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Wien - "Wir wollten keine Knechte der Unterhaltungsindustrie sein", sagt Schriftsteller und Experimentalkünstler Hermann Hendrich. Am Donnerstagabend diskutierte er mit seinen Kollegen Gustav Ernst, Wilhelm Pevny und Kathrin Röggla im Rahmen des Archivgesprächs Formen der Selbstorganisation von AutorInnen um 1970 und heute der Österreichischen Nationalbibliothek und des Standard.
Hendrich und Ernst waren 1970/71 Mitbegründer des "Arbeitskreises österreichischer Literaturproduzenten", einer Vereinigung von Autoren, die die Politisierung der Kunst forderten. Von den Medien ignoriert, sei " Gründen wir was!" damals eine neue Idee gewesen, erzählt Kolik -Herausgeber Ernst. Zeitschriften wurden hergestellt, Grundsätze einer radikalen Demokratisierung des Kulturbetriebs verbreitet: Denn " reaktionäre Beamte" entschieden über Stipendien, sagt Schriftsteller Wilhelm Pevny.
Ab 1971 publizierte der Arbeitskreis durch eine Kooperation mit dem Verlag Jugend & Volk die Edition Literaturproduzenten. Die "Null-Nummer" der Reihe enthält neben 34 Texten u. a. von Elfriede Jelinek, Peter Henisch, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker flammende Appelle. Gemeinsam mit der Grazer Autorenversammlung wurden hernach zumindest kurzfristige Veränderungen des Kulturbetriebs erreicht.
Mit der 1971 geborenen Schriftstellerin Kathrin Röggla analysierte eine jüngere Autorin die Folgen dieses Aufbruchs. Ins gemachte Nest hätte sie sich im Umfeld der Salzburger Autorengruppe und Literaturwerkstatt schon legen können. Das Internet als Publikationsort und politische Konzepte wie die Agenda 2010 (Stichwort: Ich-AG) in Deutschland führten für die Wahlberlinerin aber auch in der Literaturszene zu einer Atomisierung: " Jeder soll sich selbst vermarkten und verkaufen. Das ist eigentlich das Gegenprogramm zu dem, was von den Literaturproduzenten versucht wurde." (zeit, DER STANDARD, 13./14.10.2012)
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