Italienische Skandale: Als ob nichts gewesen wäre

Kommentar14. Oktober 2012, 18:53
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Die Skandale haben aber auch ihr Gutes

Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde in Mailand der Sozialist Mario Chiesa in flagranti dabei ertappt, wie er sieben Millionen Lire Schmiergeld an sich nahm. Die Festnahme des kleinen Fisches führte zur Aktion "mani pulite", in deren Verlauf Mailänder Staatsanwälte Italiens 1. Republik der Korruptionisten mit "sauberen Händen" ein Ende bereiteten. Nun allerdings, mit den Skandalen und Affären um Regionalpräsident Roberto Formigoni, sind die schmutzigen Pratzen wieder zurück in der lombardischen Metropole. So, als ob nie etwas gewesen wäre.

Formigoni, der ehemalige Christdemokrat, war immer ein Exponent des alten Systems. Seit Mitte der 1990er-Jahre gab er Silvio Berlusconis Statthalter in Mailand. Als sich der Cavaliere anschickte, im Galopp auch die 2. Republik zu erobern, machten ihm Formigoni und die Lega Nord unverzagt die Steigbügelhalter. Jetzt kommt diese 2. Repu blik, in der doch alles besser werden sollte, in Mailand wieder zu sich - eine bemerkenswerte Ironie der Geschichte.

Die Skandale haben aber auch ihr Gutes. Die Vorfälle in der Lombardei und in Latium (Toga-Partys der Berlusconianer auf Regimentskassa) schließen wahrscheinlich aus, dass Berlusconi im Frühjahr noch einmal zur Wahl antreten und das ganze Land in Geiselhaft nehmen wird können. Das eröffnet Chancen für einen anderen großen Lombarden. Mario Monti könnte tatsächlich das tun, was er ohnehin schon angedeutet hat: noch einmal antreten. (DER STANDARD, 15.10.2012)

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