Premier Cameron kommt Schotten entgegen

  • Ja zu einem unabhängigen Schottland, sagt SNP-Chef Alex Salmond. 2014 soll das Referendum stattfinden.
    foto: reuters/moir

    Ja zu einem unabhängigen Schottland, sagt SNP-Chef Alex Salmond. 2014 soll das Referendum stattfinden.

Nach monatelangem Streit besteht Einigkeit zwischen London und Edinburgh: 2014 werden die Schotten über ihre Unabhängigkeit abstimmen

Umstritten ist die Einbeziehung 16- und 17-Jähriger in das Referendum.

Die Flaggen sind gehisst, der Premierminister kann kommen. Wenn David Cameron am Montag der schottischen Hauptstadt Edinburgh einen Besuch abstattet, wird das weiße Schottenkreuz auf dunkelblauem Grund für den Besucher kaum zu übersehen sein. Die nationalistische Regionalregierung unter Alex Salmond will auf diese Weise ihre Autonomie-Bestrebungen deutlich machen, die 2014 in eine Abstimmung über Schottlands Unabhängigkeit münden sollen. Cameron segnet das Referendum heute zwar ab, kündigt aber einen harten Kampf um Großbritanniens Nordprovinz an: "Gemeinsam sind wir ein besseres Land."

Das Thema dominiert die politische Debatte in Schottland, seit Salmonds SNP 2011 die absolute Mehrheit im Edinburgher Landtag gewann. Monatelang stritten sich die Nationalisten mit der Londoner konservativ-liberalen Koalition um Zeitpunkt und Formalien der Abstimmung. Herausgekommen ist ein Kompromiss, der beide das Gesicht wahren lässt.

Obwohl Cameron eine frühzeitige Abstimmung befürwortete, wird Salmond erst im Herbst 2014 zu den Urnen bitten. Dadurch erhoffen sich die Nationalisten Aufwind von den Feiern zum 700. Jahrestag der Schlacht von Bannockburn, einem legendären Sieg der Bravehearts über ihre südlichen Nachbarn. Dafür muss sich die Wählerschaft klar entscheiden: Ja oder Nein zur völligen Unabhängigkeit? Die Nationalisten hatten mit einer zweiten Frage, in der es um größere Autonomie innerhalb Großbritanniens gehen sollte, den Zweiflern einen Mittelweg eröffnen wollen.

In jüngsten Umfragen liegen die Gegner der Unabhängigkeit (53 Prozent) deutlich vor den Befürwortern (28), der Rest ist unentschlossen. Der Jubel-Sommer mit dem 60. Thronjubiläum der Queen und der erfolgreich absolvierten Olympiade dürfte viele Schotten in ihrem Zugehörigkeitsgefühl zum Gesamtstaat bestärkt haben. Zudem haben die drei gesamtbritischen Parteien Labour, Tories und Liberaldemokraten mit ihrer Kampagne "Besser gemeinsam" (Better together) geschickt die Öffentlichkeit beeinflusst. "Wer Schottland liebt, muss deshalb noch lange nicht das Vereinigte Königreich verlassen", argumentiert deren Sprecher, der frühere Londoner Finanzminister Alistair Darling (Labour).

Eine geplante Neuerung sorgt schon vorab für heftige Diskussionen: Wie von Salmond gewünscht, sollen über die Unabhängigkeit auch 16- und 17-Jährige abstimmen dürfen. Der Befürchtung von Gegnern zufolge wird damit auch die Senkung des Wahlrechts (bisheriges Mindestalter: 18 Jahre) unausweichlich, ohne dass die Parlamente darüber beraten und abgestimmt haben. (Sebastian Borger aus London /DER STANDARD, 15.10.2012)

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