Warum haben Männer Brustwarzen?

Regina Walter
17. Oktober 2012, 16:43
  • So schön verziert wird die männliche Brustwarze zu einem besonderen Anblick.
    foto: reuters/tobias schwarz

    So schön verziert wird die männliche Brustwarze zu einem besonderen Anblick.

Männliche Mamillen besitzen keine biologische Funktion - Ein Selektionsnachteil ist das für die Träger aber nicht

Anatomie und Physiologie weiblicher Brustwarzen und Warzenhöfe sind nicht umsonst so, wie sie eben sind. Auf die Stillfunktion der sogenannten Mamille ausgerichtet, produzieren die im Warzenhof liegenden Duftdrüsen ein Pheromon, das dem Säugling über die Nase den Weg zur Muttermilch weist. In der Brustwarze selbst enden die Milchgänge, über die der Säugling schlussendlich seine Nahrung bezieht. Und nicht nur der Nachwuchs profitiert davon, auch die Frau selbst, ist doch Brustwarze inklusive Warzenhof eine erogene Zone, die bei Berührung die sexuelle Erregung erhöht.

Die Aufgaben der weiblichen Mamille sind also klar definiert. Warum aber besitzt der Mann Brustwarzen, wo er doch weder stillen kann noch eine Stimulation als besonders erregend empfindet? 

Die Antwort findet sich am Beginn der Ontogenese. "Schon bei der Befruchtung der Eizelle steht fest, welches phänotypische Geschlecht sich entwickelt. Es ist abhängig davon, ob ein männlicher (XY) oder ein weiblicher (XX) Chromosomensatz vorhanden ist", sagt Katrin Schäfer, stellvertretende Leiterin am Institut für Anthropologie der Universität Wien. Genetisch beziehungsweise theoretisch betrachtet ist also von Anbeginn an klar, ob ein Bub oder ein Mädchen das Licht der Welt erblicken wird.

Embryo ist gleich Embryo

Praktisch sieht die Sache aber etwas anders aus: Bis zur zehnten Schwangerschaftswoche nämlich ist der menschliche Embryo "phänotypisch weiblich". Erst zu diesem Zeitpunkt sorgt das Y-Chromosom dafür, dass sich aus den zunächst bipotenten Gonadenanlagen ein männlicher Hoden entwickelt. Das darin produzierte Testosteron bedingt dann die Ausbildung des männlichen Phänotyps, sprich: Die Ausbildung von Penis und inneren Geschlechtsorganen - Nebenhoden, Samenleiter und akzessorische Geschlechtsdrüsen (Samenbläschen, Prostata und Cowper-Drüsen) - wird angekurbelt. "Später trägt das Testosteron zur Verhinderung der Brustentwicklung bei", ergänzt Schäfer.

Tritt das Y-Chromosom also auf den Plan, ist die Entwicklung von Brustwarzen beim Mann nicht mehr aufzuhalten. Sie existieren bereits, noch bevor die phänotypische Entscheidung über Bub oder Mädchen fällt.

Die Natur hält sich mehrere Wochen offen, ob ein Embryo Mann oder Frau wird. Wozu? Vielleicht, weil der Mensch in grauer Vorzeit ein Zwitter war? Wieso aber hat dann die Evolution keine Veränderung gebracht und den Bauplan eines Embryos revolutioniert?

Kein Vorteil, aber auch kein Nachteil

Der deutsche Human- und Evolutionsbiologe Carsten Niemitz sagte dazu in einem Interview von ntv.de: "Richtig zwittrig sind unsere Vorfahren wahrscheinlich noch vor über 500 Millionen Jahren gewesen." Dass eine halbe Milliarde Jahre später diese Anlage allerdings nach wie vor gilt, ist für den Verhaltensforscher kaum nachvollziehbar. 

