Unkultur als Wiener Taxlerbotschaft

7. November 2012, 16:58
39 Postings

Taxifahrer als Kulturbotschafter? In Wien eigentlich nur sehr schwer vorstellbar

Das schwedische Umeå wird Kulturhauptstadt 2014. Die vielfältige Kulturlandschaft sollen nicht Museumsdirektoren oder andere Persönlichkeiten der Öffentlichkeit vorstellen sondern Taxifahrer. Bis 2014 sollen idealerweise alle Taxilenker zu Kulturbotschaftern ausgebildet werden, um dann mit ihrem Wissen die Besucher für die Stadt zu begeistern.

Selbiges in Wien würde wohl in erster Linie zu einem Sprachkurs der tiefsten Art verkommen. Die Aggression im städtischen Straßenverkehr der Bundeshauptstadt lässt kaum Raum für ausschweifende Ergüsse über die Schönheiten am Fahrbahnrand. Wiens Straßen sind rauh, derb, laut und ehrlich. Hier spricht die Wiener Seele, die Kultur hat Sendepause. Es bliebe davon abgesehen zwischen verbalen Ausfälligkeiten und Gestik überhaupt keine Zeit für Erläuterungen. Zudem würden die Ausflüge in die Kulturszene die Fahrer vom akutellen Kriegsgeschehen am Fahrstreifen ablenken, die Unfallwahrscheinlichkeit stiege.

Wo sich Verkehrsteilnehmer aller Motorisierungs- und Antriebsklassen gegenseitig durch die Gassen fotzen (derb für Ohrfeigen, Anm. d. Red.), gibt es - außer einem breiten Repertoire an Wiener Gassenjargon - nichts zu lernen. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 31.10.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jeder gegen Jeden lautet das Motto auf Wiens Straßen. Da bliebe Taxilenkern kaum Zeit für erklärende Worte.

Share if you care.