Sparpolitik kommt in der Sahara an

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  • Proteste in Madrid für eine freie Westsahara im November 2010.
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    foto: reiner wandler

    Proteste in Madrid für eine freie Westsahara im November 2010.

Die Haushaltsdisziplin der konservativen Regierung unter Mariano Rajoy fordert ihre Opfer, nicht nur in Spanien, sondern auch in der Sahara. "Dieses Jahr konnten nur 5.400 Kinder am Programm 'Ferien in Frieden' teilnehmen", erklärt der Sprecher der Polisario in Madrid Mohamed Lamin. Früher waren es bis zu 10.000 Kinder, die für die Sommerferien nach Spanien reisten. "Es fehlt nicht an Familien, die unsere Kinder aufnehmen. Es fehlt am Geld für die Flüge", sagt Lamin. Schuld daran ist die angespannte Haushaltslage überall in Spanien. "Die Gemeinden und die Regionen haben durch die Sparpolitik kein Geld mehr für Entwicklungszusammenarbeit. Darunter leiden die Kinder aus dem Flüchtlingscamps", sagt der Polisario-Mann.

Die Polisario kämpft für die Unabhängigkeit der seit 1975 durch Marokko besetzten ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara. Es herrscht Waffenstillstand, doch eine Lösung des Konfliktes ist nicht in Sicht. Die Polisario will eine Volksabstimmung. Marokko blockiert diese. Über 150.000 sahrauische Flüchtlinge sitzen so in Camps in der südwestalgerischen Wüste rund um die Garnisonsstadt Tindouf fest. Sie sind auf internationale Hilfe angewiesen.

"Die geht zurück", berichtet Lamin. Es kämen nur noch rund die Hälfte der Lebensmittel an, wie vor der Krise. Krankheiten die mit mangelnder Ernährung zu tun haben, wie Anämie - besonders unter Frauen - nehmen zu.

Außerdem besuchten immer weniger Ärzte und andere Spezialisten die Flüchtlingslager. Viele von ihnen kamen aus Spanien. Und seit eine bewaffnete Gruppe, deren Herkunft völlig unklar ist, vergangenen Winter zwei spanische Entwicklungshelfer entführte und schließlich wieder frei ließ, hat Madrid die Entsendung von Hilfspersonal völlig gestoppt. "Es fehlt an allen Ecken und Enden", beschwert sich Lamin. (Reiner Wandler, derStandard.at, 12.10.2012)

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