EU verlagert Treibhausgas-Emissionen

  • Auch in Europa gibt es noch qualmende Rauchfänge - hier ein Stahlwerk in Duisburg.
    foto: apa/augstein

    Auch in Europa gibt es noch qualmende Rauchfänge - hier ein Stahlwerk in Duisburg.

Die energieintensive Produktion wanderte in andere Weltgegenden, das schont die EU-Klimabilanz, nicht aber das Weltklima

Wien - Es ist eine Art Export von Treibhausgasen, den die EU mit ihrer einseitigen Klimaschutzpolitik in den letzten Jahrzehnten betrieben hat. "Schmutzige, emissionsintensive Produktion wurde in andere Länder, etwa nach China, verlagert", erläutert der Volkswirt Karl Steininger. "Über die Produkte, die dort hergestellt und wieder hierher geliefert werden, kommen aber auch die Emissionen quasi wieder zurück."

Unter der Leitung von Steininger wurde am Wegener Center for Climate and Global Change im Rahmen einer Studie untersucht, wie sich die Klimapolitik der EU in einem Mehrausstoß an Treibhausgasen in anderen Weltgegenden auswirkt. Diese, so die Studienergebnisse, sind höher als angenommen. Knapp 40 Prozent der Einsparungen in der EU finden sich in einem Treibhausgas-Mehrausstoß woanders wieder.

Österreich stark betroffen

Auch Österreich ist davon stark betroffen, "weil wir viele emissionsintensive Produkte importieren", erläutert Steininger. Zu den rund 80 Millionen Tonnen CO2e (Kohlendioxid-Äquivalent) - so viel betragen die österreichischen Treibhausgase im Jahr - müssten nach Berechnung des Wegener Instituts nochmals 44 Prozent dazugerechnet werden.

Problematisch ist dies deshalb, weil diese Emissionsintensität außerhalb der EU meist einhergeht mit geringeren ökologischen Standards als in der EU. Steininger, der die Untersuchung im November in Brüssel präsentieren wird, will die EU für diese Entwicklung nicht an den Pranger stellen: "Das sind Effekte der Globalisierung", sagt er, "dabei wurde die energieintensive Industrieproduktion in Entwicklungs- und Schwellenländer verlagert."

Grenzschutz durch Zölle

Da die EU um eine Klimaschutzpolitik ringt, bei der die europäische Schwerindustrie nicht gänzlich abgewürgt wird, plädiert Steininger dafür, dass es zu einer Art "Grenzschutz" kommt. Ausgleichszölle oder -gebühren sollten auf importierte Waren eingehoben werden, so diese im EU-Ausland mit niedrigen Klimaschutzstandards hergestellt wurden. Damit eine solche Maßnahme nicht als Protektionismus im Namen des Klimaschutzes von der Welthandelsorganisation WTO gebrandmarkt wird, sollten die Einnahmen aus diesen Zöllen/Gebühren wieder zurückfließen. Steininger: "Die Green Funds der UN sollten mit diesen Geldern Technologietransfer und Klimawandelanpassung in Entwicklungsländern finanzieren." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; 13./14.10.2012)

Share if you care