Masseverwalter hat Gespräche mit Investoren begonnen

14. Oktober 2012, 18:57
posten

Auf Holdingebene wurde Konkurs eröffnet, um Töchter verkaufen zu können. Der bisherige Alleineigentümer Spikker hat nun nichts mehr zu sagen

Wien - Die insolvente Wiener Modeschmuckfirma Pierre Lang kann vorerst weiterarbeiten. Das Unternehmen bekam von seiner Hausbank einen Kredit von 2 Millionen Euro. Nichtsdestotrotz muss für die Andersen Holding, die die Vertriebsgesellschaft Pierre Lang Europe und die Produktionsfirma Hans Andersen unter ihrem Dach vereint, ein Investor gefunden werden. Masseverwalter Georg Freimüller hat bereits mit der Investorensuche begonnen. "Es werden Gespräche mit strategischen Investoren und Finanzinvestoren geführt", sagte er. Er sei zuversichtlich, dass sich für die Holding bald ein neuer Eigentümer finden lässt.

Über die Andersen Holding wurde kürzlich der Konkurs eröffnet. "Wir haben das Unternehmen auf Holdingebene in den Konkurs geschickt, um die Möglichkeit zu schaffen, die Beteiligungen zu verwerten", erklärte Freimüller. Bei einem Konkurs fällt nämlich die Verwertungssperre. Bisheriger Alleineigentümer der Holding war der deutsche Direktvertriebs-Unternehmer Helmut Spikker, gegen dessen Konzern Network World Alliance (NWA) Medienberichten zufolge wegen mehrerer Strafrechtsdelikte ermittelt wird. Dass das dem Image des Unternehmens nicht förderlich ist und die Investorensuche erschwerte, versteht sich von selbst.

Hohe Forderungen

Pierre Lange sei in finanzielle Nöte geraten, weil mehrere Töchter "namhafte Forderungen" gegenüber der Holding haben, so Freimüller. Auch die Holding selbst habe hohe Forderungen gegenüber anderer Firmen Spikkers. In der Bilanz der Pierre Lang Europe Handelsgesellschaft m.b.H. sind für das Jahr 2010 Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen in Höhe von 7,2 Millionen Euro ausgewiesen. Bei der Hans Andersen Ges.m.b.H. waren es 2010 4,9 Millionen Euro. Über beide Firmen wurde Ende September ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet.

Der Modeschmuck von Pierre Lang wird im Direktvertrieb verkauft. Wie bei Tupperware-Partys kommt eine Verkaufsberaterin zu einem nach Hause und stellt die neueste Kollektion vor. 2011 hat die Firma mit diesem Konzept rund 100 Millionen Euro umgesetzt. Der Schmuck wird im 23. Bezirk in Wien sowie in Irland produziert. Pierre Lang stellt auch für andere Firmen Schmuck her. In Österreich arbeiten 400 Berater - mehr als 90 Prozent sind Frauen - für das Unternehmen. Europaweit sind es 5.000. Fix angestellte gibt es in Österreich 280, in Europa 600.

Die Gründerfamilie Andersen verkaufte Pierre Lang erst im Jänner 2010 an Helmut Spikker - angeblich, weil sich innerhalb der Familie Andersen kein Nachfolger finden ließ. Die Andersens sahen in Spikker einen geeigneten neuen Eigentümer, da er sich als Gründer der LR Health & Beauty Systems GmbH, die Kosmetik- und Nahrungsergänzungsprodukte herstellt und vertreibt, im Direktvertrieb bereits einen Namen gemacht hatte. (APA, 14.10.2012)

Share if you care.