Ölkatastrophe: Bauern aus Nigeria bringen Shell vor Gericht in Den Haag

12. Oktober 2012, 10:32

Schwere Umweltschäden durch lecke Pipelines: Ölkonzern bestätigt schlechte Wartung

Den Haag/Abuja - Vier Bauern aus Nigeria haben den Ölkonzern Shell vor einem Gericht in Den Haag wegen der Ölpest in ihrem Land verklagt und Schadenersatz gefordert. Das britisch-niederländische Unternehmen sei verantwortlich für die Verseuchung von Boden und Grundwasser in dem westafrikanischen Land und müsse für den Schaden aufkommen, erklärte die Anwältin der Bauern, Channa Samkalden, am Donnerstag vor dem Zivilgericht. Shell wies die Vorwürfe zurück und machte Sabotage für die Probleme verantwortlich.

Es ist das erste Mal, dass sich ein niederländisches Unternehmen in der Heimat vor Gericht für Umweltvergehen im Ausland verantworten muss. Eine Verurteilung des Konzerns könnte nach Ansicht von Juristen zu weiteren internationalen Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe führen.

Trinkwasser, Fische, Luft verseucht

Seit 2005 würden Grundwasser und Boden im Nigerdelta durch Öllecks verseucht, erklärte die Anwältin Samkalden. "Shell hat die Leitungen nicht gut gewartet und die Schäden nicht beseitigt." Millionen Barrels Öl seien ausgeströmt. Bauern und Fischer hätten daher ihre Existenzgrundlage verloren.

"Unser Trinkwasser ist verseucht, unser Fisch ist verseucht, und unsere Luft ist verseucht", sagte einer der Bauern, Eric Dooh, am Rande des Prozesses. "Ich erwarte Gerechtigkeit." Die Bauern forderten auch, dass der Ölkonzern die Umweltschäden in ihren drei Dörfern beseitigt.

Fotos, Videos und Studien

Die Kläger legten dem Gericht Fotos, Videos und Studien vor. "Shell gibt selbst in einer eigenen Studie zu, dass die Leitungen nicht gut gewartet waren," sagte der Sprecher der Umweltschutzorganisation Milieudefensie, Geert Ritsema. "Die sind total verrottet." Die Organisation hatte die Zivilklage gemeinsam mit den Bauern angestrengt.

Der Jurist des Ölkonzerns gab an, dass Schäden nach den ersten Lecks beseitigt wurden. Für weitere Umweltschäden seien lokale Saboteure verantwortlich. Außerdem würden kriminelle Gruppen Löcher in die Rohre schlagen, um Öl zu stehlen. Täglich werden nach Angaben von Shell mindestens 150.000 Barrels gestohlen. Das Unternehmen hatte bisher vergeblich angeführt, dass die niederländische Justiz nicht zuständig sei.

Ein Urteil des Gerichts wird zum Jahresende oder Beginn 2013 erwartet. Erst danach wird über die Höhe möglicher Schadenersatzzahlungen entschieden. (APA, 12.10.2012)

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ich wünsche den herren und ihrer initiative viel erfolg!

und hoffe bei einer verurteilung auf "Vorbildwirkung" auch für andere Konzerne und Regionen, in denen Öl gefördert wird!

naja dann mal viel glueck

aber so einfach ist die sache eben nicht, erst hat shell die armee bezahlt damti es sicher ist, da gabs keine lecks, aber die soldaten haben jeden der zu nahe gekommen ist erschosssen, dann hat schell die bauern bezahlt die wiederum waffen gekauft haben und nun als banditen und revulutionaere unterwegs sind, mit enfuehrungen und angriffe auf die die pielines. da war ein bericht vor jahren , shell repaiert die pieline und am naechsten tag ist es wieder beschaedigt. ist ja nicht so das es dort friedlich zugeht oder die menschen dort nicht versuchen geld zu machen.

Die 4 haben schon was.

Wirken ja extrem cool. Jedenfalls viel Erfolg.

Diese Umweltkatastrophe hat 2 Seiten!

Shell ist sicher nicht unschuldig wegen mangelhafter Wartung der Ölleitungen. Allerdings darf man die politischen Unruhen im Niger-Delta nicht ausser acht lassen, ebenso wenig die korrupten nigerianischen OPEC-Vertreter, die ja diesen Ausverkauf und die Ausbeutung zu ihrer persönlichen Bereicherung benutzen. Und sowohl Shell als auch den nigerianischen "Ölbossen" ist die Umwelt der Bauern gleichgültig!

