TV-Handel: Reges Interesse an Ösi-Stoff

  • Nicholas Ofczareks rabiate Performance in "Braunschlag" interessierte ARD-Händler bei der Mipcom in Cannes.
    foto: orf/ingo pertramer

    Nicholas Ofczareks rabiate Performance in "Braunschlag" interessierte ARD-Händler bei der Mipcom in Cannes.

Die Krise ist kein Thema bei Europas größter Händlermesse Mipcom in Cannes - Der ORF verkauft "Schnell ermittelt", Nachbar Deutschland bekundet Interesse an "Braunschlag". Über Kauflust bei Naturfilmen freuen sich ORF wie Konkurrent Red Bull

Cannes/Wien - 600 Termine in vier Tagen: Cannes ist für Beatrice Cox-Riesenfelder halbjährlich bis an die Grenzen fordernd. Gemeinsam mit fünf Mitarbeitern verkauft die ORF-Enterprise-Geschäftsführerin bei Europas größter Händlermesse Mipcom ORF-Formate fast rund um die Uhr.

Krisenstimmung herrscht im Grand Palais keine. Mehr als 13.000 besuchten, handelten, kauften und verkauften dieses Jahr. Diskussionen, wonach der Frühjahrstermin Mip TV ersatzlos gestrichen werden soll, sind verstummt. Der Rechtemarkt wächst, nicht zuletzt weil sich online neue Geschäftsfelder öffnen.

Trends? Das Publikum suche "persönliche Geschichten", sagt Cox-Riesenfelder. Mit Schnell ermittelt trifft der ORF den europäischen Massengeschmack. Sony griff für Osteuropa zu. Fox sicherte sich über Italien Nachschub der Serie mit Ursula Strauss und kaufte erstmals für Bulgarien. Der Dänische Rundfunk hat Hurtig opklaren nachbestellt. Für Braunschlag, derzeit Österreichs beliebteste Serie, interessieren sich diverse ARD-Sender.

Das chinesische Staatsfernsehen produziert Universum-Folgen. Die Dokureihe gehörte auch diesen Herbst zu den Verkaufsschlagern. China, Japan, Kanada, USA, Argentinien, Großbritannien, Schweiz, Deutschland und etliche europäische Sender schlugen zu. Das chinesische Staatsfernsehen wurde als Partner für Universum-Folgen gewonnen.

Mit den USA schloss die Enterprise einen Deal mit Universitäten und Schulen. Über ein digitales Netzwerk rufen Schüler und Studierende künftig ORF-Produktionen ab.

Preise? Stabil.

Die Preise? Stabil. "Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage", sagt Cox-Riesenfelder. Bis zu 100.000 Euro bringt etwa eine Universum-Folge an Amerika. Kleinere Länder kriegen die Ware entsprechend billiger.

Naturfilme verkauft auch Terra Mater, die Naturfilmproduktionsfirma von Red Bull. Sabine Holzer war dieses Jahr zum vierten Mal dabei. Auch sie berichtet von erfolgreichen Abschlüssen.

Wild Brazil werde als Sechsteiler und als Kinofilm rechtzeitig zur Fußball-WM fertig, bis Olympia 2016 dürfte die Nachfrage stark bleiben. Für einen Dreiteiler über den Nil zog die Terra-Mater-Händlerin Partner aus USA, Frankreich und Deutschland an Land. Ein Dreiteiler über den Amur entsteht mit Arte.

Bestverkaufte Filme des Red-Bull-Producers waren dieses Jahr Die weißen Löwen von Timbavati. Die Doku ging nach Korea, China, Iran und zahlreiche europäische Länder. Der preisgekrönte Film Kolibri - Leben am Limit wird in Frankreich, USA, Italien, Skandinavien und rund 15 weiteren Ländern zu sehen sein. Koproduktionen mit dem ORF schließt zumindest Holzer nicht aus: "Man redet miteinander. Es gibt keine Berührungsängste." (Doris Priesching, DER STANDARD, 13./14.10.2012)

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