Diskussion um Öffnung: Wiener Sternwartepark bleibt Politikum

12. Oktober 2012, 19:43
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Sima fordert Totalöffnung, der Eigentümer wehrt sich

Wien - Für die Stadt Wien muss es ein ziemlich wichtiges Thema sein: Seit Mai dieses Jahres arbeitet Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) daran, den 1984 zum Naturdenkmal erklärten Sternwartepark zu öffnen. Das ist jenes geschützte 5,8 Hektar große Gelände in Währing, das seit fast 130 Jahren ungestört verwildern darf. Um die Universitätssternwarte herum nützen seltene Pflanzen wie Tiere den einzigartigen Rückzugsort mitten in der Stadt.

Sima fordert Totalöffnung

Zugang zum Park haben schon bisher Studierende und Bedienstete der Sternwarte, Interessierten werden kostenlose Führungen durch den Park angeboten. Sima fordert aber eine Totalöffnung auch an den Wochenenden. Diesem Ansinnen verweigerte der Eigentümer, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die Zustimmung. Ein Abkommen über die Öffnung des Parks zu den Uni-Öffnungszeiten war zuvor kurz vor dem Abschluss gestanden.

Der offizielle Grund ist Geld. Der Uni Wien als Mieter des Objektes würden am Wochenende zusätzliche Kosten für die Bewachung des Parks entstehen. "Die Stadt ist aber nicht bereit, der Uni die Kosten zu ersetzen", sagt BIG-Pressesprecher Ernst Eichinger. Gegen den Bescheid der Umweltschutzabteilung MA_22, der eine Öffnung nach Plänen Simas vorsehen würde, hat die BIG Berufung eingelegt.

Dort heißt es etwa, dass die BIG die gänzliche Öffnung als "Eingriff in das Naturdenkmal" werte. "Das Areal am Wochenende nicht zu öffnen wäre kontraproduktiv", heißt es hingegen aus dem Büro Sima. "Wir würden sogar den Schließdienst übernehmen."

Ein Naturjuwel

Der Sternwartepark gilt als Naturjuwel. Im Gelände finden sich Fuchs- und Dachshöhlen, seltene Bienenarten haben sich eingenistet, mehr als 100 verschiedene Planzen- und Baumarten wurden dokumentiert. Gegen die Öffnung hat sich ein Anrainerprotest formiert, dieser machte in den vergangenen Monaten aber nicht mehr auf sich aufmerksam.

"Wir wurden gebeten, uns ruhig zu verhalten", sagt Initiator Alexander Peschke dem STANDARD. "Uns wurde vom Büro der Umweltstadträtin gesagt, dass eine Öffnung während der Uni-Zeiten angedacht wird. Diese Lösung haben wir unterstützt." Seit Simas Forderung bekannt wurde, "blieben alle Mails unbeantwortet".

Türkenschanzpark gegenüber

Geantwortet hat etwa Marcel Kneuer, Klubobmann der Grünen in Währing. Die geplante Totalöffnung findet er "nicht gut" und "merkwürdig". Die Öffnung wäre jedenfalls von allerhand Verboten begleitet, wie im Bescheid der MA 22 steht: keine Mitnahme von Hunden, keine Lärmerzeugung, keine Schaffung von Freiflächen oder Wiesen. Das Areal ist zu 90 Prozent bewaldet, viel Platz zum Hinlegen bleibt nicht. Kneuer: "Wir haben den riesigen öffentlichen Türkenschanzpark nebenan. Welche Interessen für die Öffnung des geschützten Parks sprechen, ist mir ein Rätsel."

Der Sternwartepark war schon 1973 ein Politikum und Gegenstand der ersten Wiener Volksbefragung. 57,4 Prozent der Wähler sprachen sich gegen Neubauten auf dem Gelände und gegen die Öffnung aus. Bürgermeister Felix Slavik (SP), der sich für das Bauprojekt und für die Öffnung engagierte, musste zurücktreten. (David Krutzler, DER STANDARD, 13./14.10.2012)

  • 1973 sprachen sich die Wähler bei der ersten Wiener Volksbefragung gegen die Öffnung des Sternwarteparks aus. Seit Mai setzt sich Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) für eine Totalöffnung ein - bislang erfolglos.
    foto: der standard/robert newald

    1973 sprachen sich die Wähler bei der ersten Wiener Volksbefragung gegen die Öffnung des Sternwarteparks aus. Seit Mai setzt sich Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) für eine Totalöffnung ein - bislang erfolglos.

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