Weniger Überstunden für Männer: Nichts für die Business-Class

Kommentar12. Oktober 2012, 18:20
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Die Frauenministerin will jetzt Überstunden gesetzlich reglementieren. Damit Männer weniger Überstunden machen

Viele Überstunden sind auch Prestigesache. Unzählige davon zeigen: Man(n) ist wichtig im Betrieb. Gehört zu den unersetzlichen Kadern. Und zu den vielversprechenden Personalreserven, sobald sich in den obersten Etagen eine Lücke auftut. Kurzum, massig Überstunden signalisieren: Aus mir wird noch was!

Kein Wunder, dass vor allem Männer ganz gern Mehrarbeit nach Dienstschluss leisten, während es berufstätige Frauen zu dieser Zeit eher nach Hause zieht. An Feierabenden müssen sie dort nämlich noch den Nachwuchs aufpäppeln und schmutzige Geschirrtürme beseitigen. Doppel- und Dreifachbelastung nennt sich das.

Die Frauenministerin will jetzt Überstunden gesetzlich reglementieren. Damit Männer weniger Überstunden machen. Ihr Ziel: Diese Männer sollen mehr Zeit für die Familie haben - und Frauen ihre Teilzeitstunden aufstocken.

Klingt gut, täte gut, ist in der Praxis aber schwer umzusetzen, weil: Männer mit übergroßem Ego ... äh, sorry ... Überstundenkontingent haben sich schon bisher für den Workaholismus und gegen ihre Familie entschieden.

Streicht man ihnen Überstunden, wird diese Sorte weiterhin auch abends versuchen, Karriere zu machen. Nach außen hin freilich ganz lässig: auf dem Golfplatz, wo auch der Vorstand regelmäßig einlocht; oder beim Innenstadt-Italiener, wo der Geschäftsführer oft auf einen Aperol vorbeischaut. Netzwerken ohne Ende nennt man das. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 13./14.10.2012)

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