Paris: Geldwäschering mit Prominenz

14. Oktober 2012, 18:02

Ermittlungen auch gegen Pariser Grünen-Politikerin

Die französischen Medien sprechen von einer "gigantischen" Geldwäschereiaffäre. Die Polizei ermittelt gegen 17 Personen in Frankreich und gegen drei in der Schweiz. Zu den Verdächtigen zählt neben zahlreichen betuchten Parisern auch eine Politikerin: Florence Lamblin, Vizebürgermeisterin und Vertreterin der grünen Partei EELV im Pariser Stadtparlament.

Neun Personen wurden verhaftet, Lamblin blieb - wie sieben weitere Verdächtige - auf freiem Fuß. Die 43-jährige Architektin legte ihr Amt am Samstag nieder, bestreitet aber jede Verwicklung.

Der Geldwäschering soll allein seit März 40 Millionen Euro - gleichbedeutend mit dem Absatz von acht Tonnen Haschisch - über private Mittelsmänner "gesäubert" haben und seit Jahren aktiv gewesen sein. In Frankreich stellten die Ermittler an mehreren Orten Pistolen, Geldzählmaschinen, Goldbarren sowie eine Million Euro in bar sicher. In Genf fand die Polizei ähnlich viel Bargeld, dazu Schmuck und 160 Luxusuhren.

Das Cannabis gelangte offenbar von Marokko aus an zwei Umschlagplätze im Großraum Paris; von dort wurde ganz Nord- und Ostfrankreich beliefert. Gut situierte Personen, darunter ein prominenter Pariser Anwalt, sowie Ärzte, Architekten, Kunsthändler und Ingenieure sollen das Drogengeld dann zur freien Verfügung erhalten haben und die Rückzahlung von ihren Bankkonten in der Schweiz auf anonyme Offshore-Konten vorgenommen haben.

Lamblin ließ durch ihren Anwalt verlauten, sie sei "hereingelegt worden". Sie habe zwar von einem Genfer Bankkonto aus 350.000 Euro nach Paris überweisen lassen. Dabei habe es sich aber um vererbtes Familienvermögen gehandelt, das seit 1920 auf dem Konto gelegen habe. Lamblin habe sich durch jemanden in Finanzfragen beraten lassen, der sie an einen der Geldwäscher vermittelt habe, mit dem sie einmal gesprochen habe.

Der Finanzberater soll einer Genfer Finanzgesellschaft angehören, bei der einer der Verhafteten arbeitete. Der andere, sein Bruder, war bei der Genfer Niederlassung der Privatbank HSBC tätig. Beide Financiers sollen durch gute gesellschaftliche Kontakte hochrangige Kunden aus Paris angezogen haben.

Den Rücktritt Lamblins hat ihr Vorgesetzter Jérôme Cousset, Bürgermeister des 13. Pariser Stadtbezirks, verlangt und durchgesetzt. Die bürgerliche Opposition hat eine Verbindung zwischen dem Fall und der "permissiven" Drogenpolitik der Grünen hergestellt. Lamblins Anwalt erklärte, seine Klientin habe sich - wenn überhaupt - höchstens der Steuerflucht schuldig gemacht. (Stefan Brändle aus Paris /DER STANDARD, 15.10.2012)

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14 Postings

der weed-vergleich ist ja wohl ein witz !

wenn ich jetzt richtig gerechnet habe, wärn das 5 euro pro gramm - das wär zuwenig fürn endverbraucher aber (denk ich) zuviel, wenn ich wirklich 8 tonnen abnehme.

wo kommen die zahlen also her ?

nicht genug

manche können einfach nicht genug bekommen. Das mit den Händen Verdiente ist zuwenig, da wird dann noch zusätzlich in etwas Windiges investiert, das dann noch 2% mehr bringt....., denn Geld soll ja bekanntlich arbeiten...., damit wir noch reicher werden....., egal was mit dem investierten Geld passiert (Let's make money)

Wie viel Badewannen voll Hasch werden das wohl sein?

die legalen institutionen sind oftmals schlimmer, und nicht immer weniger profit-bringend als illegales

banken, die geld auf anonyme offshore-konten überweisen, sollten zerschlagen werden. ganz egal welches geld.

Nicht, solange es mein Geld ist.

Man sollte sich einmal die Dimensionen vergegenwärtigen:

Martin Schlaff hat aus seinen diversen Telekom- Deals so um die 1,2 MILLIARDEN Euro lukriert http://www.peterpilz.at/2006-09/p... h.htm#t_25
Das ist das Dreissigfache der Summen, um die es hier geht.
Und statt dass alle Medien Skandal! schreien, kann er im schnell abgedrehten U- Ausschuss noch zu schlechter Letzt das Parlament verhöhnen...

"Der Geldwäschering soll allein seit März 40 Millionen Euro - gleichbedeutend mit dem Absatz von acht Tonnen Haschisch"

Sehr geehrter Herr Brändle, wo haben sie denn diesen schönen Satz abgeschrieben?

Falls er aus der eigenen Feder stammt: Ich kann mir das so schwer vorstellen, mir fehlt leider die Expertise aus dem Haschisch-Vertrieb im Tonnenbereich. Wieviel wäre das denn in Kalaschnikovs, Litern Bier, Badewannen Leberkäse oder Fussballfeldern aneinandergelegter 10-Cent-Münzen?

das sind grob gerechnet 166 fussballfelder

oder, was sie sich besser vorstellen können, eine koksline, die einskommasechs mal um den mond geht.

fluchthinderl

ich fürchte, ihnen ist der grund des einsatzes des posts ihres vorposts doch etwas entgangen...

und was machen die Schweizer in solchen Fällen?

Geht uns nichts an!

Im Artikel steht u. a. der Satz:

"In Genf fand die Polizei..."
Nachdem Genf in der Schweiz liegt, war das die Schweizer Polizei.

und die anderen verdächtigen gehören welchen parteien an ??

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