"Kurier" plant Kündigungen und Print-Online-Verschmelzung

  • Die Tageszeitung "Kurier" kündigt Personalabbau, Integrierten Newsroom und Relaunch an.
    foto: heribert neubauer/apa

    Die Tageszeitung "Kurier" kündigt Personalabbau, Integrierten Newsroom und Relaunch an.

25 Mitarbeiter sind betroffen, Relaunch und Integrierter Newsroom kommen

Wien - Änderungen beim "Kurier": Die Geschäftsführung hat ein Maßnahmenpaket erstellt, "das für uns der einzige Weg ist, den 'Kurier' zukunftsfähig und profitabel aufzustellen", sagte "Kurier"-Geschäftsführer Thomas Kralinger. Die Maßnahmen reichen von Personalabbau, der völligen Neuaufstellung von Produktionsweisen und Arbeitsprozessen inklusive einem Relaunch der Zeitung über die Errichtung eines integrierten Newsrooms bis zur Erhöhung der Abo-Preise. Die Belegschaft wurde Freitagvormittag über die geplanten Einsparungen, die im "hohen einstelligen Millionenbereich liegen" sollen, informiert.

25 Mitarbeiter von Personalabbau betroffen

Vom Personalabbau seien 25 Mitarbeiter betroffen, die man vor allem durch Nichtnachbesetzungen und natürliche Abgänge einsparen will. "Aber es wird auch Kündigungen geben", räumte Kralinger ein.

Brandstätter hat "Verständnis"

Ziel sei es, die Qualität zu erhalten und sogar auszubauen und gleichzeitig die Kosten im Griff zu haben, sagte "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter. Er äußerte Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahmen: "Redaktionelle Unabhängigkeit funktioniert nur über finanzielle Stabilität. Wenn die Kosten steigen, die Einnahmen aber nicht, muss man reagieren." Momentan sei es leider nicht möglich, die Einbußen bei den Werbeeinnahmen im Printbereich durch zusätzliche Online-Einnahmen auszugleichen, auch wenn der "Kurier" in Summe stabil dastehe und in den vergangenen zwei Jahren vor allem seinen Markenwert habe ausbauen können.

Integrierter Newsroom

"Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen OC&C Strategy Consultants habe man daher Arbeitsprozesse, Organisationsstrukturen und Produktionsweisen durchleuchtet." Eines der Ergebnisse ist, dass der "Kurier" laut Brandstätter als erste Redaktion des Landes seine Print- und Onlineredaktionen mit integrierten redaktionellen Abläufen zusammenlegt. "Jeder Ressortchef wird für die Marke 'Kurier' und für die Berichterstattung aus seinem Bereich in Print, Online und Mobile verantwortlich sein", so Brandstätter. Es werde lediglich zwei verschiedene Chefs vom Dienst geben.

Neuer Standort kolportiert

Möglich ist das laut Brandstätter nur in einem integrierten Newsroom. Ob dieser am bisherigen "Kurier"-Standort in Wien-Neubau oder aber, wie medial kolportiert, in der Muthgasse in Wien-Döbling nahe der "Kronen Zeitung" liegen wird, stehe noch nicht fest - "auch wenn ich es für besser hielte, wenn wir rausgehen".

Relaunch ab 6. November

Darüber hinaus soll ein Relaunch ab 6. November helfen, die Qualität zu steigern und zeitgleich Kosten zu senken. Der "Kurier" soll sowohl im Printformat als auch online optisch klarer, einfacher, übersichtlicher und aufgeräumter werden, so Brandstätter. Den Print-Relaunch verantwortet "Kurier"-Artdirektor Helge Schalk, das Online-Design der renommierte Zeitungsdesigner Lukas Kircher.

Paid Content, Erhöhung der Abonnementpreise

Im Frühjahr 2013 werden auch die Abonnementpreise erhöht, was den Vertriebskosten Rechnung tragen soll. In den folgenden Jahren soll eine jährliche, reguläre Preiserhöhung die Entwicklung der Vertriebskosten abbilden, so Kralinger. Nachgedacht wird beim "Kurier" auch über Paid Content im Internet sowie über eine Erhöhung der Tablet-Abopreise. Im Einzelhandel sieht der "Kurier"-Geschäftsführer am ehesten bei der Samstagsausgabe die Möglichkeit einer Preiserhöhung. Überlegungen gibt es auch, in der Produktion wieder stärker mit der Mediaprint-Schwester "Kronen Zeitung" zusammenzuarbeiten, etwa bei einer gemeinsamen TV-Beilage.

Lehrredaktion ab 2013

Um sich zukunftsfit zu machen, will der "Kurier" neben den geplanten Restrukturierungen und Einsparungen ab nächstem Jahr auch eine Lehrredaktion aufbauen. Mindestens ein Drittel der jungen Journalisten soll dabei Migrationshintergrund haben. Hier wolle die Zeitung eine Vorreiterrolle einnehmen, da Journalisten mit Migrationshintergrund in österreichischen Redaktionen noch immer viel zu unterrepräsentiert seien, erklärte Brandstätter.

"Nachschärfungen" in den kommenden Jahren

Kralinger und Brandstätter wollen nicht von einem reinen Sparpaket sprechen, sondern von einem Strukturkonzept, das dem "Kurier" in Anbetracht der Marktentwicklung helfen soll, erfolgreich in die nächsten fünf bis zehn Jahre zu gehen. Bestimmt werde es in den kommenden Jahren aber noch "weitere Nachschärfungen" geben müssen, räumte Kralinger ein. Nun gehe es darum, Mut zur Veränderung zu zeigen und aktiv Herausforderungen anzugehen, bevor sie über über einen hereinbrechen. "Ich bin völlig davon überzeugt, dass wir erfolgreich sein werden", sagte Kralinger.

Hoffnung auf Unterstützung der Politik

Erleichterung würde der Abschluss eines neuen Journalisten-Kollektivvertrags bringen, da das generell hohe Gehaltsniveau samt steiler Progressionskurve die Verleger in einer schwierigen Marktsituation übergebührlich unter Druck setze, meinte Kralinger. Unterstützung für die Zukunft der Zeitungen erhoffen sich die Medienmanager auch von der Politik, etwa bei der Einführung eines modernen Leistungsschutzrechts und bei der Bewusstseinsbildung, dass Information etwas wert ist. (APA, 12.10.2012)

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