Bauchaorten-Aneurysma: Minimal-invasiver Eingriff

15. Oktober 2012, 14:33
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Bis in die 1990er Jahre wurde das BAA durch langwierige OPs am offenen Bauch behandelt. Mittlerweile genügt häufig ein minimal-invasiver Eingriff

Hamburg - "Gefährlich wird das Bauchaorten-Aneurysma - die krankhafte Aussackung der Hauptschlagader im Bauchraum - dadurch, dass die aufgeweitete Hauptschlagader ab einem gewissen Durchmesser zu platzen droht und der Betroffene dann innerlich verbluten kann", erklärte Giovanni Torsello, Direktor der Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie im St. Franziskus-Hospital in Münster, auf der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die vergangenes Wochenende in Hamburg stattgefunden hat.

Ein besonderes Problem ist, dass die Betroffenen ein Bauchaorten-Aneurysma (BAA) selten spüren, und allenfalls unspezifische Bauch- oder Rückenschmerzen als Symptome auftreten. Das BAA wird deshalb häufig zufällig bei Ultraschall-Untersuchungen anderer Indikationen entdeckt. Alter und Bluthochdruck spielen bei der Entstehung eine wichtige Rolle.

Prothesen mit "Fenster"

"Die Behandlung des gefährlichen Bauchaorten-Aneurysma hat zuletzt enorme Fortschritte gemacht. Schließlich sei die moderne Medizintechnik heute in der Lage, Stents zu produzieren, die eine Behandlung von Aneurysmen erlauben, ohne die Durchblutung von Nieren- und Darmarterien zu beeinträchtigen. Dazu werden Prothesen mit 'Fenster' verwendet. Diese Fenster sind notwendig, um die Durchblutung von Nieren und anderen Bauchorganen zu gewährleisten, die aus der behandelten Bauchschlagader gespeist werden", so Torsello.

Bis Anfang der 1990er Jahre wurden BAAs am offenen Bauch operativ versorgt. "Diese Therapieform stellt eine große psychische und physische Belastung für den Patienten dar. Dabei wird die Aussackung der Hauptschlagader entfernt und mit einer Kunststoffprothese überbrückt", berichtete Torsello.

Nicht für alle Betroffenen geeignet

"Inzwischen gibt es eine weitere, deutlich weniger invasive Behandlungsmöglichkeit: Über einen Katheter kann ein Stent so platziert werden, dass das BAA ausgeschaltet ist. In diesem Fall ist kein Bauchschnitt notwendig. Unter Röntgenkontrolle wird die Gefäßprothese über den Katheter bis zur erkrankten Stelle geführt und exakt auf Höhe des BAAs platziert", erläuterte der Mediziner. Die Vorteile dieser neuen Behandlungsmethode liegen nach Angaben des Experten im geringen Blutverlust sowie der kurzen Verweildauer des Patienten im Krankenhaus. "Zudem ist die Behandlung fast schmerzfrei und auch für Risikopatienten geeignet", ergänzte Torsello.

Allerdings ist minimal-invasive Methode nicht für alle Betroffenen möglich. Wichtige Voraussetzung ist das Vorhandensein einer "Landungszone" - eines Abschnittes der Gefäßwand, der noch gesund ist, damit man an dieser Stelle die Stentprothese verankern kann. Üblicherweise ist dafür ein Abschnitt der Bauchschlagader vorgesehen, der unterhalb der Abgänge von wichtigen Adern zu den Nieren- oder Darmarterien liegt. Manche BAA erstrecken sich aber über diesen Abschnitt, so dass die Landungszone fehlt und eine konventionelle Behandlung deutlich erschwert wird. (red, derStandard.at, 15.10.2012)

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