West Wien muss in der Südstadt an Visionen arbeiten

12. Oktober 2012, 18:09
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Erstmals seit Jahren spielen die Handballer von West Wien wieder vorne mit. Conny Wilczynski, Spieler und Manager der Wiener, beklagt das Fehlen einer Heimstätte und fehlende Weitsicht der Politik

Wien - "Es ist zwar nur eine Momentaufnahme", sagt Conny Wilczynski. "Aber die ist ziemlich schön." Für Polaroids wie diese ist Wilczynski, der einstige Handball-Legionär in Deutschland, im Vorjahr zu seinem Heimatverein West Wien zurückgekehrt. Nach fünf Runden in der Handball Liga Austria (HLA) sind die Wiener auf Rang zwei zu finden. Eine ungewohnte Situation für den Traditionsklub, schließlich war der Serienmeister vergangener Jahre in jüngeren Jahren hauptsächlich im Mittelfeld zu finden.

Am Samstag (19 Uhr) kommt es in der Südstadt, der neuen Heimstätte der Wiener, gar zu einem Spitzenspiel. Gelingt im Duell der beiden einzigen noch ungeschlagenen Teams gegen Meister Hard ein voller Erfolg, sind die Wiener neuer Tabellenführer. "Wir können alle Heimspiele gewinnen", sagt Wilczynski. "Allein die Möglichkeit, das zu sagen, haben wir uns hart erarbeitet."

Der Teamspieler dient den Wienern nicht nur als Goalgetter, sondern auch als Manager. In beiden Funktionen will der 30-Jährige Handball in Wien wieder populärer machen und Fans in die Halle locken. Dass man Massen mit Liga-Handball begeistern kann, lernte Wilczynski in Deutschland: 2008 trug er als Torschützenkönig in der Bundesliga maßgeblich zu einem Zuschauerboom bei den Füchsen Berlin bei. "Das Wichtigste ist ein Plan", sagt Wilczynski. "Und der hat West Wien bisher gefehlt."

Der linke Flügelspieler möchte seinem Klub, für den er bereits in der Jugend wirkte, wieder eine Identität verpassen. An der mangelte es West Wien in der vergangenen Saison, der Verein hatte keine fixe Heimstätte. Die Südstadt ist ein neuer Versuch, der Vertrag läuft auf ein Jahr mit Option auf Verlängerung. Wilczynski: "Natürlich war auch die Wiener Stadthalle ein Thema. Aber von neun Heimspielen hätten wir aufgrund von Veranstaltungen sieben in anderen Hallen spielen müssen."

Nicht fernsehtauglich

Beim jüngsten Heimspiel in der Südstadt fanden sich 500 Zuschauer ein. "Der Stellenwert der Heim-EM 2010 war nicht so groß", sagt Wilczynski. "Einige Vereine haben gedacht, nach der Euphorie kommen die Leute von alleine. Das wurde falsch eingeschätzt." Zudem seien die Hallen in der Liga nur bedingt fernsehtauglich. "Das zieht auch nicht gerade Massen an Sponsoren an, wenn sie keine TV-Präsenz bekommen."

Über kurz oder lang müsse die Stadt Initiative ergreifen. "Wir wollen ja nicht nur jammern, aber die Hallen-Problematik gehört gelöst. Eine Handball-Heimstätte in Wien würde viel Gutes tun." Die aon Fivers, Meister 2011 und derzeit Dritter in der HLA, tragen ihre Heimspiele in der Hollgasse im 5. Wiener Gemeindebezirk aus.

Investiert hat West Wien in professionelle Rahmenbedingungen auch im Training, zudem wurde das Physioteam vergrößert. Vor der Saison wurden vier neue Spieler geholt, darunter der Lette Janis Pavlovics und Teamspieler Markus Wagesreiter, der die Defensive der Wiener gefestigt hat. Dessen Fähigkeiten sind am Samstag gegen die Gäste aus Hard gefragt, Dominik Schmid ist mit 41 Treffern Führender in der Torschützenliste. (David Krutzler - DER STANDARD, 13.10. 2012)

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    Wilczynski hofft mit West Wien auf den großen Wurf.

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