Tatsache ist laut Katrin Schäfer: "Weder damals noch heute hatte die Brustwarze im männlichen Organismus eine Funktion." Konkret hat sich daraus nie ein Vorteil für das Überleben oder die Reproduktion ergeben. Und als Selektionsnachteil hat sich das genetische Merkmal ebenfalls nicht erwiesen. Der Mensch pflanzt sich ungeachtet dessen fort.

Mann kann stillen

Außerdem steht der Verdacht im Raum, die männlichen Mamillen könnten doch als Stillorgan dienen. Zumindest geht das aus Aufzeichnungen des deutschen Humanbiologen Alexander von Humboldt hervor. Er berichtete 1799 von einem venezolanischen Bauern, der sein Kind nach dem Tod seiner Frau über mehrere Monate gestillt haben soll. Ein Mythos? Oder besitzen Männer tatsächlich die Anlage zur Milchbildung und lässt sich diese Fähigkeit eventuell sogar durch Hormongaben künstlich erzeugen?

"Ja, physiologisch ist das durchaus möglich, denn der männliche Organismus besitzt alle Anlagen zur Milchbildung", so die Anthropologin. Ob sich Mann mit der Rolle des stillenden Vaters auch identifizieren könnte, sei hier dahingestellt. (Regina Walter, derStandard.at, 17.10.2012)

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Da hatte vielleicht

ein Schwuler bei der Mann-Gestaltung mitzureden?

weil der mensch von haus aus als weiblicher phänotyp entsteht.
kommen dann entsprechende, kostenintensive, hormone hinzu, wird das männliche erscheinungsbild generiert, sowie das männliche gehirn(dies braucht wieder extra hormone).
die beibehaltung der nippel beim mann hat keinerlei selektionsnachteile, also werden sie toleriert.

meiner meinung nach hat dies auch einen verhaltensbiologischen grund:
da das stillen an sich beim kind und bei der mutter glückshormone ausschütten lässt und deshalb männer auf brüste stehen. aber auch mädchen werden gestillt, und dies würde im umkehrschluss nur belegen, wieso es sinn macht, dass der männernippel für damen auch anziehend ist.

wer hat eine bessere idee?

"wo er doch weder stillen kann noch eine Stimulation als besonders erregend empfindet?"

was? männl. nippel sind sehr wohl erogene zonen! ich stimuliere meinen partner sehr gerne in diesem bereich, hab noch nie eine negative rückmeldung gekriegt, auch nicht bei ex-partnern... ok, gut einmal, da hab ich vll ein bissl zu fest zugebissen, aber das kommt nicht wieder vor.
man könnte vll meinen, dass ich einen kleinen harmlosen nippel-fetisch hab, also nehmt mir bitte nicht die freude daran. männl. brustwarzen find ich nämlich sehr toll. :)

Kann ich als Mann nur bestätigen, und wie :)

des hat der herrgott scho so eingricht....

schonmal daran gedacht dass nippel beim mann neben den unten genannten gründen ganz einfach auch als stärker innervierte zone sensibler auf berührung ansprechen und damit als indikator für eventuelle gefahr dienten.

sind immerhin direkt beim herzen platziert, das möglichst keinen schaden nehmen soll!

Ich würde eher sagen

Modularer Längsbaukasten :)

VW hats vor- bzw. ... eigentlich nachgemacht.

Je mehr gleiche Teile, desto effizienter die Produktion.

Ist doch logisch, oder ?
Und dass wir Männer keine richtigen Möpse haben ist auch logisch, würden wir doch zu keiner Arbeit mehr kommen vor lauter grapschen :)

ich würde ja einen einzelfall von 1799 nicht als beweis gelten lassen. ;) gibt es dazu irgendwelche aktuellen veröffentlichungen?

Naja, wenn man Laktation bei Männern durch die gleiche Methode wie bei Frauen induzieren kann (mechanisch), ist das Testen nicht so schwer und die Sache vom Humboldt auch nicht so unwahrscheinlich.

Vielleicht aber war das ein trans*-Mann und nicht sein biologisches Kind. Weiß man heute halt nicht!

