Über die Tristesse im Niemandsland

Das Rennen in Yeongnam zählt zu den umstrittenen der Formel-1-Saison. Ein exzentrischer Rapper soll der gespenstischen Szenerie endlich eine Art Leben einhauchen.

Yeongnam - Ein paar Berge am Horizont, trockengelegte Sumpflandschaften und eine Hafenstadt mit dem Charme eines Luftschutzbunkers - so heißt Südkorea die prinzipiell glitzernde Welt der Formel 1 willkommen. Nirgendwo sonst wirkt eine Strecke derart deplatziert wie in der faden Szenerie der Provinz Südjeolla. "Die Formel 1 ist am Arsch der Welt angelangt", schrieb die Schweizer Zeitung Blick 2010, als der Tross erstmals im südkoreanischen Niemandsland haltmachte.

Und seitdem hat sich nicht viel getan, allerdings ist die Strecke mittlerweile fertig. Das Rennen, gestartet wird am Sonntag 8 Uhr/MESZ (ORF 1), bleibt eines der umstrittensten der Saison. Die meisten Fahrer sind zwar von dem abwechslungsreichen Kurs begeistert, doch die Atmosphäre ist gespenstisch. Die Südkoreaner interessieren sich gar nicht für die PS-Helden.

Anreise so spät, wie möglich

"Südkorea ist eines der noch jüngeren Rennen in unserem Formel-1-Kalender, was man leider noch ein bisschen daran merkt, dass nicht allzu viele Zuschauer zum Rennen kommen", sagt Michael Schumacher gewohnt diplomatisch. Wie alle seine Kollegen kam auch der 43-Jährige so spät wie möglich nach Yeongam. Die Fahrer vergnügten sich nach dem Rennen in Japan vergangenen Sonntag lieber noch in Tokio oder Seoul und reisten erst bei letzter Gelegenheit in die Tristesse um Yeongam, rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt.

Auch einem möglicherweise größeren Publikum wird die Reise in den südlichsten Süden von Südkorea nicht gerade schmackhaft gemacht. In der Umgebung rund um den Kurs, einer Halbinsel mit künstlich angelegter Hafenstadt, gibt es kaum Hotels. Und so müssen die südkoreanischen Steuerzahler immer weiter tief in die Tasche greifen, um das Rennen am Leben zu erhalten. Ein Minus von rund 110 Millionen Euro sollen die Organisatoren in den ersten drei Jahren eingefahren haben, berichtet die Korea Times. Immerhin hat man gerade mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone einen neuen Vertrag zu verbesserten Bedingungen abgeschlossen, um die Zukunft des Rennens bis 2016 zu sichern.

Ein Star der anderen Art

Um diesmal ein paar mehr Fans an die 5,615 km lange Strecke zu locken, haben sich die Macher etwas Besonderes einfallen lassen. Wenn schon die Stars Sebastian Vettel und Fernando Alonso nicht für genügend Aufmerksamkeit sorgen, muss eben ein anderer Held her, und niemand bringt die Südkoreaner im Moment mehr in Ekstase als Rapper "Psy" alias Park Jae-sang.

Der Musiker hat sich über das Internet mit seinem Song "Gangnam Style" zu einer Art Weltstar gemausert. Das Guinness-Buch hat Psys Video bereits zum populärsten Youtube-Beitrag der Geschichte gekürt. Die Fans liegen ihm zu Füßen. Nicht, weil er so toll singen kann, sondern wegen seiner eigenartigen Choreografie. In Yeongam wird er die Zielfahne schwenken und ein Konzert geben. Auch Mercedes-Pilot Nico Rosberg freut sich. "Ich bin gespannt, jetzt nach Korea zu kommen, nachdem ich in den vergangenen Monaten die neue Gangnam-Welle im Internet verfolgt habe", sagt der 27-Jährige. "Wenn ich abseits der Strecke und der Meetings mit meinen Ingenieuren etwas Zeit finde, freue ich mich sehr auf seinen Auftritt." Und danach geht es so schnell wie möglich in die Heimat. (sid, red - DER STANDARD, 13.10. 2012)

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12 Postings

vl sollten sich rapper eine andere "berufsbezeichnung" suchen, wenn leute wie der plöchl lukas und dieser psy von sogenannten "medien" als solche bezeichnet werden.

da könnte man ja genauso behaupten, der papst wäre moslem ... oder hurley wäre schumi-fan.

... oder hurley wäre schumi-fan

jetzt tuns dem psy scho a bissl unrecht ; ))

Er hat ein bissi was von Kim Jong Un... ;-)

Das soll wohl ein Witz sein. Direkt neben der Strecke liegt Mokpo, doppelt so groß wie Salzburg. Da wird sich für das Wochenende doch was finden lassen, um abseits des Sportes auch was zu erleben. Die Landschaft mit dieser zerklüfteten Küste empfinde ich als sehr attraktiv. Es ist normal für eine Hafenstadt, wie eine Hafenstadt auszusehen. Und ja, das meiste in Tokyo oder Seoul sieht genauso aus. Die Strecke ist sowieso Teil einer ausgewiesenen Entwicklungsregion. Durch die Nähe zu China (Shanghai) und direkt am Meer sehe ich in der Gegend durchaus Potential. Seoul kann einfach nicht alle Südkoreaner beherbergen. Auch die Herren F1 könnten mal von ihrem Ross runter steigen und bisschen von ihrem üppigen Geld dort lassen.

