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Beethoven formidabel umgesetzt: Philippe Jordan.
Wien - Im Interview mit dem STANDARD zum Jahreswechsel 2011/2012 hatte sich Philippe Jordan, Musikdirektor der Pariser Oper und designierter Chefdirigent der Wiener Symphoniker, schon freudvoll über die beiden bevorstehenden Wien-Dirigate mit Beethoven'scher Kirchenmusik geäußert.
Ließ der mit den Wiener Philharmonikern zum letztjährigen Osterklang präsentierte "Christus am Ölberge" aufgrund einer gewissen Übermotiviertheit und der üppigen Besetzung im intimen Theater an der Wien mehr Lautstärke als Freude aufkommen, so gelang dem 37-Jährigen jetzt im Wiener Musikverein zusammen mit den Symphonikern eine fantastisch genaue, mit Übersicht und perfekt dosierter Leidenschaft gestaltete "Missa solemnis". Und das bei Jordans erster Aufführung dieses eigenwilligen und komplexen Großwerks.
Zu einem Großteil war diese musikalische Sternstunde aber dem Wiener Singverein zu verdanken. Der Chor ist ja die prägende gestalterische Kraft von Beethovens Opus 123, und was die von Johannes Prinz geleitete Chorvereinigung hier leistete, war schier unglaublich.
Elastische Lungen
Die diffizile Marathonunternehmung wurde mit einer lächelnden Leichtigkeit und elastischen Lungen absolviert, aber auch mit einer Differenziertheit, einer Geschmeidigkeit, einer Stimmungsgenauigkeit und -vielfalt, die einem fast den Atem raubte. Das mit Dezenz, gestalterischer Ernsthaftigkeit und Souveränität agierende Solistenquartett (die wundervolle Ingrid Kaiserfeld, die wundervolle Elisabeth Kulman, Robert Dean Smith und Lars Woldt) war dem Singverein solistische Assistenz und Krönung.
Der Zufall wollte es, dass im Wiener Konzerthaus ebenfalls dieser sakrale Geniestreich auf dem Programm stand - diesfalls mit einem historisch informierten Gast, der unlängst in Salzburg die neue und die Festspiele verlängernde Ouvertüre spirituelle mit Haydns "Schöpfung" delikat eröffnet hatte. Dirigent John Eliot Gardiner, bei Beethoven bekannt für forsch-vorwärtsdrängende symphonische Ansichten, setzt bei der "Missa solemnis" denn auch auf hohe Unmittelbarkeit der kontrapunktischen Strukturen (im Gloria).
Und natürlich hat das bisweilen herausgehobene Blech Augenblicke der rufzeichenartig anmutenden Keckheit wie auch das Orchestre Révolutionnaire et Romantique in Summe eine vibratolose, prägnante Streicherdiktion pflog. Die unerschöpflichen Ausdrucksvielfalt dieses Werkes jedoch wird nicht unterschlagen. Da sind delikate Holzbläserpassagen zu erleben, und das Geigensolo (Peter Hanson) war ein Exempel der aus linearer Kühle erwachsenden Sanglichkeit.
Schließlich der Monteverdi Choir: Ein Advokat von Intensitäten aller Art, ergänzt durch gute Solisten wie Lucy Crowe, Jennifer Johnston und Matthew Rose, wobei Tenor James Gilchrist etwas Mühe verspüren ließ. Und wäre das Ganze an exponierten Tuttistellen nicht doch in emotional aufgeladene Verschwommenheit abgeglitten, wäre nebst Intensität auch Ausgewogenheit zu bewundern gewesen. (end/tos, DER STANDARD, 15. 10. 2012)
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ich habe beide aufführungen gehört und bei allen guten einzelleistungen von der mv aufführung ging ich völlig unberührt raus - aber dann die gardiner aufführung am samstag: ich saß permanent mit gänsehaut an der stuhlkante - gardiner erzeugte eine unfaßbare sogwirkung - es lagen welten zwischen den beiden auffürungen...
War zwar nur Freitag, aber ich teile Ihre Einschätzung: der Funke wollte nicht überspringen.
Die Solisten nahm ich nicht immer als wundervoll wahr, aber ich bin bei weitem kein Fachmann.
Der Körpereinsatz eines Philippe Jordan wirkte ein wenig übertrieben.
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