ORF-Programmauftrag sorgt weiter für Schlagabtausch am TV-Markt

Wrabetz attackiert neuerlich Medienbehörde - Privatsender empfehlen "sachlichere Gangart"

Wien - Ein Bescheid der Medienbehörde KommAustria, der mehrere Gesetzesverstöße und zu viel Unterhaltungsangebot im ORF-Programm ortet, lässt weiter die Wogen am heimischen TV-Markt hochgehen. In einem Interview mit dem Branchenmagazin "Horizont" reitet Wrabetz wilde Attacken gegen Behördenvertreter und jenen Gutachter, der das ORF-Programm für die KommAustria unter die Lupe genommen hat. Der Verband Österreichischer Priatsender (VÖP) empfahl dem ORF deshalb eine "sachlichere Gangart".

Die Medienbehörde agiere laut Wrabetz wie die "oberste Programmdirektion", Gutachter Jens Woelke sei "unsäglich", "eine wissenschaftlich vollkommen unmaßgebliche Figur", "ein informeller Mitarbeiter des VÖP" und ein "Programmzensor". Als Drahtzieher hinter dem für den ORF peinlichen Bescheid der KommAustria ortet Wrabetz im "Horizont" RTR-Chef Alfred Grinschgl. Die RTR fungiert als Geschäftsapparat der KommAustria, Grinschgl war einst als Privatradiomanager tätig. Für Wrabetz Grund genug, in ihm die "treibende Kraft" der Behörden-Entscheidung zu sehen. Würde man bei Privatsendern ähnliche Kriterien wie beim ORF anlegen, müsste "ATV und Puls 4 die Lizenz entzogen werden", so Wrabetz weiter. Im übrigen würde der ORF auf ORF eins ohnehin gerne mehr Information machen. "Aber wir werden daran gehindern, weil man uns via Werbefenster seit 2000 schon 150 Millionen Euro entzogen hat."

Privatsender: "Unsachlich und unrichtig"

Bei den heimischen Privatsendern weist man den Rundumschlag des ORF-Chefs zurück. "Unsachlich und unrichtig", hieß es am Freitag in einer Aussendung. Dass ATV oder Puls 4 die Lizenz entzogen werden müsste, sei absurd und zeuge von Unkenntnis der gesetzlichen Lage. "Im Gegensatz zu privaten Medien, die sich auf bestimmte Teilsegmente ausrichten dürfen, muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein Programm an der Gesellschaft als Ganzes ausrichten. Dies ist die Legitimation für die zwangsweise eingehobenen Rundfunkgebühren, aus denen der ORF jährlich 600 Millionen Euro erhält", hieß es seitens des VÖP. Gutachter Woelke sei ein anerkannter und unabhängiger Wissenschafter, Grinschgl keinesfalls Vertreter der Privaten.

"Haltlose" Vorfwürfe

"Wir empfehlen dem ORF dringend, eine sachlichere Gangart einzulegen. Diese unqualifizierten Vorwürfe sind haltlos, ebenso wie die unsachlichen Anwürfe gegenüber einzelnen Beteiligten", meinte VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm. "Der ORF muss akzeptieren, dass er nicht außerhalb des Gesetzes steht. Er kann sich nicht einfach der gesetzlich geregelten Kontrolle durch eine unabhängige Behörde entziehen. Ebenso wenig könnte eine Bank einfach behaupten, nicht der Kontrolle durch die Finanzmarktaufsicht zu unterliegen." Dass die Leistung eines öffentlich-rechtlichen Senders durch unabhängige Behörden geprüft wird sei international völlig normal, so Drumm. (APA, 12.10.2012)

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