Italien: Studenten und Lehrer demonstrierten gegen Regierungschef

12. Oktober 2012, 18:14
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Drastische Einsparungen im Bildungswesen - Lehrer müssen mehr Stunden für gleiches Gehalt arbeiten

Rom - Studenten, Schüler und Lehrer sind am Freitag in allen größeren italienischen Städten auf die Straße gegangen, um gegen die drastischen Einsparungen der Regierung Monti im Bildungswesen zu protestieren. "Wir verteidigen unsere Zukunft!" lautete der Slogan der rund 10.000 Demonstranten, die in Rom durch die Innenstadt zogen und das Zentrum lahm legten. Eine Gruppe von Studenten protestierte vor dem Sitz des EU-Parlaments in Rom. Aus Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen wurden in der Hauptstadt schärfste Sicherheitsvorkehrungen ergriffen.

Zu spannungsgeladenen Momenten kam es in Mailand, wo einige Studenten Rauchbomben gegen den Sitz des lombardischen Regionalparlaments warfen und den Rücktritt des wegen Korruption unter Druck geratenen Gouverneurs der Lombardei, Roberto Formigoni, forderten. In Florenz bildeten rund 2.000 Personen, darunter Lehrer mit befristeten Arbeitsverträgen und Verwaltungspersonal, eine Menschenkette.

Sparmaßnahmen

"Die Regierung Monti zerstört das Bildungssystem, um die Finanzen zu retten", klagte der Sprecher der Lehrergewerkschaft Flc Cgil, Mimmo Pantaleo. Die Gewerkschaften protestieren auch gegen den Plan der Regierung Monti, den Lehrern künftig mehr Arbeitsstunden aufzuzwingen. Der Wochenplan der Lehrkräfte solle von 18 auf 24 Stunden erhöht werden, berichtete Bildungsminister Francesco Profumo. Damit will sich der Staat Neueinstellungen ersparen.

"Wir müssen die Arbeitsstunden der italienischen Lehrer an europäische Standards anpassen", meinte Profumo. Mit den Einsparungen, die dank dieser Reform entstehen, sollen mehr Ressourcen für neue Schulen und die Restaurierung bereits bestehender Schulgebäude locker gemacht werden. "Wir wollen in Italien ein fortgeschritteneres und europäisches Schulsystem einführen", meinte Profumo. Angesichts der strengen Sparpolitik können in den nächsten Jahren die Gehälter der Lehrkräfte nicht erhöht werden, betonte der Minister. (APA, 12.10.2012)

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