Umwelt war einmal

Die Umwelt wird heutzutage Ressource genannt

Wenns nur so wäre

Das die Verschwendung und ziellose Vernichtung von Ressourcen dumm ist, könnte man auch Wirtschaftlern nahe bringen... so lang das nur als "wertloses Grünzeug" gesehen wird, haben wir ein Problem.

schon seit jahren bekannt

die umweltverschmutzung im nigerdelta durch öl lecks und abfackeln von gas ist schon jahrelang bekannt. sogar amnesty international beschäftigt sich seit einiger zeit mit den humanitären auswirkungen der dort vorherrschenden praktiken der ölkonzerne (nicht nur shell!!!).

http://www.amnesty.org/en/news/s... 2012-04-23

als zu beginn des jahres amnesty versuchte leute auf österreichs straßen darauf aufmerksam zu machen, gingen die meisten mit abgewendetem blick weiter - und es ging dabei NICHT um spenden, sondern um eine unterschrift/einen brief an shell.

Leute auf der Straße zu belästigen ist die denkbar blödeste Art, ein berechtigtes Anliegen unter die Leute zu bringen. Gerade Amnesty agiert normalerweise nicht so unprofessionell.

sehr gut, viel erfolg!
und ich hoffe, im erfolgsfall wird das zu einer globalen kettenreaktion. nieder mit der zerstörung, ausbeutung und unterdrückung im dienste elitärer westlicher gier.

1. Das find ich Super

2. Das Outfit der 2 mittleren Herren find ich spitze, das blaue Teil ist ein wirklich sehr schöner Anzug für Männer, würde ich auch gerne haben!!!!!

diese anzüge sehen nicht nur gut aus, sondern sind auch bequem. aber noch wichtiger wäre ein gerechtes urteil nach der mehr als überfälligen klage

Hier wird eigentlich nicht versucht das tatsächliche Problem zu lösen, sondern schlicht und einfach versucht "Kohle" zu machen.

Die regionale Regierungen sind verantwortlich das sich ausländische Ölkonzerne im Land befinden sie erteilen die Bewilligungen. Ebenfalls werden Großteile durch regionales Personal also vor Ort für diese Arbeiten verwendet. Hunderte illegale Entnahmen mit immer wieder entstehenden Leck wodurch das Öl bis zur Schließung in den Boden fließt.

Ein interessanter Prozess, weil durch diese Präjudizierung im Falle eines Gewinnes der Kläger, bei den weltweit tätigen "Ölkonzernen" zu milliardenhohen Folgeerscheinungen kommen könnt.

Wenn Shell die ueberwachung der lecken Pipelines nicht

Bezahlen/garantieren kann, gehoert vorerst die Oelfoerderung eingestellt.

Genau, sie öffnen mir gerade die Augen. Die Bauern und Fischer wollen die große Kohle machen und nicht der Weltkonzern.

http://www.spiegel.de/wissensch... 54125.html

Na klar, die armen Großkonzerne können sich gegen den bösartigen Sündenbock (=Pöbel) nicht wehren. Und investieren ganz viel in eine saubere Umwelt, schließlich begreift sich Shell ja als soziale Wohltätigkeitsorganisation.
*Ironie aus*

Die regionale Regierungen..........

erteilen sicher keine Bewilligungen für kaputte ölleitungen.

Die gute Nachricht!

Erklärung: Erst wenn Konzerne in einer Kosten-Nutzen Analyse erkennen, das sie durchs Ausbeuten mehr Schaden erleiden werden sie ihre Strategie ändern.

Zur Zeit ist das noch nicht der Fall, langfristig wird aber kein anderer Weg daran vorbei führen - da können die 1% machen was sie wollen.

100 % Zustimmung.
Hoffentlich gehen in Zukunft mehr Geschädigte diesen Weg zum Gericht.

bravo

Sehr gut, macht Shell fertig.

150'000 barrel PRO TAG

werden laut Shell gestohlen.

schade, dass shell bei den anderen statistiken wie ausbeutung der menschen vorort, verschmutzung bzw zerstörung jeglicher lebensgrundlage nicht so offen mit zahlen umgeht.
warum wohl?

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