: Das Duell gegen den eigenwilligen Ausnahmestürmer der Schweden stellt beim WM-Qualifikationsspiel am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Berlin alles in den Schatten. Fast konnte vor der wichtigen Partie im Olympiastadion der Eindruck aufkommen, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft diesmal nur einen Gegner hat - doch Bundestrainer Joachim Löw wollte das Spiel bei allem Respekt vor "Ibrakadabra" nicht nur auf das Kräftemessen mit dem teuersten Spieler der Welt reduzieren.

Ibrahimovic sei zwar "der Schlüsselspieler. Das Offensivspiel ist sehr stark auf ihn fokussiert. Er ist unberechenbar", sagte Löw am Montag in Berlin, "aber Schweden funktioniert auch als Mannschaft sehr gut. Sie steigern sich gegen die großen Nationen, sind schulbuchmäßig in der Organisation. Diese Mannschaft ist schwer zu spielen und schwer zu schlagen."

Khedira oder Kroos

Der 52-Jährige hatte am Tag vor dem Spiel seine Erkältung überwunden, dafür bleibt Sami Khedira vor dem letzten Heimspiel des Jahres ein Sorgenkind. Der Einsatz des Mittelfeldspielers von Real Madrid ist wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel äußerst fraglich und soll sich erst kurzfristig entscheiden. Sollte Khedira ausfallen, kommt Toni Kroos neben Bastian Schweinsteiger zum Einsatz.

Beide sollen der in den letzten Monaten immer wieder anfälligen deutschen Abwehr im Kampf mit dem von Marco Reus als "absoluten Weltklassespieler" bezeichneten Ibrahimovic unterstützen. "Auf solche Spieler freut man sich, da will sich jeder beweisen. Aber wir dürfen uns nicht nur auf Ibrahimovic konzentrieren, wir müssen insgesamt kompakt stehen", warnte Innenverteidiger Holger Badstuber vor zu viel Ibrahimovic.

Enge Räume

Wichtig sei, "dass wir ihn frühzeitig stören und ihm nicht so viel Raum geben", forderte Löw, der auf der rechten Seite seiner Viererkette wieder auf Kapitän Philipp Lahm nach dessen Gelbsperre setzen kann. Der Münchner wird für Jerome Boateng verteidigen. Neben Badstuber wird erneut Per Mertesacker in der Abwehrzentrale auflaufen.

Und auch der England-Legionär vom FC Arsenal unterstrich, dass es Spieler gebe, "gegen die es mehr Spaß macht zu spielen, als gegen andere. So wie gegen Zlatan Ibrahimovic. Er hat individuell eine unglaubliche Stärke. Das wird eine besondere Herausforderung - für die gesamte Defensive. Schweden hat insgesamt eine gute Mannschaft. Wenn wir sie unterschätzen, wird es gefährlich. Aber diesen Fehler werden wir nicht machen", so Mertesacker.

Ziemlich ausgeglichene Bilanz

Gegen die Schweden ist es für Deutschland nicht immer nach Maß gelaufen, ist das Head-to-Head doch mit 14 Siegen, 8 Unentschieden und 12 Niederlagen fast ausgeglichen. Die letzte Niederlage liegt allerdings mit April 1978 (1:3 in Stockholm) schon lange zurück.

Mit dem 14. Qualifikationssieg in Folge will die Nationalelf dreieinhalb Monate nach dem EM-Aus endgültig wieder einen Stimmungsumschwung herbeiführen. Nach dem beeindruckenden 6:1 in Irland hat sich die in den vergangenen Wochen angespannte Lage rund um die DFB-Auswahl mit Teamgeist-Debatte, Abwehr-Diskussion und Hoeneß-Kritik etwas beruhigt - erledigt scheinen die Themen aber immer noch nicht ganz.

Stimmungsschwankungen

Nach Bastian Schweinsteiger deutete auch Lahm am Tag vor dem Schweden-Spiel fehlenden Teamgeist in der DFB-Auswahl bei der Europameisterschaft an. "Die Stimmung war schon mal besser als bei der EURO", sagte der 28 Jahre alte Verteidiger von Bayern München im kicker-Interview.

Schweinsteiger habe "als erfahrener Spieler, der jahrelang in der Nationalmannschaft seine Leistung bringt, das gute Recht, Dinge, die ihm auffallen, anzusprechen. Das gehört dazu. Vielleicht denken manche darüber nach, ob sie alles richtig gemacht und das Beste für die Mannschaft getan haben. Es geht doch darum, dass wir uns alle verbessern wollen", führte Lahm weiter aus.

Auch Löw verdeutlichte, "dass wir ständig daran arbeiten, uns als Mannschaft zu verbessern. Wir bleiben unserer großen Linie treu", kündigte er nach den jüngsten Angriffen von außen an. Auch er selbst werde sich treu bleiben: "Ich habe mich defintiv nicht verändert. Meine Motivation ist ungebrochen, wir schauen nach vorne. Es gibt keinen Grund, verzweifelt zu sein." Vielmehr geht es dem 52-Jährigen darum, "dass wir gegen die Schweden gewinnen. Das wäre ein guter Abschluss des Pflichtspieljahres." 

Irland auf der Suche nach Rehabilitation

Neben dem Topspiel und Österreichs Heimpartie gegen Kasachstan versucht sich Irland in Torshavn gegen die Färöer für die 1:6-Heimpleite gegen Deutschland zu rehabilitieren. Die irische Elf spielt dabei wohl auch um die Zukunft von Startrainer Giovanni Trapattoni, der stark in der Kritik steht.

Laut "Irish Indenpendent" nutzt dem "Maestro" nicht einmal ein klarer Sieg, um seinen Job zu sichern. 1,7 Millionen Euro würde eine Trennung kosten, rechnete die Zeitung vor - innerhalb der irischen Verbandsspitze würden die Stimmen lauter, die eine Trennung fordern. Hoffnung macht die Rückkehr des zuletzt verletzt gewesenen Stürmers Robbie Keane. Die Iren (3) werden sich wohl mit Österreich (1) und Schweden (6) Platz zwei hinter Deutschland (9) untereinander ausmachen. (SID/red, 15.10.2012)

Die voraussichtliche Mannschaftsaufstellung des DFB-Teams gegen Schweden:

1 Neuer - 16 Lahm, 17 Mertesacker, 14 Badstuber, 3 Schmelzer - 6 Khedira (18 Kroos), 7 Schweinsteiger - 13 Müller, 8 Özil, 21 Reus - 11 Klose

  • "Er ist unberechenbar", sagt Löw ...
    foto: epa/hannibal

    "Er ist unberechenbar", sagt Löw ...

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