Satte Rabatte für Horrorferien

Kolumne12. Oktober 2012, 20:40
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Wenn der Urlaub in die Hose geht

Mitte Oktober merkt man: Der Urlaub ist wirklich vorbei. Man merkt es daran, dass der letzte Rest von Urlaubsbräune schwindet oder man intensiv daran arbeitet, seinen Reiseveranstalter vor den Kadi (oder wie Kurt Scheuch vielleicht sagen würde: "vor die Kröte") zu zerren.

Immer wieder versprechen Reiseveranstalter das Blaue vom Himmel, aber die Reisenden fallen dann aus allen Wolken. So virulent ist das Problem, dass RTL mit Herrn Ralf Benkö gar einen eigenen "Urlaubsretter" angestellt hat, der bei Krisen ("Deutsche Touristen erkranken im türkischen Çolakli!") helfend eingreift. Manchmal hilft freilich nur noch die Kröte - Verzeihung, der Kadi.

Bei der Beurteilung verpatzter Urlaube muss der Kadi viel Fingerspitzengefühl walten lassen. Reist ein Reisender freiwillig in die gefährlichsten Gebiete der Erde (Syrien, Tschetschenien, Liberia, Kärnten), wird der Kadi andere Maßstäbe anwenden als bei einer Lustreise ins steirische Thermenland. Im Lauf der Jahre haben sich in der Judikatur etliche Standards für Preisminderungen und Pönalen herauskristallisiert. Hier die Prozente, die der gelackmeierte Urlauber im Schadensfall lukrieren kann:

  •   Statt eines weichen wird dem Pensionsgast ein hartes Frühstücksei aufgetischt (0,25 Prozent Preisminderung).
  •   Bei Ankunft des Gastes sind alle Zimmer ausgebucht. Die Ersatzschlafstelle liegt im örtlichen Tierheim (22 Prozent).
  •   Die Pizza Neapoletana wird mit einer dicken Schicht Hausmüll bedeckt aufgetragen. Pampige Antwort des zur Rede gestellten Kellners: "Ja, was glauben Sie - seit wann funktioniert die Müllabfuhr in Neapel?" (49 Prozent)
  •   Der Gast findet eine amputierte Hand in der Minibar. Erklärung des Hoteliers: "In der Gerichtsmedizin haben sie schrecklichen Platzmangel. Darum vermieten wir ihnen die Minibars als Ausweichbehälter" (81 Prozent).
  •   Bei einem Luxusurlaub ("Karibiktraum") stellt sich heraus, dass Uwe Scheuch im Nebenbungalow wohnt (97 Prozent).
  •   Kurt Scheuch wohnt im Nebenbungalow (98 Prozent).
  •   Harald Dobernig wohnt im Nebenbungalow (99 Prozent).

Sollte sich gar herausstellen, dass Dobernig und beide Scheuch-Brüder nebenan wohnen, müsste der Veranstalter neben einer Preisminderung von hundert Prozent noch eine dreimonatige Weltreise bezahlen. In der First Class, versteht sich.  (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 13./14.10.2012)

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