Aufregung um Broschüre des Verteidigungsministeriums

16. Oktober 2012, 11:34
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Programmheft für Nationalfeiertag verärgert ÖVP: "Darabos missbraucht Heer" - Ministerium räumt Fehler bei sexistischem Inserat ein

Zeitungsinserate und Programmhefte des Verteidigungsministeriums, die den Nationalfeiertag am Heldenplatz bewerben sollen, sorgen für Irritation beim Koalitionspartner ÖVP. Unter dem Motto "Profis bringen mehr Sicherheit" lädt das Verteidigungsministerium zur sogenannten "Leistungsschau" am Heldenplatz ein. Im Programmheft sorgt außerdem ein sexistisches Werbesujet für Aufregung.

Die ÖVP erkennt in den Slogans eine eindeutige Werbung für das Berufsheer und somit für die SPÖ-Linie gegen die Wehrpflicht. "Es ist ungeheuerlich, dass Darabos das Heer für parteipolitische Zwecke missbraucht", tobt ÖVP-Heeressprecher Oswald Klikovits im Gespräch mit derStandard.at. Entgegen den Vereinbarungen zwischen den beiden Regierungsparteien würde der Minister nicht "objektiv" informieren, sondern die Werbung für den Nationalfeiertag nutzen, um im Sinne der SPÖ Stimmung für die Wehrpflichtbefragung im Jänner zu machen.

Darabos-Sprecher Stefan Hirsch bezeichnet die Kritik von Klikovits als Ablenkungsmanöver: "Dass eine Partei, die sich ihre Wehrpflicht-Kampagne von der Raiffeisen Bank zahlen lässt, die 1,7 Milliarden Euro staatliches Geld bekommen hat, jetzt so einen Unsinn verbreitet, ist reine Ablenkung."

"Professionalisierung der Streitkräfte" durch Pilotprojekt

Im Programmheft zum Nationafeiertag heißt es etwa: "Die Bedrohungen sind heutzutage viel komplexer und vielschichtiger als noch zur Zeit des Kalten Krieges. Daher setzt das Bundesheer auf bestens ausgebildete Spezialisten, die sich im In- und Ausland täglich bewähren. Dafür muss das Bundesheer
auch strukturell für die Zukunft bestmöglich aufgestellt werden. Die Pilotprojekte sind ein erster Schritt, um weitere Erfahrungswerte zur Thematik
'Professionalisierung der Streitkräfte' zu erlangen".

Verteidungsministerium weist Vorwürfe zurück

Der Slogan "Profis bringen Sicherheit" ist für das Verteidungsministerium keine Werbung für die SPÖ-Linie, die ein Berufsheer bevorzugt: "Das Bundesheer verfügt über Profis. Und die Leistungen der Profis werden am Heldenplatz dargestellt. Das Programmheft informiert über die vielfältigen Aufgaben des Bundesheeres. Wie jedes Jahr gibt es Schwergewichtsthemen. 2011 war das Motto: Sicherheit für Europa, heuer ist das Motto: Profis bringen Sicherheit. Es wird daher im Programmheft über die Spezialisten des Bundesheeres ausführlich berichtet."

Der Sprecher von Minister Darabos weiter: "Was an diesem Slogan falsch oder parteipolitisch sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Diese Vorwürfe sind hanebüchen. Ist Herr Klikovits also nicht mehr der Ansicht, dass das Bundesheer aus Profis besteht und diese auch Sicherheit bringen?"

Sexistische Darstellung in Ministeriumsbroschüre

Bemerkenswert ist außerdem der Inserateteil des Programmheftes, das am Nationalfeiertag verteilt wird. Ein Anzeigenkunde wirbt mit einer Illustration, die eine spärlich bekleidete Dame beim Abstauben einer Kamera zeigt. Gefragt, ob es legitim sei, eine derart sexistische Darstellung in einer Ministeriumspublikation abzudrucken, erklärt das Ministerium: "Für den Inhalt und die Aufmachung der Inserate sind die Firmen, die inserieren, verantwortlich. Die erwähnte Einschaltung erscheint in der Tat unpassend für den Anspruch des Programmheftes." Das Ministerium will zukünftig verstärkt auch auf die Aufmachung der Inserate achten. 

Schwentner: "Ultrasexistische Broschüre darf nicht verteilt werden"

"Wenn diese Broschüre fertig gedruckt ist, dann hat das Verteidigungsministerium ein Problem", sagt Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, im Gespräch mit derStandard.at. Die besagte Anzeige sei "ultrasexistisch". Die Publikation könne daher auf keinen Fall am Heldenplatz verteilt werden, denn das Ministerium habe eine öffentliche Vorbildwirkung. Außerdem sei es "absurd" zu sagen, die Firmen seien für die Inhalte verantwortlich. "Der Herausgeber, in diesem Fall das Verteidigungsministerium, ist für den gesamten Inhalt verantwortlich." An den Stellen, die solche Broschüre zur Veröffentlichung freigeben, müsste gendersensible Personen sitzen, die erkennen, dass derartige Inhalte "untragbar“ sind.

Mit dem Programmheft werden laut Ministerium keine Werbegelder eingenommen. Die Werbebeiträge im Programmheft seien als Gegengeschäft für Sachleistungen am Nationalfeiertag zu verstehen.  (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 16. Oktober 2012)

  • "Profis im Heer" ist das Motto des heurigen Nationalfeiertages.
    foto: derstandard.at/burg

    "Profis im Heer" ist das Motto des heurigen Nationalfeiertages.

  • Spärlich bekleidete Frau beim Putzen - ein Inserat aus der Broschüre des Verteidigungsministeriums.
    foto: derstandard.at/burg

    Spärlich bekleidete Frau beim Putzen - ein Inserat aus der Broschüre des Verteidigungsministeriums.

  • Norbert Darabos präsentiert seine Pilotprojekte.
    foto: derstandard.at/burg

    Norbert Darabos präsentiert seine Pilotprojekte.

  • Das Programm für den Nationalfeiertag.

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