Biden gegen Ryan: Zwei Welten prallen aufeinander

12. Oktober 2012, 17:56
posten

Duell der Vizes hat keinen klaren Sieger

Washington - Hat er zu abfällig gegrinst? Zu vernehmlich geseufzt? Zu oft unterbrochen? Joe Biden ist angetreten, den Schaden zu begrenzen, den Barack Obama gut eine Woche zuvor mit einer lustlosen Debattenleistung angerichtet hatte. Während der Präsident seinen Kontrahenten Mitt Romney gewähren ließ, ohne ihm auch nur einmal in die Parade zu fahren, will der Vize das Kontrastprogramm liefern - hellwach, angriffslustig, widersprechend.

Über weite Strecken gelingt es ihm, und doch geht die Rechnung am Ende nicht so auf, wie er es sich vorgestellt hat. Nicht ohne Grund lästern die Republikaner danach über einen respektlosen Joe Biden, der die Ergebnisse gründlicher Zahnpflege vorzeigte, weil er seine Miene fast automatisch zu einem breiten Grinsen verzog, sobald sein Rivale Paul Ryan das Wort hatte.

Niemals langweilig

Langweilig jedenfalls wird es nie, vielmehr prallen zwei Gedankenwelten aufeinander. Während Biden einen aktiven Staat und höhere Steuern für Besserverdiener beschwört, betont Ryan, so etwas wie der Sparkommissar der Grand Old Party, die Vorzüge ungezügelter Privatinitiative. Das Exempel: ein 787 Milliarden Dollar teures Konjunkturpaket, mit dem das Weiße Haus 2009 die Rezession abzufedern versuchte. Ryan, erzählt Biden, sei zwar theoretisch strikt dagegen gewesen, habe es aber praktisch anders gesehen. Er erinnere sich an nicht weniger als zwei Briefe, in denen Ryan Fördermittel für Geschäftsleute seines Wahlkreises anmahnte.

Anders als zuvor Obama kommt Biden, aufgewachsen im Hacklermilieu der Industriestadt Scranton, auf Romneys kühlen Satz zu sprechen, wonach 47 Prozent der Amerikaner von Staatshilfen leben und nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. "Es sind Leute, die hart arbeiten und mehr Steuern zahlen als Romney." Darauf Ryan: Romney habe das so nicht gemeint, und Biden mit seinem Hang zu Versprechern müsste es wissen: "Manchmal kommen die Worte nicht richtig aus Ihrem Mund." (fh/DER SSTANDARD, 13.10.2012)

Share if you care.