Erdogan will dich

Blog | Markus Bey, 12. Oktober 2012, 18:40
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Ein Blick auf die türkischen Satireblätter dieser Woche: Der drohende Krieg gegen Syrien ist das einzige Thema.

Die russische Munitionskiste aus der Syrian Air Maschine hat Tayyip Erdogan noch nicht hergezeigt, aber den Türken ist ohnehin schon schwindlig über das Tempo, mit dem ihnen die Regierung in den Krieg gegen Syrien zu marschieren scheint. Der drohende Einmarsch im Nachbarland ist auf den Seiten aller türkischen Satireblätter, die zur Wochenmitte erschienen sind.

Der Assad auf der Rakete

Mit dem Einschlag eines Artilleriegeschosses mutmaßlich der syrischen Armee in das Haus einer türkischen Familie im Grenzstädtchen Akçakale am 3. Oktober hat die jüngste Runde der Eskalation begonnen. Eine Mutter, drei ihrer Kinder und ein weiterer Verwandter starben. Seither feuert die türkische Armee zurück über die Grenze. "Ihr habt uns ohne Grund angegriffen" (oder wörtlich: verbrannt), sagt trotzdem Bashar al-Assad auf einer Rakete sitzend auf der Titelseite von Uykusuz, während ihm Erdogan auf einer anderen Rakete entgegenfliegt und etwas einsilbig "Hoyt!" ausruft – etwas wie "hoppla!". Denn hartnäckig wird in der Türkei immer nach anderen Gründen hinter den augenscheinlichen Gründen gebohrt: Vielleicht war es doch die Rebellenarmee, die nach Akçakale geschossen hat; und wenn sie nicht geschossen hat, dann hat sie es vielleicht so angestellt, dass die syrische Armee so nahe an der Grenze in Kämpfe verwickelt wurde, dass ein Artilleriegeschoss unbeabsichtigt auf türkisches Gebiet fliegen musste; und die Türkei muss dann antworten und ein einmarschieren und den Rebellen helfen; und ist das nicht alles eine Riesenverschwörung des Westens?

Uncle Erdogan

Bingo. "Die USA wollen Dich!", erklärt Girgir auf seiner Titelseite. Uncle Sam ist dieses Mal Tayyip Erdogan. Der türkische Regierungschef folgt blindlings den Wünschen Amerikas und lässt sich in einen Krieg gegen Syrien ziehen. Das ist das Thema der Oppositionspartei CHP, die von Anfang einen neutralen Kurs gegenüber dem Aufstand im Nachbarland wollte und jetzt ganz oben auf der Pazifismus-Welle reitet, die durch türkische Großstädte wogt. Erdogan spielt – die Gefahr für seine Wählerstimmen erkennend – nun auch ungeniert die religiöse Karte aus und wirft Kemal Kilicdaroglu, dem CHP-Vorsitzenden, vor, er mache als Alevit gemeinsame Sache mit den Allawiten von Bashar al-Assad in Syrien. Das muss jedem Sunniten in der Türkei einleuchten. Hofft der Regierungschef.

Die Miss und der Pfefferspray

Schlicht vorgetragene Friedensliebe und wilde Entschlossenheit der Regierung zeigt Penguen auf seinem Titel. "Kriege dürfen nicht sein", sagt Açelya Samyeli Danoğlu, die Miss Turkey 2012. Gleichzeitig fliegt eine Dose Pfefferspray der Polizei auf die Bühne: Danoğlu soll besser den Mund halten. "Pfefferspray gegen jene, die nein zum Krieg sagen", heißt es empört im Untertitel mit Verweis auf das Vorgehen der türkischen Polizei gegen Demonstranten in den vergangenen Tagen.

Erdogans Schein

"Tezkere" lautet das Stichwort. Gegen die offizielle Erlaubnis des Parlaments – den Schein – für grenzüberschreitende Operationen des Militärs (der Name "Syrien" tauchte auf dem Papier gar nicht erst auf) richtet sich der Widerstand der Demonstranten und der linken Oppositionsparteien. "Tezkere" heißt aber auch der begehrte Entlassungsschein zum Ende des Militärdienstes. Leman zeigt einen jungen Türken, der aus der Kaserne kommt und mit seinem tezkere wedelt: "Ich habe den Schein bekommen. Der Militärdienst ist aus!" Er hat nicht mit Erdogan gerechnet: "Geh zurück, ich habe auch einen Schein bekommen!" (Markus Bey, derStandard.at, 12.10.2012)

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Hoyt! ist nicht hoppla

"Hoyt" ist ein Ausruf der Figur des Kabadayi (grober Onkel)eine Art Raudi, wenn er einen Raum betritt:"Hoyt, anami kesen ben , babami kesen ben , varmi bana yan bakan" frei überstezt:"Hoyt,ich war es der seine Mutter erstah , ich war es der seinen Vater erstach, gibt es jemanden (der sich traut) der mich schief anschaut"

verkappter Religionskrieg

Der wahre Islam wird eben nur von Erdogan und seiner Partei vertreten und die anderen sind eben die Ungläubigen die zur Räson gebracht werden müssen. Darüber hinaus hätte das Militär, welches innenpolitisch bereits zur Kandare gerufen worden ist eine Beschäftigung mit einem Gegner im Ausland, der auch vom Westen abgelehnt wird.
Für Erdogan daher zwei Fliegen auf einen Schlag. Darüber hinaus könnte er im rechten Wählerpotential als neuer Vater der Türken reüssieren!
Je mehr die Situation eskaliert umso mehr Vorteile für Erdogan und seiner Partei.

und umso schlechter für die Menschen hüben und drüben ...

Na dann bin ich gespannt wenn es losgeht ob sich die Türken für Erdogans Angriffskrieg begeistern werden.

Denn wenn sie in Syrien einmarschieren kann jedes andere Land genauso agieren wenn es um die Türkei geht - vielleicht will dann auch ein anderes Land die Türkei überfallen?

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