Türkei fordert mehr EU-Hilfe für syrische Flüchtlinge

15. Oktober 2012, 12:54
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EU-Minister Egemen Bagis sieht die Europäische Union in der Pflicht - Deutscher Außenminister will Flüchtlinge vor Ort versorgen

"Es wird Zeit, dass Europa endlich hilft", bringt der türkische EU-Minister Egemen Bagis in der deutschen Tageszeitung "Die Welt" die Unzufriedenheit seiner Regierung deutlich zum Ausdruck. Vor dem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg fordert Bagis, dass die Europäische Union mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen soll. "Europa sollte den Menschen helfen, die einen sicheren Hafen suchen und Flüchtlinge bei sich aufnehmen", sagte der türkische Politiker.

Die Lage sei dramatisch: "Mittlerweile haben wir mehr als 80.000 Flüchltinge auf unserem  Boden", sagte Bagis. Auch mehr finanzielle Unterstützung wünscht sich der AKP-Politiker von der EU. 

Westerwelle: Flüchtlinge vor Ort versorgen

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat sich hingegen erneut dafür ausgesprochen, syrische Flüchtlinge vorrangig in den Nachbarländern wie der Türkei zu versorgen. "Der klare Schwerpunkt muss sein, die Flüchtlinge vor Ort zu versorgen", sagte Westerwelle am Montag vor dem Treffen der EU-Außenminister. "Diese Flüchtlinge wollen ja nicht auf Dauer ihr Land verlassen, sie haben Verwandte, sie haben ihre gesamten persönlichen Beziehungen zu dem Land, und sie wollen möglichst schnell zurück in das Land."

Westerwelle sagte erneut zu, dass Deutschland im Prinzip bereit sei, "Flüchtlinge bei uns aufzunehmen, zum Beispiel zu medizinischen Behandlungen. Und das wird auch geschehen." Ein solches Vorgehen könne es jedoch nur als gemeinsames Vorgehen der EU und in Absprache mit den Vereinten Nationen geben.

Tausende Flüchtlinge

Schätzungen der UNO zufolge flohen bisher mehr als 300.000 Menschen vor dem Konflikt in Syrien aus dem Land. Der türkische EU-Minister Egemen Bagis hat Europa zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge aufgefordert. Europa müsse beginnen, über diejenigen Menschen nachzudenken, "die aus Syrien in die Türkei geflohen sind", sagte Bagis der Zeitung "Die Welt". "Es wird Zeit, dass Europa endlich hilft." Bei dem Treffen der EU-Außenminister steht der andauernde blutige Konflikt zwischen Aufständischen und der syrischen Regierung um Präsident Bashar al-Assad auf der Tagesordnung.

Unterdessen hat die türkische Luftwaffe am Montag erneut ein ausländisches Flugzeug zur Landung gezwungen. Eine armenische Passagiermaschine wurde auf dem Flughafen der östlichen Provinzhauptstadt Erzurum überprüft, berichtete der Sender CNN Türk. Die Türkei habe dem armenischen Flugzeug erlaubt, auf dem Weg nach Syrien ihren Luftraum zu durchqueren, sagte ein Außenamtsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Bedingung sei aber die Durchsuchung des Flugzeugs gewesen. (red/APA, derStandard.at, 15.10.2012)

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    Verzweifelte Lage: Flüchting im Reyhanli-Lage in der türkischen Provinz Hatay.

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