Kafka-Briefe Israels Nationalbibliothek zugesprochen

14. Oktober 2012, 15:21

Töchter von Brods ehemaliger Sekretärin hatten Anspruch auf Erbe erhoben

Tel Aviv - Ein kostbarer Nachlass mit Briefen des Schriftstellers Franz Kafka soll an die israelische Nationalbibliothek in Jerusalem übergeben werden. Ein Gericht in Tel Aviv entschied am Sonntag gegen die Forderung zweier Schwestern, sie seien rechtmäßige Erbinnen des Nachlasses von Max Brod. Der israelische Rundfunk meldete, die Richterin habe in der Urteilsbegründung erklärt, von den Frauen vorgelegte Dokumente seien nicht glaubwürdig genug.

Vor seinem Tod 1924 hatte Franz Kafka seinen Freund Brod - ebenfalls Schriftsteller - gebeten, seine Werke zu verbrennen. Dieser brachte sie jedoch zur Veröffentlichung und Kafka errang Weltruhm. Brod floh 1939 vor den Nationalsozialisten aus Prag nach Palästina. In einem Koffer hatte er die Werke von Kafka dabei.

Nach Brods Tod 1968 ging der Nachlass mit vielen Kafka-Texten an seine ehemalige Sekretärin Esther Hoffe. Sie verkaufte einen Teil der Texte, darunter 1988 das Romanmanuskript "Der Prozess", für etwa zwei Millionen Dollar, einen anderen Teil bewahrte sie in Safes in Israel und der Schweiz auf. Nach ihrem Tod vor zwei Jahren im Alter von 101 Jahren vererbte sie den Brod-Nachlass an ihre Töchter Ruth und Hava. (APA, derStandard.at, 14. 10. 2012)

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16 Postings

Offensichtlich ein gerechtes Urteil. Die israelische Justiz funktioniert eben weit besser, unabhängiger als die in Österreich.

Ich liebe Ihren Sarkasmus!

Und wird jetzt auch endlich diese eine mysteriöse Kurzgeschichte veröffentlicht, von der mal die Rede war?

Seltsames Urteil

wenn Fr. Hoffe Egentümerin des Brodnachlasses war und diesen an ihre Töchter vererbt hat sind sie rechtmäßigen Eigentümer. Da hat das Gericht sichtlich parteisch geurteilt, was mich aber nicht wirklich überrascht

Eigentlich sollte sie ja Herr Brod verbrennen,

tat er nicht - also sind sie eingentlich den Erben von Kafka zu übergeben, dem würden sie nämlich gehören.

Oder im Grunde noch besser, Verbrennen wie Herr Kafkat es gewollt hat, war ja sein letzter Wille

aha google hilft

brod hat alles dem archiv vermacht, allerdings hatten es die damen unter verschluss ....
lieber standard, bitte auch einmal googeln, damit man die meldungen versteht ...

Nein,

Das stimmt so nicht. Das Testament ist da völlig unklar, was erstens das Archiv betrifft und zweitens hat Brod mit dem Nachsatz, dass die Erbin aber damit verfahren könne, wie sie wolle, alles wieder aufgehoben.
Also die Erbschaft scheint zu stimmen.

günter grass-

wäre das nicht was tolles für israels nationalbibliothek?

hats der staat geerbt?

ich versteh da was nicht ---

sollten auch manuskripte zu seinen büchern dabei sein..

müsste diese eigentlich verbrannt werden, oder wie seh ich das mit dem letzen willen?

Den Frauen wäre dieses Erbe zweifellos zugestanden, weil sie die rechtmäßigen Erben der Besitzerin der Manuskripte sind. Seltsames Urteil! Aber wo viel Geld im Spiel ist....

Wäre Franz Kafka nach Israel ausgewandert?

Und hätte er sich zuerst als Jude und dann als Tscheche empfunden?

Gute Frage

Wenn Sie in den 70ern Kafkabiografien studiert hätten, wäre das "jüdische" in Kafkas Selbstbild kaum betont worden, heute ist der Trend eher in die Gegenrichtung. Seine Haltung zum Zionismus war aber sicher interessiert ... Aber Gegenfrage ist Kafka für uns ein jüdischer oder tschechischer Schriftsteller - oder viel mehr als das, ein Dichter der Dinge hinter diesen Kategorien ansprechen konnte.
Das Kafkaeske an der Geschichte um das Erbe ist aber, dass hier um etwas gestritten wird, das eigentlich verbrannt hätte werden müssen und dass den Streit eine Autorität (Staat) gewonnen hat, gegen die Kafka m.E. "angeschrieben" hat.

Kafka ist ein deutschsprachiger Schriftsteller,

der in der national aufgeheizten Zeit von den tschechischen Schriftstellern als Deutscher abgelehnt wurde!

Zweifelhaft

Ein Witz, dieses Urteil. Der Anspruch auf den Brod-Nachlass des israelischen Staates ist mehr als zweifelhaft, der auf den Kafka-Nachlass sowieso.

Ja, die Sache wirkt alles andere als sauber und mehr wie eine bewusste Aktion sich den Kafka-Nachlass einzuverleiben. Einerseits ist das zwar nicht schlecht, weil er damit zumindest nicht im Privatbesitz verschwindet, andererseits wirkt es aber auch wie ein ordentlicher Skandal.

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