Signalweg über "braunes" Körperfett soll schlank machen

12. Oktober 2012, 18:08
5 Postings

Ein neu identifizierter Signalweg in den Zellen könnte zukünftig helfen, neue Behandlungskonzepte gegen Diabetes und Übergewicht zu entwickeln

Wien - Krebs, Diabetes und Übergewicht haben eines gemeinsam: Sie verändern den zellulären Stoffwechsel. Wissenschaftler von der MedUni Wien und vom Max-Planck-Institut in Freiburg haben nun einen neuen Signalweg für den Zellstoffwechsel aufgeklärt. Im sogenannten "Hedgehog-Signalweg" wird der Stoffwechsel komplett umgestellt, wobei auch Kalzium-abhängige Enzyme aktiviert werden.

Hedgehog ist ein Protein, das einerseits bei der Embryonalentwicklung, aber auch bei der Vermehrung, Wanderung und Spezialisierung von Zellen - wie etwa bei Krebs - eine Rolle spielt. Darüber hinaus blockiert Hedgehog die Bildung von "schlechtem" weißem Fettgewebe - ein Mechanismus, den die Wiener Forscher bereits vor zwei Jahren entdeckt hatten. Für die Mediziner liegt nun der Schluss nahe, dass Substanzen, die diesen Signalweg aktivieren, auch zur Behandlung von Übergewicht und Diabetes angewendet werden könnten.

"Über den neuen Signalweg können die Zellen, vor allem die Muskeln und das braune Fett, enorm viel Glukose aufnehmen. Wirkstoffe, die ausschließlich den neuen Hedgehog-Signalweg aktivieren, sind also Kandidaten für Medikamente gegen Übergewicht sowie Typ-1- und Typ-2-Diabetes", erklärt Harald Esterbauer von der klinischen Abteilung für medizinisch-chemische Labordiagnostik der MedUni Wien.

Gleichzeitig führt der Einstrom von Kalzium in die Muskelzellen aber dazu, dass die Zellen kontrahieren und starke Krämpfe auslösen. Eine unangenehme Nebenwirkung, die auch beim Einsatz eines von der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) zugelassenen Krebsmedikaments vermehrt aufgetreten ist. In der aktuellen Studie, die jetzt im Fachjournal "Cell" veröffentlicht wurde, konnte gezeigt werden, dass es durchaus Hedgehog-Hemmstoffe gibt, die die Kalzium- und Glukose-Werte nicht ansteigen lassen und keine Krämpfe hervorrufen. "Die Entwicklung von Medikamenten mit geringeren Nebenwirkungen scheint also durchaus möglich", so das Fazit von Harald Esterbauer.  (APA/red, derStandard.at, 12.10.2012)

Share if you care.