Presserat verurteilt oe24.at wegen Begräbnis-Tickers

12. Oktober 2012, 13:58
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Selbstkontrollorgan sah Verstoß gegen Ehrenkodex - "Shades of Grey"-Vorabdruck in "Krone" kein Grund zum Einschreiten

Wien - oe24.at, der Internet-Dienst der Tageszeitung "Österreich", wurde vom Presserat wegen eines Live-Tickers über das Begräbnis eines achtjährigen Buben, der von seinem Vater in einer St. Pöltner Volksschule erschossen worden war, verurteilt. Der Live-Ticker aus dem Mai dieses Jahres stelle einen Verstoß gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse dar, hieß es in einer Aussendung des Presserats.

Intimsphäre verletzt

Der Begräbnis-Live-Ticker von "Österreich" habe nach Meinung des Presserats die Intimsphäre der Familienmitglieder sowie des verstorbenen Kindes verletzt. Die Persönlichkeit des Kindes genieße auch postmortal Schutz. Ein öffentliches Interesse über den Verlauf des Begräbnisses habe in diesem Fall nicht bestanden. Es sei bloß die Neugierde mancher Leser bedient worden. Die Trauerarbeit der Trauernden, die zuvor mitgeteilt hatten, dass sie keine Medienvertreter beim Begräbnis wünschten, sei durch das Vorgehen des Online-Portals jedenfalls erschwert worden.

Medieninhaber und Journalisten würden Verantwortung dafür tragen, ob und in welcher Weise eine Kommunikationsform wie ein Live-Ticker genutzt wird. Gerade bei dramatischen Ereignissen wie Katastrophen, Verbrechen oder Todesfällen sei aber besondere Sensibilität gefragt. Positiv vermerkt wurde vom Presserat der Umstand, dass oe24.at den Ticker wegen negativer User-Reaktionen damals vorzeitig abgebrochen und sich entschuldigt hat.

"Shades of Grey"-Vorabdruck in "Krone" kein Grund zum Einschreiten

Keinen Grund, ein Verfahren einzuleiten, sah der Presserat unterdessen im Fall der "Kronen Zeitung". Ein Leser empfand den Vorabdruck von Teilen des Romans "Shades of Grey" als Pornografie. Nach Ansicht des Kontrollorgans ist die Veröffentlichung eines Auszuges eines literarischen Werkes, in dem sadomasochistische Vorlieben beschrieben werden, heutzutage im Großen und Ganzen von der Gesellschaft akzeptiert. Bei der Entscheidungsfindung habe neben der Presse- und Meinungsfreiheit auch die Kunstfreiheit eine Rolle gespielt. Über Geschmacksfragen habe der Presserat nicht zu entscheiden, hieß es. (APA, 12.10.2012)

Nachlese
Kritik an oe24.at-Liveticker: Begräbnis "absolutes Tabu"
- Presserat-Geschäftsführer Warzilek: "Etwas massiv danebengegangen" - Fellner: "War nicht informiert" - Microsoft und bet-at-home.com setzen Werbeschaltung aus - oe24.at entschuldigt sich bei Usern

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