Inflation in China sinkt weiter

15. Oktober 2012, 12:07
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Die Teuerungsrate fällt im September auf 1,9 Prozent und erreicht damit beinahe das Zwei-Jahres-Tief vom Juli

Peking - Die Teuerungsrate in China fiel im September wegen sinkender Preise für Öl und andere Rohstoffe auf 1,9 Prozent, teilte das Statistikamt mit. Damit wurde das erst im Juli erreichte Zwei-Jahres-Tief von 1,8 Prozent fast wieder erreicht.

Im August waren die Verbraucherpreise noch um durchschnittlich 2,0 Prozent gestiegen. Die Produzentenpreise fielen sogar um 3,6 Prozent und damit den siebenten Monat in Folge, was für einen anhaltend niedrigen Inflationsdruck spricht.

Spielraum für Zentralbank

"Das eröffnet etwas mehr Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik", sagte Ökonom Zhou Hao von der ANZ Bank in Schanghai. "Die Wirtschaft kann das gebrauchen." Die Zentralbank hat im Juni und Juli ihren Leitzins gesenkt. Die Banken müssen zudem weniger Geld bei ihr anlegen, wodurch umgerechnet rund 147 Mrd. Euro mehr für Kredite an Unternehmen und Verbraucher zur Verfügung stehen.

In Boomzeiten kann billiges Geld die Inflation anheizen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steuert in diesem Jahr aber auf das schwächste Wachstum seit 1999 zu und kann daher einen weiteren Stimulus gebrauchen. Die Asiatische Entwicklungsbank rechnet mit einem Plus von 7,7 Prozent. "Das ist immer noch ein beneidenswertes Niveau", sagte deren Chefvolkswirt Changyong Rhee. "Wenn es der ganzen Welt schlecht geht, kann man nicht davon ausgehen, dass Asien weiter zweistellig wächst."

Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass die Zentralbank zu ähnlich drastischen Maßnahmen greifen wird wie nach der weltweiten Rezession im Gefolge der Lehman-Pleite im September 2008. Ein Grund dafür ist, dass die Preise in einigen Bereichen immer noch steigen. Die Löhne klettern weiter und verteuern Dienstleistungen, während auch die Lebensmittelpreise überdurchschnittlich zulegten.

Eine Lockerung der Geldpolitik dürfte die Zentralbank erst nach dem Volkskongress im November beschließen, wenn der Machtwechsel an der Staats- und Regierungsspitze vollzogen wird. Li Keqiang übernimmt dann das Amt des Regierungschefs von Wen Jiabao und wird damit zum wichtigsten Wirtschaftslenker. "Li wird mehr Spielraum für Anpassungen haben", sagte ING-Ökonom Tim Condon. "Und er wird ihn nutzen."
 (APA/Reuters, 15.10.2012)

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    Die nachlassende Inflation gibt Chinas Zentralbank mehr Spielraum für neue Maßnahmen gegen die Konjunkturabschwächung.

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