Flammende Rede gegen Sexismus und Frauenhass

12. Oktober 2012, 17:21
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Australiens Premierministerin Julia Gillard ist ob der Misogynie im Parlament wütend und fordert den Oppositionschef zum Rücktritt auf

Mit einer flammenden Rede gegen Sexismus und Frauenhass macht die australische Premierministerin Julia Gillard derzeit von sich reden. Aufgebracht griff sie diese Woche im Parlament den Abgeordneten und Oppositionsführer Tony Abbott an und bezeichnet ihn als Frauenfeind und Sexisten. "Die Regierung wird sich von diesem Mann keine Vorträge über Frauenhass und Sexismus anhören - nicht jetzt und zu keiner Zeit", so Gillard.

Abbott hatte Gillards Rede zufolge gesagt, dass Menschen mit sexistischen Ansichten nicht für Führungspositionen geeignet seien. Abbott meinte damit den Parteikollegen der Premierministerin, Peter Slipper, der in einen Sexskandal verwickelt ist. Gillard quittierte das mit einer an Abbott gerichteten Rücktrittsaufforderung: "Ich hoffe, der Oppositionsführer hat einen Stift zur Hand, damit er seine Rücktrittserklärung unterschreiben kann."

Wenn er wissen wolle, wie Frauenhass im modernen Australien aussehe, brauche er keine Anhörung im Repräsentantenhaus, er brauche lediglich einen Spiegel, führte die Labor-Politikerin wütend aus. 

Gründe für diese Wutrede gibt es mehrere: Laut Gillard habe Abbott persönliche Beleidigungen an sie gerichtet, bei denen sie als Hexe dargestellt worden sei. Er würde zudem die australischen Frauen gerne hinter dem Herd sehen - in einem modernen Australien habe ein solches Rollenbild nichts verloren, so Gillard.

Auf der anderen Seite hat Abbott auch die Entlassung von Slipper, ein enger Mitarbeiter von Gillard, gefordert. Peter Slipper, Präsident des Unterhauses, ist in einen Sexskandal verwickelt und hat sein Amt inzwischen selbst niedergelegt.

Frauenfeindlichkeit auch in Labor-Partei

Erst am Dienstag überstand dieser einen Misstrauensantrag mit einer Stimme Mehrheit, dennoch reichte er anschließend den Rücktritt ein. Slippers ehemaliger Mitarbeiter James Ashby hatte seinen Vorgesetzten wegen sexueller Belästigung verklagt. Im Zuge des Verfahrens kam zudem ans Licht, dass Slipper sich abfällig über eine konservative Abgeordnete und weibliche Genitalien geäußert hatte.

Für die Premierministerin, die sich noch im vergangenen Jahr für die Beförderung Slippers zum Parlamentspräsidenten starkgemacht hatte, war das ein Rückschlag. In ihrer Rede ging Gillard aber auch darauf ein und meinte, dass "Sexismus nie akzeptiert werden darf". (eks, dieStandard.at, 12.10.2012)

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