"Wir sind wie Brüder"

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    foto: apa/pessenlehner

David Alaba genießt die Zeit mit der österreichischen Nationalmannschaft. Ob er am Dienstag gegen Kasachstan mitspielen kann, ist noch offen. Da der 20-Jährige aber "kein Heilsbringer" ist, sollte diese Frage nicht entscheidend sein.

Wien - Am Sonntagvormittag wurde im Happel-Stadion trainiert, die Öffentlichkeit war ausgesperrt. Nur das Aufwärmen durfte geschaut und sogar fotografiert werden, das brachte zwar Bilder, aber genau null Aufschlüsse. Österreichs Teamchef Marcel Koller hat jedenfalls Änderungen für das Spiel am Dienstag angekündigt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird Marc Janko von Beginn an stürmen. Die Kasachen werden wie bereits am Freitag beim 0:0 in Astana von Beginn an verteidigen und auf Konter, die es im Idealfall gar nicht gibt, lauern. Was sich Koller diesmal erwartet, schließlich sollte ja schon ein Unterschied sein, zumal in einer WM-Qualifikation Punkte vonnöten sind? " Tore."

Verteidiger Sebastian Prödl hat jedenfalls ein Versprechen abgegeben: " Wir schaffen es sicher nicht, gegen Kasachstan in 180 Minuten kein Tor zu schießen." Das klingt beruhigend, Prödl sagt auch, "dass es keine Nachwirkungen gibt. Wir sind hoch motiviert. Außerdem haben wir in Astana nicht alles falsch gemacht. Es war zwar kein Fortschritt, aber auch kein Rückschritt." Man habe sich damit abgefunden, zwei Punkte verpasst zu haben. "Jammern wäre typisch österreichisch. Entscheidend sind die Duelle mit Schweden und Irland. Und natürlich drei Punkte am Dienstag."

Ob David Alaba einen Beitrag leisten kann, entscheidet Koller. Der 20-jährige Bayern-Legionär strahlt jedenfalls durch Wien. Fast drei Monate durfte er seinem Beruf nicht nachgehen, ein gebrochener Mittelfußknochen hielt ihn von seiner Lieblingsbeschäftigung ab. "Ich bin Gott dankbar, dass er mir die Kraft gegeben hat, um das alles zu überstehen. Ich konnte daraus viel lernen. Jetzt darf ich wieder mit dem Ball spielen, die Zeit in der Kraftkammer war frustrierend." Unmittelbar auf Gott folgten die Familie ("Sie hat mich oft in München besucht") und Mitspieler wie Franck Ribery. "Der hat mir Mut zugesprochen."

Klugheit

Ob Bayerns Trainer Jupp Heynckes wollte, dass Alaba nachnominiert wird, weiß maximal Heynckes. Er hatte gehofft, dass Koller klug genug sei, die Lage richtig einzuordnen. Soll heißen: kommt zu früh, Alaba wäre in München besser aufgehoben. Alaba sagt allerdings, "dass sich Heynckes für mich sehr gefreut hat, er hat mir die Erlaubnis gegeben". Koller sieht seine Handlung nicht in Widerspruch zu Heynckes Worten und schaut sich die zwei verbleibenden Trainings an. Alaba glaubt, "dass mir noch ein bisserl das Gefühl, die Präzision und das Tempo fehlen. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein."

Fakt ist, dass das Wohl der Nation in einer Partie gegen Kasachstan nicht von einer Person, nämlich Alaba, abhängen kann und darf. Er sieht das jedenfalls so: "Gegen Deutschland waren wir ohne mich großartig. Wir sind eine gute Mannschaft, an allen Positionen doppelt besetzt. Ich bin kein Heilsbringer, nur ein Bestandteil eines funktionierenden Kollektivs. Wir sind wie Brüder."

Am Sonntagnachmittag hatte die Mannschaft frei, die Zeit konnte totgeschlagen werden. Ein Bummel durch die Innenstadt drängte sich auf. Veli Kavlak erwartet übrigens "erneut ein Geduldsspiel. Partien gegen Kasachstan müssen offensichtlich grausam sein. Gewinnt man sie, ist das aber völlig egal." (Christian Hackl, DER STANDARD 15.10.2012)

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