Ein Mal Chicago für einundzwanzig Euro

Kolumne |

Drei Bullen drücken bei einer Taxler-Perlustrierung auf die Tube

Das schreckliche Ende eines lauen Septemberabends beim Wiener Innenstadt-Italiener kündigte sich gleich nach dem Einbiegen in die Fasangasse an. Da drückte der bis dahin gemächlich cruisende Taxler aufs Gas und überholte einen dahinschleichenden Opapa.

Das Manöver blieb nicht unbemerkt, daher auch die Bullen drückten auf die Tube, und die schwarze Nacht ward grellblau - ein Einsatzfahrzeug im Anrollen. Ein resignierendes "Oje" murmelnd, querte der grummelige Taxler die Kreuzung, ein Platzerl suchend, um den Verkehrsfluss nicht zu stören.

"Ausweis und Papiere bittäää"

So viel Um- und Rücksicht war den drei Bullen zu viel. Sie blockierten die Kreuzung, sprangen aus dem Wagen und stürmten zu unserem Taxi. Dessen Fahrer, stoisch ruhig ein Liedchen summend, ließ sich auch von der Pistole nicht aus der Ruhe bringen, mit der der Hitzkopf unter den Amtskapplern herumzufuchteln begann. Das Angebot des Lenkers, auszusteigen und seine Papiere offenzulegen, empfand der Sheriff prompt als Provokation. "Sitzen bleiben!", bellte er, "Ausweis und Papiere bittäää" - erneut mit der Knarre fuchtelnd.

Für die Razzia im Wagen samt Pannendreieck und Autoapotheke durfte sich der Gefilzte dann doch erheben. Dann kam die Belehrung (rechte Hand immer noch am Halfter): Überholmanöver mit 72 km/h, zu spätes Anhalten für die Polizeikontrolle. Der Preis: unverhältnismäßig milde 21 Euro. Wie der gebürtige Syrer von den Bullen behandelt worden wäre, hätte er keine Zeugen gehabt, wollen wir nicht wissen. Daher, liebe Kiberer, bleibt cool: Wien ist nicht Chicago! (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 12.10.2012)

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