Gerüchte um neue Miteigner für die Bawag

12. Oktober 2012, 12:43
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Laut Medienberichten ist nach dem Tausch einer Cerberus-Anleihe Hedgsfonds Golden Tree an Bord

Wien - Rund um die BAWAG PSK gibt es Spekulationen, dass in den Eigentümerholdings ein neuer Mitaktionär aus USA an Bord kommt und der österreichischen Cerberus-Tochterbank solcherart zu mehr Kapital verhilft. Laufen könnte dies über einen Tausch (Debt Equity Swap) von Anleihepapieren in Aktien. Es sollen seit Monaten Verhandlungen dazu laufen, heißt es.

Die "Wiener Zeitung" berichtete am Freitag, dass den heimischen Aufsehern die mehrstöckige Eigentümerkonstruktion ein Dorn im Auge sei, mit der die US-Finanzgesellschaft Cerberus die Bank kontrolliert. Darin seien Anleihen geflossen, die von anderen Investoren gezeichnet worden seien, aber als BAWAG-Kapital gelten. In einer dieser Holdings, durchwegs in Steueroasen, soll dem Blatt zufolge der amerikanische Hedgefonds "Golden Tree" eine Anleihe in echte Anteile gewandelt haben. Durchgerechnet würde "Golden Tree" an der BAWAG beteiligt sein, jedenfalls mit knapp weniger als die sonst genehmigungspflichtigen 10 Prozent. In der BAWAG PSK sprach eine Sprecherin am Freitag von "Marktgerüchten, die wir nicht kommentieren".

Steuerspar-Konstruktion

In der Finanzbranche wird gemutmaßt, dass eine solche mögliche oder diskutierte Transaktion im Zusammenhang mit den angelaufenen Gesprächen von BAWAG und Cerberus über eine Kapitalspritze stehen könnte. Entsprechende Modelle sollen bereits seit Monaten im Raum stehen. Laut "Wiener Zeitung" kann ein solcher Tausch mehrerlei bedeuten, als einer der Gründe wird kolportiert, dass Cerberus die Anleihe nicht zurückzahlen wollte oder konnte. Die Transaktion mit Golden Tree dürfte laut Zeitung in einer der komplexen Steuerspar-Konstruktionen zwischen den Niederlanden und Cayman Islands spielen.

Als der ÖGB nach dem Refco-Desaster der BAWAG und einer dann nötigen spektakulären Rettungsaktion seine Bank 2006/07 (maßgeblich) an Cerberus verkauft hat, lief der 3,2 Mrd. Euro schwere Deal über diverse Konstrukte. Das Eigenrisiko von Cerberus, so die Zeitung, sei bei etwa einem Drittel vermutet worden, zwei Drittel des Kapitals seien von anderen Investoren gekommen. Es habe aber so dargestellt werden müssen, dass Cerberus und dessen Chef Stephen Feinberg trotzdem die Kontrolle haben. Formal galt auch aus Behördensicht: Der neue Eigentümer sei die BAWAG Holding, sie werde kontrolliert von Cerberus. Was dazwischen sei, zählte dem Blatt zufolge nicht.

Blick zurück

Tatsächlich hätten Citibank, Goldman Sachs, Lehman Brothers (nach dessen Pleite die Deutsche Bank) und eben der US-Fonds Golden Tree kräftig mitfinanziert. Sie hätten Cerberus Geld in Form von Anleihen gegeben. Als nach Ausbruch der Finanzkise 2009 Österreichs Finanzbehörden und Aufseher von Cerberus eine Kapitalerhöhung für die BAWAG verlangten, habe Cerberus für die in Rede stehende 205 Mio. Euro Kapitalspritze ein neues Eigentümervehikel in einer Steueroase erfunden, schreibt das Blatt. Fondschef Feinberg habe offenbar kein eigenes Geld mehr in die BAWAG investieren wollen. Erfolglos probten damals die Mini-BAWAG-Aktionäre Post AG und Wüstenrot den Aufstand. Sie fänden sich heute unter anderen in einer "Antoinette Holding" auf Cayman Islands. Die Kapitalerhöhung soll der Zeitung zufolge von Investoren gezeichnet worden sein, denen Cerberus Anleihen verkauft habe. Die Sicherheit dieser Anleihen, etwa BAWAG-Aktien, mache den heimischen Behörden Sorgen, heißt es.

Wo das Vehikel zu finden ist

Das Vehikel, das die Kapitalerhöhung für die BAWAG von 205 Mio. Euro zustande gebracht habe, befinde sich außerhalb der Finanzinstitutsgruppe BAWAG, so der Bericht weiter, also nicht in der BAWAG Holding. Demnach handle es sich dabei um eine Cerberus-Briefkastenfirma. Dieses Kapital werde zwar nach den alten Basel-Kapitalregeln der Bank zugerechnet, nicht aber im neuen Regelwerk nach Basel III. Dadurch entstünde Cerberus ein Problem: Wenn die 205 Mio. Euro direkt in die BAWAG eingezahlt würden, müsse der Fonds deren Zeichner offenlegen und verliere damit womöglich die Kontrollmehrheit über die BAWAG. Zudem, so wurde gemutmaßt, werde ein Teil dieser Investoren keine Lust haben, als Aktionär einer österreichischen Bank aufzuscheinen. Es wird erwartet, dass hier zumindest eine Neukonstruktion stattfindet.

Transparenz über den Eigentümerkreis wird von allen Bankeigentümern verlangt, vor allem aber auch bei einem Institut, das den gesamten Zahlungsverkehr des Bundes inklusive Ämter, Behörden und Staatsunternehmen abwickle. Der Vertrag wurde im April 2012 erst wieder verlängert. Informell ist dem Bericht zufolge davon die Rede, dass die Regierung an einer Neuordnung des Republik-Zahlungsverkehrs arbeite und in spätestens zwei Jahren dazu eine Ausschreibung erfolgen solle. (APA, 12.10.2012)

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