Vorgezogene Wahlen in der Lombardei

Korruptions-Skandale beenden Karriere Roberto Formigonis

Monatelang hat er sich geweigert, sein Amt zurückzulegen. Am Wochenende wurde der seit 17 Jahren amtierende Präsident der Region Lombardei, Roberto Formigoni, vor die Wahl gestellt: entweder sofortiger Rücktritt oder vorgezogene Regionalwahlen im April 2013. Es wurde Letzteres. Damit ist die politische Karriere des Ex-Christdemokraten wohl endgültig zu Ende. Korruption, der Verdacht auf Kooperation mit der Mafia und Ermittlungen gegen zwanzig Mitglieder seiner Regierung haben zu dem Fall geführt. Zuletzt distanzierte sich auch Formigonis langjähriger Regierungspartner, die Lega Nord, von ihm.

Mit den Neuwahlen steht auch die Vorzeigeregion Italiens infrage. In der Lombardei wird immer noch knapp ein Fünftel des nationalen BIPs erwirtschaftet. Hier konzentrieren sich 80 Prozent aller ausländischen Investitionen in Italien. Doch die jüngsten Affären haben dem Image zugesetzt. Und Formigoni war in sämtliche Skandale verstrickt.

Der Politiker von Silvio Berlus conis Partei "Volk der Freiheit" soll sich von einem befreundeten Geschäftsmann, Pierangelo Dacco, Luxusreisen und Yachtaus flüge bezahlen haben lassen. Im Gegenzug sollen Gelder aus dem regionalen Gesundheitsbudget an eine Klinik in Pavia geflossen sein. Das Fass zum Überlaufen hat aber die Inhaftierung des Formigoni-Freundes und Regionalabgeordneten Domenico Zambetti gebracht. Er steht im Verdacht, sich 2010 bei den Regionalwahlen von der 'Ndrangheta 4000 Stimmen für seine Wahl gekauft zu haben. Der Preis dafür: 200.000 Euro. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand /DER STANDARD, 14.10.2012)

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