Die Größe einer Stadt sagt nichts über ihre Attraktivität aus, jeder der schon einmal in der Rhein-Ruhr-Region war oder in Amerikanischen Großstädten außer den typischen Touristenzielen war, wird das bestätigen.

Äh, in Rheinruhr gibts genug Dinge, die man tun kann, selbst in den kleinen Randstädten. Liegt aber auch daran, dass 10M da leben. Kann man nicht vergleichen.

Mokpo ist aber die einzige große Stadt in der Gegend und Dienstleistungen sollten da schon zusammen kommen. Allein die Meeresküche … Meine Güte, in Mokpo liegen auch 20m-Yachten in den Häfen und die Küste ist wie geschaffen für Bootsfahrten (Segeln!). Aber wenn der Anspruch salopp gesagt Prada oder Armani ist … Um Silverstone oder Spa herrscht gähnende Leere, aber da regt sich niemand auf.

http://mpkyc.or.kr/blog/atta... 1094779773

http://cfile205.uf.daum.net/image/142... 1A36052C9C

http://www.anewsa.com/news_imag... 125735.jpg

http://www.namdozine.com/nd/files/... cfb779.JPG

http://cfile205.uf.daum.net/image/167... E4F125B2AE

die zuschauerzahlen von z.b. silverstone und yeongam sind nicht mal in irgendeiner form zu vergleichen. die briten sind motorsportverrückt, da vergleichen sie äpfel und birnen.

anhand von fotos und luftaufnahmen die aussage zu treffen, dass es dort "attraktiv" wäre, ist schon sehr gewagt. die strecke war eigentlich als stadtkurs geplant, nur hat man die "stadt" drumherum bis dato nicht errichtet und das wird auch weiterhin nicht passieren.

bezeichnend eine anekdote aus dem vorigen jahr: die teams fanden in den kühlschränken lebensmittel aus dem jahr 2010 (u.a. auch fleisch), die kühlboxen mit den imbissen der streckenposten standen noch am streckenrand. sagt denk ich alles über die bedeutung dieser strecke für die region.

Ich rede ja auch von der anderen Richtung: F1-Leute, die die Gegend als Niemandsland bezeichnen. Leute gibts dort genug.

Wenn der Rennzirkus dann auch da nicht interagiert und der Bev signalisiert "Hey, ihr seid scheiße." und lieber in Gangnam abhängt und auch dementsprechende Preise fordert, dann macht man mMn was falsch und brauch sich nicht wundern.

Was denn, Segeln und Fisch essen ist nicht attraktiv? Als geldpotenter Zuschauer aus Seoul anreisen sollte auch kein Problem sein (etwa wie München<>Wien). Bilden Sie sich auch niemalsnicht etwas die Meinung anhand von Bildern; auch wenn Sie verreisen? Und seit wann braucht man Wolkenkratzer zum Autofahren? Der Kurs wurde wohl gebaut, um dort Leute hin zu locken, damit der Standpunkt Mokpo ausgebaut werden kann.

Hm, Einzelfälle vlt. Ich will auch nicht wissen, was in zB in Rio so verkocht werden könnte.

"Und so müssen die südkoreanischen Steuerzahler immer weiter tief in die Tasche greifen, um das Rennen am Leben zu erhalten."
Klingt schwer nach Bestechung.
Dass die Koreaner sich nicht für F1 interessieren ehrt sie ja, es gibt unendlich viele intelligentere Dinge, die man mit seiner Freizeit machen kann.
Aber irgend jemand wird da wieder mal massiv korrupt sein. Und schwuppdiwupp haben die einen Grand Prix, für den der gemeine Steuerzahler auch noch blechen kann.

"intelligentere dinge" ... ist doch völlig subjektiv, oder?
es mag vl, in abhängigkeit zu den interessen der menschen, bessere beschäftigen geben, denen man nachgehen kann. ihrer logik nach mangelt es einem jedoch an intelligenz, wenn man sich f1-rennen anschaut. wer sind sie, um das beurteilen zu können? möglicherweise können andere menschen ihre freizeitbeschäftigungen auch nicht nachvollziehen?

andere pauschal als dumm zu bezeichnen, zeugt übrigens auch nicht gerade von intelligenz. aber vl brauchen sie das einfach, um sich besser zu fühlen.

Desinteresse ehrt ? Also ich bin an deinem Geschwafelt nicht interessiert. Bin ich jetzt ein Ehrenmann ?

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