Betriebsklima: Wie es in Firmen besser laufen kann

12. Oktober 2012, 17:29
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Welche Haltungen, welche Strukturen braucht es, damit das Betriebsklima nicht krank macht?

Beim Blick auf und in Unternehmen macht sich gern Problemverliebtheit breit: Führungskräften geht es nicht gut, weil sie eingekeilt sind zwischen Kosten, Controlling, Compliance, den Anforderungen von Human Resources sowie ihren Mitarbeitern und eigentlich gar nicht zum "Führen" kommen. Geführten geht es auch nicht gut, Studien zufolge ist nur ein Drittel der Belegschaften weltweit happy mit den Vorgesetzen. Und schließlich: Den Personalmanagern (HR) geht es auch nicht gut, weil sie ihre Wirkung nicht entfalten können.

Es wird das Warum diskutiert, es finden Burnout-Analysen statt, und es wird mit verbesserungswürdigen Befindlichkeiten argumentiert, Prozesse werden eingeleitet, Verhaltensänderungen initiiert. Über diese Spannungsfelder diskutierte das aktuelle Forum für Human-Resource-Management des ÖPWZ am Donnerstag und Freitag in Salzburg.

"Gastgeber"

Wie also kann die Wende im Betriebsklima für die neuen Zeiten geschafft werden? Wie kann Jungen noch Lust auf Führung gemacht werden? Matthias Varga von Kibéd, Pionier der Organisationsaufstellung und einer der weltweit führenden Köpfe in der systemischen Beratung, ging es für das Forum der versammelten großen Personalchefs radikal an: Zunächst passe das Wort "Führung" nicht mehr, weil es Hierarchie und schlichte Kausalität impliziere ("Begriffe haben hypnotische Rahmenwirkung"). Alternative: "Gastgeber" - das klinge aufs Erste vergnüglich, Tatsache sei aber, dass die Gastgeberrolle eine anstrengende, dienende und fordernde sei. Dann passe der Blick nicht: Die Lösung des Problems liege im Verschwinden des Problems, zitiert er Wittgenstein. Dazu brauche es andere Augen, also einen Blick auf den Prozess des Verschwindens des Problems, also nicht Messungen in absoluten Zahlen, sondern das Sammeln von Indikatoren, die Verbesserungen anzeigen: "Es gehört die Richtung der Veränderung abgefragt." Nachsatz: Unbescheidene Wünsche hält er in Krisenzeiten für angemessener als bescheidene. Anleitungen könne man in der Epidemiologie finden, dort werde geschaut, was immunisiere.

Ebenso gelte es die unendlichen Ressourcen ins Zentrum zu rücken, nicht die Klage über die endlichen wie finanzielle Mittel, Talente. Erste seien etwa Wertschätzung, das Lernen - alles, was nicht weniger werde, wenn man es anzapft und "verbraucht". Allerdings in vollem Commitment, denn " ein bisschen Vertrauen ist kein Vertrauen". Allerdings gelte es wohl sich von der Illusion des Erreichens einer "Ruhe" zu verabschieden. Zusammenspiel benötige Gegensätze, das ergebe immerwährende Unruhe. Grundsätzliche gehe es zuallererst um Haltungsänderung, nicht um Handlungsänderung.

"Big-Wave-Surfer"

Er gab damit ordentlich Stoff für Diskussionen. Ebenso wie WU-Professor Wolfgang Mayrhofer, der postulierte, dass das Bild des "Steuerns", des " Kapitäns" zu verabschieden sei. Gegenangebot: "Big-Wave-Surfer" mit der Einsicht, dass die Welle nicht zu kontrollieren sei, aber es Instrumentarien gebe zu intervenieren.

Mythen beseitigte auch Eva Höltl, die Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Group: Viel zu arbeiten mache nicht krank, belegte sie in Studien, nur müde. Und das sei bei Raum für Erholung nicht krank machend.

Arbeitsbelastung, Kontrolle, Anerkennung, Fairness, Respekt und Werte: In diesen zentralen Feldern von Unternehmen, in denen sich Engagement oder Abkehr der Mitarbeiter entscheidet, wurden auch mit den "alten Augen" gute Beispiele, fruchtvolle und fatale Aktionen diskutiert. (kbau, DER STANDARD, 13./14.10.2012)

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    Trübe Aussichten: Nur ein Drittel ist happy mit den Vorgesetzen.

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