Montenegro: Dubiose Investitionen und flüchtige Drogenbosse

Adelheid Wölfl, 13. Oktober 2012, 12:00

Erstmals hat die EU einen Monitoring-Bericht von der Europol eingefordert. Bedenklich stimmt der Fall eines flüchtigen Drogenbarons

Montenegro ist der nächste Balkanstaat, nach dem Beitritt von Kroatien im Juli 2013, der eine Chance hat, der EU beizutreten. In Podgorica rechnet aber niemand damit, dass das vor 2020 gelingen könnte. Im Dezember soll zumindest das erste Kapitel im Rahmen der Beitrittsverhandlungen geöffnet werden. Erstmals legt die EU Wert darauf, dass die heiklen Kapitel Justiz und Sicherheit prioritär behandelt werden. Denn Montenegro liegt auf der Drogenschmuggelroute nach Westeuropa.

Erstmals hat die EU auch einen Monitoring-Bericht von der Europol eingefordert. Bedenklich stimmt etwa der Fall des flüchtigen Drogenbarons Darko Šarić, der Kopfgelder auf serbische Politiker aussetzen ließ. Šarić wird verdächtigt, Geld über Konten auf montenegrinischen Banken gewaschen haben. Die größte montenegrinische Bank, Prva Banka gehört zu 30 Prozent dem Bruder von Milo Ðukanović, Aco Ðukanović. Ein weiterer Fall betrifft den aus dem Kosovo stammenden Drogendealer Naser Kelmendi mit bosnischem Pass, der seine Steuerschulden in Montenegro in bar bezahlt. Kelmendi, der noch vergangenen Sommer in Podgorica herumspazierte, steht seit diesem Juni unter US-Sanktionen. US-Präsident Barack Obama setzte ihn auf eine Liste von 97 gesuchten ausländischen Kriminellen. 

Undurchsichtige Privatisierungen

Die EU moniert, dass es nur wenige Verurteilungen wegen Korruption auf höchster Ebene gibt. Viele Privatisierungen der letzten Jahre, bei denen auch russische Unternehmer zum Zug kamen, bleiben undurchsichtig. Das Aluminiumwerk KAP etwa, das Oleg Deripaska 2005 übernahm, ist mittlerweile hoch verschuldet. Die Arbeitsplätze schwanden, gleichzeitig müssen die Steuerzahler viele Millionen Euro für den Erhalt des größten Unternehmens Montenegros beisteuern. Auch an der Küste ist der Bau von vielen Hotels durch die Finanzkrise ins Stocken geraten.

Der ehemalige Bürgermeister von Budva, Rajko Kuljača und der Bruder des ehemaligen Präsidenten Svetozar Marović, Dragan Marović wurden mittlerweile verurteilt, weil sie ohne rechtliche Grundlage die Halbinsel Zavala russischen Investoren überließen und 821.000 Euro veruntreuten. Die Skandale konnten der Regierungspartei DPS aber bisher nichts anhaben. Erst vergangene Woche wurde DPS-Chef und „Vater der Nation", der 50-jährige Milo Ðukanović, der Montenegro 2006 in die Unabhängigkeit führte, von einem Untersuchungsausschuss befragt. Beim Verkauf der staatlichen Telekom an die Magyar Telekom, eine Tochter der Deutschen Telekom, sollen im Jahr 2005, nach Erkenntnissen der US-Finanzbehörden, Schmiergelder in der Höhe von 7,35 Millionen Euro an drei montenegrinische Spitzenfunktionäre geflossen sein. Angeblich ist auch die Schwester Ðukanovićs, Ana Kolarević involviert. (Adelheid Wölfl, derStandard.at, 13.10.2012)

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13 Postings
Wenn man das so liest

passt Montenegro perfekt in die EU der Bankster.

um all die sorgen

wird sich in absehbarer zeit davotoglu und sein personal kümmern..
die EU hat am balkan 2x den löffel abgegeben. bei moslems und christen.

Jugenderinnerungen kommen hoch... :)

Ich kann mich noch so dumpf über die Jugendzeit erinnern, dass es so ein Buch gab, dass mit dem Titel " In den Schluchten des Balkan" ähnliche Assoziationen weckte. Nur halt mit etwas anderen politischen Umständen....
Es wird doch nicht der selige Karl May Aufersteheung feiern... :)
Spass beiseite- Die Ähnlichkeit ist trotzdem frappierend !

Das sind ja Zustände wie in Österreich!

Nur stellen sie sich dort offenbar noch weniger geschickt an!

eine weitere perle in der eu-halskette...zwar ein bisserl verschmutzt

aber wir werden sie schon noch auf hochglanz polieren...

bis 2020 kann sich die Mafia noch ordentlich entwickeln,

... damit sie dann so EU reif ist wie in Italien.

Was man nicht alles in Kauf nahm und Jugoslawien zu zerstückeln...

So sah damals das ganze Jugoslawien aus: eine Mafia unter dem roten Stern.

topfen. in EINEM "jugoslawien" hätts des net geben gell....

Bei der Anerkennung Montenegros und der Unterstützung zum EU-Beitritt ist es dem sog. Westen nur um den Schaden für Serbien/Jugoslawien gegangen, da hat man schon alle drei Augen zugedrückt.

Klingt so wie in der Zeit der ÖVP-FPÖ

Regierung in Österreich.

Jaja, die Privatisierungen, ein ewiges Fäulnis im zahnlosen Gebiss der Demokratie

Ja ja, immer das Gleiche verteuerte Zahnersätze verkaufen und Vaterstaat muss es dann tragen.

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