In der Wellnessbranche dominiert das Mittelmaß

Es gibt so viele Hotels mit Wohlfühleinrichtungen wie noch nie. Die Preise steigen, die Qualität lässt immer öfter zu wünschen übrig

Wien - Die Wirtschaftskrise schlägt zeitverzögert auch auf die Tourismusbranche durch. Zu spüren ist das insbesondere im Wellnessbereich, wo zunehmend der Sparstift regiert. "Das Investitionsverhalten ist schaumgebremst", sagte Franz Hartl, Geschäftsführer der Tourismusbank ÖHT, dem Standard.

Anders als 2008/09, als nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers der Tourismus als eine der wenigen Branchen "flockig durch die Krise" kam, agierten Hoteliers jetzt zunehmend vorsichtiger. Die Zeit großer Investitionen, in der ein Hotelier schon einmal sieben Millionen Euro für eine neue Wellnesslandschaft springen ließ, sei vorbei.

Marktsättigung

"Es gibt eine Sättigung am Markt. Vom Vorjahr auf heuer wurden nur 25 neue Hotels mit Wellnesseinrichtungen eröffnet, so wenige wie noch nie", sagte Christian Werner, Herausgeber des eben erschienenen Relax Guide 2013 (295 Seiten, 24,90 Euro), dem Standard. Fünf Häuser haben im selben Zeitraum geschlossen.

Werner hat gemeinsam mit Mitarbeitern in den zurückliegenden zwölf Monaten alle Hotels in Österreich erfasst, die mit Wellness in irgendeiner Form werben. Insgesamt sind es 1029 - so viele wie noch nie. Die Zahl der Betten hat sich im Jahresabstand um rund 4000 auf etwa 130. 000 erhöht.

Noch nie gab es aber so wenige Hotels, die mittels Kriterienkatalog als die besten ihrer Klasse herausgefiltert wurden. Nur sieben Häuser ergatterten die höchste Auszeichnung - vier Lilien. Es sind dies der Salzburgerhof in Zell am See, Reiters Supreme in Bad Tatzmannsdorf, Der Steirerhof in Bad Waltesdorf, Schalber Wellness-Residence in Serfaus, Aenea in Reifnitz, das Ronacher Thermenhotel in Bad Kleinkirchheim und der Hochschober auf der Turracher Höhe. Neben Wellnessinfrastruktur, Service und Qualität des Essens wurde auch die Stimmigkeit des Angebots bewertet. Nicht nur die Sauberkeit lasse in der breiten Masse an Wellnesshotels zu wünschen übrig, auch bei den Behandlungen werde mehr gespart denn je.

"Viele buchen einen Wellnessaufenthalt in der Erwartung, abschalten zu können, Ruhe zu finden und die eine oder andere Behandlung anzuwenden", sagte Werner. "Oft gibt es schlicht und einfach zu wenig Personal, sodass man bei Wochenendaufenthalten mitunter ohne Behandlung nach Hause fahren muss. Oft sind aber auch die Behandlungen selbst eine Katastrophe."

Hilfskräfte statt Spezialisten

Statt gut ausgebildete Spezialisten einzustellen, würde immer öfter auf angelernte Hilfskräfte zurückgegriffen. Mit durchschnittlich 1,30 Euro je Behandlungsminute seien die Preise aber durchaus gesalzen.

Gestiegen sind freilich auch die Hotelpreise. Über alle Wellnesshotels hinweg ist der Zimmerpreis, gerechnet pro Person im Doppelzimmer inklusive Halbpension in der günstigsten Kategorie und Saison, um etwa vier Prozent auf 85,73 Euro gestiegen. Für die mit mindestens einer Lilie ausgezeichneten Qualitätsbetriebe hat Werner einen Durchschnittspreis von 105,68 Euro errechnet.

Zum Vergleich: In Deutschland, wo es insgesamt 1341 Hotels mit Wohlfühleinrichtungen gibt, liegt der Durchschnittspreis bei den Lilienbetrieben mit 110,88 Euro nur noch unwesentlich über dem österreichischen Niveau. Über alle Wellnesshotels hinweg ist Deutschland mit 82,86 Euro je Zimmer erstmals günstiger als Österreich (85,73 Euro). Werner führt das unter anderem auf den niedrigeren Mehrwertsteuersatz in Deutschland zurück. In puncto Qualität und Dichte des Angebots liege Österreich aber noch immer weit vor Deutschland. (Günther Strobl, DER STANDARD; 13./14.10.2012)

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