Es gibt Frauen, die mögen Brustberührung nicht und es gibt einige Männer, die da auch erogene Zonen haben.
Und das ist auch noch ziemlich heftig gestreut und nicht geschlechtsabhängig AFAIK

Wie kann man da so schrecklich verallgemeinern?
Zumal erogene Zonen da nicht mal für irgendein Geschlecht Sinn machen würden - im Sinne der Fortpflanzung.

für den menschen machen sie sehr wohl sinn.
unser gehirn langweilt sich leicht und wir sind alle sehr sehr verängstigte wesen, da braucht es motivation.

keinen nachteil?

was ist mit brustkrebs? auf den könnte man wohl verzichten wenn man keine brustwarzen und die lymphbahnen darunter hätte.. oder versteh ich da was falsch?

man braucht weder brustwarzen noch lymphbahnen, um einen brustkrebs haben zu können

Ich finde ...

es immer sehr amüsant, wenn so allgemein geschrieben wird "wo er doch eine Stimulation als nicht besonders erregend empfindet?"

Also: Wieviele "ER's" wurde diesbezüglich interviewt?
1er, zwei, drei ... und dann aus ...???

Männliche Mamillen besitzen keine biologische Funktion - Ein Selektionsnachteil ist das für die Träger aber nicht

warum sollte es, die klitoris hat auch keine biologische funktion und ist kein nachteil

So eine Ansicht liegt ja wohl eher an unserer frauenlustgering- und offen verachtenden Sexualkultur.

Mal absehen davon, dass sie bei Menschenfrauen im Vergleich mit anderen Primaten ziemlich unterentwickelt ist, ist sie wesentlich erregbarer und innervierter als die männliche Eichel bzw. die kleine Stelle am Bändchen. (Doppelt so viele Nervenenden, 80k warens glaub ich)
Sowas wird eher nicht Zufall sein, da gerade Nerven viel "kosten" und Unterschiede der Geschlechte extra angelegt werden müssen in der Kindesentwicklung, anders als bei Nippeln, die default eh da sind.

Eine gängige Theorie hat mit Partnerbindung und Zufriedenheit mit der Beziehung zu tun -> Verringerung von Fremdgehen&Kuckuckskindern. Frau weiß drüber hinaus, dass Mann an ihrem Wohlergehen Interesse hat -> guter Mann.

Doppelt so viele Nervenenden, 80k warens glaub ich.

ca. 8000 sind aber nur schätzungen, da das niemand genau weiß afaik. diese ursprünglichen nervenenden haben sich vermutlich beim penis großflächiger verteilt.

Verringerung von Fremdgehen&Kuckuckskindern

ich denke, dass solche kinder oft auch getötet wurden.

ja genau ... überhaupt gar kein vorteil

ja ... warum sollte ein klitoris in irgendeiner art und weise einen biologischen vorteil bringen? ... eine nicht erregbare frau hat ja so viele gründe regelmäßig geschlechtsverkehr zu haben wie eine erregbare frau ...

glauben sie im ernst dass die frauen früher gefragt wurden?

und was hat diese antwort mit ihrem post zu tun? steht das in irgendeinem zusammenhang zum artikel???

ja, auch mit ihrem posting, wenn sie es sich nochmals genau durchlesen und durchdenken. es mag sein, dass die klitoris, die sich aus der penisanlage entwickelt, also auch default da is, dazu beigetragen hat, dass sich der homo sapiens dadurch mehr vermehrt hat, aber funktion in dem sinn ist das keine. die klitoris ist genau das gleiche wie die brustwarzen bei männern, eine anlage, die nicht stört und praktisch ist, auch für mich als mann.

Es ist wirklich fad, hier zu posten!

Zuerst werden die Postings ewig nicht durchgestellt, und wenn es dann endlich passiert, landen sie an der falschen Stelle!
Was soll das?

Tja, so gut scheint Fr. Walter die Männer nicht zu kennen

Vielleicht lernt sie ja jetzt was, wenn der grün-Balken länger wird.

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