Ringen um Hilfe für Baukonzern Alpine

15. Oktober 2012, 14:02
4 Postings

Mutter muss Kapitallücke schließen, von Banken frisches Geld und längere Zahlungsziele verlangt

Wien/Salzburg - Der von Riesenverlusten bedrohte Baukonzern Alpine braucht rasch Hilfe. In der zweiten Hälfte dieser Woche ist nach APA-Informationen ein weiteres Krisentreffen mit den Gläubigerbanken anberaumt. Alle Teilnehmer müssten Beiträge leisten, um die Fortführung zu sichern, hieß es am Montag. Der spanische Eigner FCC muss ein klaffendes Eigenkapitalloch füllen, die Alpine soweit es geht Beteiligungen versilbern. Wieviel die Banken an frischem Geld lockermachen und wie lang Zahlungsfristen erstreckt werden könnten, steht noch nicht fest. Erst sei zu klären, wie hoch der Abschreibungsbedarf bei problematischen Bauprojekten im Ausland ausfällt.

Die Bankverbindlichkeiten der Alpine Bau GmbH werden mit 660 Mio. Euro kolportiert. "profil" zufolge dürfte Alpine bis Ende der Woche eine kurzfristige Cash-Spritze von 31 Mio. Euro brauchen. Zudem muss der Konzern mittelfristig rekapitalisiert werden. Unbestätigten Meldungen nach sollen den Banken 75 Millionen an frischen Krediten abverlangt werden. Damit stiege das Konzern-Gesamtobligo auf mehr als 1 Mrd. Euro.

Die rund 660 Millionen Euro Bankkredite teilen sich dem Magazin zufolge die Erste Bank (100 Mio. Euro), Raiffeisenlandesbank OÖ (82 Mio. Euro), UniCredit (78 Mio. Euro), russische VTB (69 Mio. Euro), Hypo Alpe Adria (59 Mio. Euro), BAWAG (39 Mio. Euro) und ÖVAG (30 Mio. Euro). Zusammen mit drei Anleihen der Holding (290 Mio. Euro) lägen die Verpflichtungen von Alpine derzeit bei rund 950 Mio. Euro.

Bund involviert

Der Bund ist gleich mehrfach involviert: Stehen Hypo Alpe Adria und ÖVAG doch ganz bzw. teilweise im Besitz des Staates. Außerdem hat der Baukonzern 2009 staatliche Bankkredithaftungen über 180 Mio. Euro gezogen.

Der Konzern soll sich im Ausland mit Bauvorhaben überhoben haben. Einen für 2012 kolportierten Wertberichtigungsbedarf von 300 Millionen, im worst case 400 Millionen, hat das Unternehmen selbst bisher nicht bestätigt. Wohl aber wurden gestern Sonntagabend "erhebliche Verluste" in Aussicht gestellt, die noch nicht näher beziffert wurden. "profil" bezifferte unter Bezug auf ein Wirtschaftsprüferdossier den erwartbaren Verlust mit 263 Mio. Euro.

Im "WirtschaftsBlatt" wurde am Montag gemutmaßt, dass die Alpine-Führung mithilfe des kritischen Wirtschaftsprüferpapiers (KPMG) die Mutter FCC unter Druck setzen wollte, was misslungen sei. KPMG sollte, so das Blatt, in dem mit August datierten Papier ausdrücklich alle Risiken aufzählen, auch unwahrscheinliche. Alpine-Betriebsrat Hermann Haneder sah mit der Befassung der KMPG weder die spanischen Eigentümer noch den Aufsichtsrat involviert. Kunden, Partner, Lieferanten und Wirtschaftsprüfer seien mit Bekanntwerden des KPMG-Papiers von den Problemen des Baukonzerns überrascht worden.

Ein für das vergangene Wochenende angekündigtes persönliches Gespräch mit FCC-Mehrheitseigentümerin Esther Koplowitz, um Ängste und Sorgen der Alpine-Mitarbeiter zu zerstreuen, hat sich laut Haneder nun auf das kommende Wochenende verschoben, wie der Arbeitnehmervertreter der APA sagte.

Akute Liqudititäsmängel hat Alpine Ende letzter Woche in Abrede gestellt. Man verwies auf Zusagen der "vollen Unterstützung" durch die spanische Mutter. (APA, 15.10.2012)

Share if you care.