Nur ein Drittel hält Faymann an SP-Spitze für unumstritten

12. Oktober 2012, 18:19
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Verschwommene Programmatik, mangelnde Einigkeit, schwindende Expertise in wichtigen Fragen: Das ist das Bild, das eine Mehrheit der Österreicher von der SPÖ hat, die am Samstag zu ihrem Bundesparteitag in St. Pölten zusammentritt

Linz - Was macht einen typischen Wähler der SPÖ aus? Dass er seiner Partei weitgehend blind folgt. Dieses Bild vermittelt die jüngste Umfrage des Linzer Market-Instituts zur Lage der Parteien. Dabei wurde anlässlich des SPÖ-Parteitags auch eine vor sieben Jahren - als die SPÖ unter Alfred Gusenbauer in Opposition war - gestellte Frage über die vermuteten Eigenschaften von SPÖ-Wählern noch einmal gestellt (Grafik links).

Es gibt eine deutliche Verschiebung: "Damals wurden SPÖ-Wähler vor allem als Gegner der Regierung Schüssel wahrgenommen. Die FPÖ hatte sich noch nicht als Oppositionspartei neu positionieren können, und SPÖ-Wähler wurden vor allem mit politischem Verstand und sympathischen Begriffen wie Lebenslust, vielen Freunden, gepflegtem Äußeren in Verbindung gebracht. Jetzt ist die SPÖ Kanzlerpartei, da gewinnen konservative Bilder an Bedeutung", sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer.

Die Wirtschaftskrise habe ein Übriges getan, SPÖ-Wählern in hohem Maße den Wunsch zuzuordnen, "das Erreichte zu bewahren". Allerdings hat auch das Item Solidarität (in der Umfrage lautet die Zuschreibung: "setzt sich für Schwächere ein") an Bedeutung zugelegt: 35 Prozent (2005: 23 Prozent) stellen sich SPÖ-Wähler als vom Einsatz für Schwächere geprägt vor. Das entspricht nicht nur dem Selbstbild der erklärten SPÖ-Wähler. Auch ÖVP- und Grün-Wähler vermuten bei Wählern der SPÖ viel Einsatz für Schwächere.

Ansonsten ist das Bild der Sozialdemokratie vor dem Parteitag eher unscharf geworden: Vor zwei Jahren gaben bei einer gleichlautenden Umfrage für den Standard noch 64 Prozent der Wahlberechtigten an, man wisse bei der SPÖ genau, wofür sie stehe. Heute stimmen dem nur noch 39 Prozent zu. 52 Prozent meinen dagegen, dass man das nicht genau sagen könne.

Nachfragen ergeben eine bessere Einschätzung: 67 Prozent sagen, dass die SPÖ für ein Berufsheer sei - nur 13 Prozent haben eine gegenteilige Wahrnehmung. Und wenn die Volksbefragung für die Wehrpflicht ausginge? Der Standard ließ das Szenario entwerfen: "Nehmen wir an, bei der Volksbefragung stimmen die Österreicher mehrheitlich für die Beibehaltung der Wehrpflicht. Wäre dieses Ergebnis für die SPÖ ..."

  • Auf jeden Fall gut - meinen acht Prozent.
  • Eher schon gut - glauben 21 Prozent. Eine Schlappe bei der Befragung wäre also kein Problem.
  • Eher weniger gut - für die SPÖ wäre ein Votum für ein Berufsheer in den Augen von 29 Prozent.
  • Auf jeden Fall schlecht - käme die SPÖ mit einer Niederlage nach Ansicht von 24 Prozent zurecht.

Da spielt die Frage hinein, wie die SPÖ für die Wahl aufgestellt ist. Die Antworten der 400 Befragten zeigen, dass sich das bisher positive Bild von Kanzler Werner Faymann ins Negative verkehrt hat: Noch bis ins Frühjahr 2012 sagte eine Mehrheit, die SPÖ verfüge über einen unumstrittenen Spitzenkandidaten. Jetzt halten nur noch 37 Prozent Faymann für unumstritten. Eine 60-Prozent-Mehrheit (und eine nicht zu vernachlässigende Minderheit unter SPÖ-Wählern) erlebt die SPÖ als uneinig und zerstritten. Und man traut der SPÖ weniger als noch vor zwei Jahren zu, Expertenrat von außen bekommen zu können. (Conrad Seidl, DER STANDARD; 13/14.10.2012)

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    Werner Faymann wurde bis ins Frühjahr dieses Jahres von einer Mehrheit für einen unumstrittenen SPÖ-Spitzenkandidaten gehalten, jetzt sagen das nur noch 37 Prozent der Befragten.

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