Auslaufmodell Telefonbuch

13. Oktober 2012, 10:20
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Hatten vor Jahren gedruckte Telefonbücher für Herold kein Ablaufdatum, werden sie fürs Geschäft zusehends unwichtiger.

Thomas Fries will es nicht schönreden: "Ja, der Gebrauch von gedruckten Telefonbüchern und anderen Papierwerken nimmt zugunsten digitaler Medien ab", sagt der Chef des Adressspezialisten Herold. "Doch in ländlicheren Gebieten wird immer noch gern darauf zugegriffen."

Wenn Printbereich wegbricht

War er vor wenigen Jahren im STANDARD-Gespräch noch überzeugt, dass es für das klassische Nachschlagewerk kein Ablaufdatum gebe, hängt heute sein unternehmerisches Herz nicht mehr so fest daran. "Unter den Yellowpage-Anbietern sind wir die einzige Firma, die weiter erfolgreich arbeiten könnte, selbst wenn der Printbereich morgen wegbrechen würde."

Beliebteste App

In den vergangenen Jahren hat das in Mödling ansässige Unternehmen sich weitgehend auf die digitale Welt eingestellt. Laut Mobile Marketing Association Austria ist Herold.at mit zwei Millionen Besuchen pro Monat die beliebteste österreichische App für Smartphones und Tablets.

Ausprobieren von Trends

Dass beim digitalen Hobeln neuer Angebote auch etliche weniger erfolgreiche Späne herausgekommen sind wie etwa der "Gutschein-King", gibt Friess zu. "Wir kommen nicht dran vorbei, alle Trends auszuprobieren. Wenn von zehn Innovationen fünf bis acht fehlschlagen, so bringen uns die restlichen zwei jedenfalls nach vorne." Innovation lasse sich nicht organisieren.

Einfacher als bei Facebook

Anders als Facebook, das damit kämpft, bezahlte Werbung aufs Smartphone zu bringen, kann sich Herold in dieser Hinsicht bequem zurücklehnen. "Facebook muss die Werbung zu seinen Nutzern hinbringen, damit sie darauf klicken. Unsere Nutzer haben bereits einen Kaufwunsch", sagt Friess.

Knapp über Vorjahresumsatz

Mit einem "digitalen Nachteil" ist Herold derzeit dennoch konfrontiert: Die Onlineprodukte sind beratungsintensiver als Printprodukte - der Markt für Verkäufer aber leergefegt, sagt Friess. Herold werde deshalb trotz großer Nachfrage heuer nur knapp über dem Vorjahresumsatz von 89 Millionen Euro liegen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 13.10.2012)

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    screenshot: derstandard.at
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