US-Bilanzen und Euro-Gipfel bestimmen die Agenda

14. Oktober 2012, 15:48
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Die Börsianer sehen kaum Aufwärtspotenzial für den Dax, Diskussionen um Hilfsgelder für Griechenland dauern an

Frankfurt am Main - Euro-Krise und Konjunktursorgen - auch in der neuen Woche dürften die Anleger am deutschen Aktienmarkt um diese beiden Themen nicht herumkommen. Analysten sehen daher kaum Chancen für Kursgewinne im Dax. Die Korrekturgefahr sei weiterhin groß, prognostizierten die Experten der Landesbank Berlin. An den vergangenen fünf Handelstagen hatten die trüben Perspektiven für die Weltwirtschaft sowie der durchwachsene Start der US-Bilanzsaison den deutschen Leitindex knapp zwei Prozent ins Minus gedrückt.

Bilanzsaison

Während die Bilanzsaison hierzulande noch auf sich warten lässt, nimmt sie in den USA in den kommenden Tagen bereits deutlich an Fahrt auf. So lassen sich unter anderem die US-Banken Citigroup (Montag) und Goldman Sachs (Dienstag) in ihre Bücher gucken. Auch Großkonzerne wie Intel, IBM (Dienstag) oder Microsoft (Donnerstag) legen ihre Zahlen vor. "Insgesamt müssen wir sicher noch mit der ein oder anderen Enttäuschung rechnen", sagt Jörg Rahn, Marktstratege bei Marcard, Stein & Co.

Die US-Konjunkturdaten dürften nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Balz dagegen etwas Erleichterung mit sich bringen. "Die anstehenden Indikatoren für September und Oktober sollten nach oben deuten und damit bestätigen, dass sich die moderate Erholung fortsetzt", schrieb er in einem Kommentar. Balz rechnet sowohl bei den Einzelhandelsumsätzen (Montag) wie auch bei der Industrieproduktion (Dienstag) mit einem Anstieg.

Wie es um die deutsche Konjunktur bestellt ist, sollte der ZEW-Index am Dienstag zeigen: Reuters-Analysten gehen im Schnitt mit einer leichten Verbesserung auf minus 15 Punkte aus - nach minus 18,2 Zählern im September.

Griechenland im Blickfeld

Gegen Ende der Woche dürfte dann Griechenland wieder verstärkt ins Blickfeld der Anleger rücken: Die Finanzminister der Eurozone hatten Athen zuletzt ultimativ aufgefordert, bis zum EU-Gipfel am Donnerstag alle noch offenen Punkte abzuarbeiten, die als Voraussetzung für eine Auszahlung der nächsten Hilfsgelder verabredet worden waren. Vor dem Treffen machte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bereits deutlich, dass er nicht mit einem Bankrott Griechenlands rechne. "Ich denke, das wird nicht passieren, dass es zu einem Staatsbankrott von Griechenland kommt", erklärte Schäuble am Sonntag in Singapur. Auch von einem Austritt des Landes aus der Eurozone hält er wenig.

Zurzeit verhandelt die griechische Regierung mit den Experten der Troika über die Auszahlung einer weiteren Tranche von gut 30 Milliarden Euro aus dem laufenden 130-Milliarden-Euro-Hilfspaket, ohne die das Land Ende November zahlungsunfähig würde. Ministerpräsident Antonis Samaras drängt seit Monaten darauf, dem Land zwei Jahre mehr Zeit bis 2016 zur Umsetzung des Reformprogramms zu geben, um die Rezession nicht weiter zu verschärfen. Auf seine Seite schlug sich zuletzt auch IWF-Chefin Christine Lagarde.

EU-Gipfel am Wochenende

Bei der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank hatte Lagarde am Wochenende zum entschlossenen Kampf gegen die Schuldenkrisen in der Eurozone und in den USA aufgerufen. Dazu verabschiedete der IWF eine zehn Seiten lange Liste mit Reformaufträgen und forderte mehr Anstrengungen zur Belebung der Weltwirtschaft.

Neben den Hilfsgeldern für Griechenland dürften auf dem EU-Gipfel jedoch auch die Pläne zur Bankenunion heiß diskutiert werden. Die Regierungschefs Frankreichs und Spaniens, Francois Hollande und Mariano Rajoy, drängen auf die rasche Einführung einer europäischen Bankenkontrolle. Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich bei der Schaffung einer einheitlichen Bankenaufsicht dagegen mehr Zeit lassen. "Wir haben nichts gewonnen, wenn anschließend das Ergebnis nicht besser ist als das, was wir bisher abgeliefert haben", hatte Merkel jüngst gesagt.

Die Euro-Regierungschefs hatten Ende Juni in Brüssel den Einstieg in die Bankenunion vereinbart, mit der das Finanzsystem in Europa krisenfester gemacht werden soll, ohne die Geldhäuser aufzuspalten. (APA/Reuters, 14.10.2012)

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