TV-Duell: Ryan und Biden schenkten einander nichts

Nahostkonflikt, Wirtschaft und Steuerpläne sorgten für heftige, lebhafte Debatten der Vizekandidaten

Danville (Kentucky) - Vor allem beim Thema Nahost und Wirtschaft kam es bei der Debatte in der Newlin Hall am Centre College in Danville im Bundesstaat Kentucky am Donnerstagabend (Ortszeit) zu harten Wortgefechten zwischen dem demokratischen Vize-Präsidenten Joe Biden (69) und dem Republikaner Paul Ryan (42).

Debatte um Steuerpolitik

Biden warf dem republikanischen Präsidentschaftsduo Mitt Romney und Paul Ryan eine sozial ungerechte Steuerpolitik vor. "Sie nehmen die Mittelschicht als Geisel, um die Steuern für die Superreichen zu senken", sagte Biden. Unter Präsident Barack Obama würde dagegen der wohlhabendste Teil der US-Bevölkerung "etwas mehr zahlen", um die Mittelschicht zu entlasten und dem Land aus der Krise zu helfen.

Ryan entgegnete, dass die republikanischen Steuerpläne zu mehr Wachstum und Arbeitsplätzen führten. Schätzungen würden von sieben Millionen neuen Jobs ausgehen, sagte er. Zugleich bestritt er, dass die Steuerlast der Reichen sinken werde, da Romney Schlupflöcher im Steuerrecht schließen werde. "Wir haben unterm Strich drei Punkte", sagte Ryan. Das Haushaltsdefizit dürfe nicht steigen, die Steuern für die Mittelschicht nicht erhöht werden und der Beitrag der Menschen mit hohem Einkommen zu den Staatseinnahmen nicht sinken.

47-Prozent-Aussage

Biden nahm in der Debatte die umstrittene Aussage Romneys über die 47 Prozent der Wähler ins Visier, die keine Steuern zahlten und wegen ihrer Abhängigkeit vom Staat ohnehin für Obama stimmen würden. "Diese Leute sind meine Mutter und mein Vater, meine Nachbarn", sagte der Vizepräsident. "Sie zahlen mehr Steuern als Gouverneur Romney."

Romney war wegen seiner Verschwiegenheit zu seinen Steuererklärungen in die Kritik geraten. Der Multimillionär hatte lediglich offengelegt, in den Jahren 2010 und 2011 Steuersätze von um die 14 Prozent gezahlt zu haben. Die Steuerbescheide aus früheren Jahren hält Romney dagegen unter Verschluss. Dies nährte Spekulationen, dass der Republikaner womöglich Geld am US-Fiskus vorbei in Steueroasen geparkt haben könnte.

Ryan warf Biden zudem vor, die Regierung habe in vier Jahren Amtszeit keinen echten Aufschwung geschaffen. Es gebe 23 Millionen Arbeitslose. "Wir gehen in die falsche Richtung ... So sieht kein echter Aufschwung aus."

Führungsschwäche kritisiert

Ryan warf US-Präsident Barack Obama zudem Führungsschwäche vor und kritisierte an der US-Regierung, im vergangenen Monat widersprüchliche Angaben über den tödlichen Anschlag auf den amerikanischen Botschafter in Libyen gemacht zu haben: "Der Präsident hat zwei Wochen gebraucht um einzugestehen, dass dies ein Terroranschlag war."

Die Regierung habe im Vorfeld der Terrorattacke in Benghazi versagt, meinte Ryan. Biden erwiderte, die USA würden die Hintermänner der Tat zur Rechenschaft ziehen.

Heißes Thema Atomstreit

Zum Thema Atomstreit warf Biden den Republikanern vor, die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm zu übertreiben. Biden konterte, der Iran sei noch ein gutes Stück vom Atomwaffenbesitz entfernt. Mit Blick auf die harsche Rhetorik des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney im Atomstreit mit dem Iran warnte Biden vor "einem weiteren Krieg". Obama werde alles tun, um einen nuklear bewaffneten Iran zu verhindern.

Ryan erklärte die Bemühungen Obamas, die Regierung in Teheran zum Einlenken zu bewegen, dagegen für gescheitert. "Sie sagen, die militärischen Optionen liegen auf dem Tisch, aber das wird nicht als glaubhaft angesehen", sagte er. "Der Schlüssel ist, sicherzustellen, dass wir Glaubwürdigkeit haben. Unter einer Romney-Regierung werden wir Glaubwürdigkeit bei diesem Thema haben."

Der Präsident habe sein Versprechen gehalten, den Krieg im Irak zu beenden, erklärte Biden. Außerdem habe Obama eine klare Perspektive für einen Abzug aus Afghanistan geschaffen. Der Vizepräsident erinnerte auch an die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bei einem US-Kommandoeinsatz in Pakistan.

Lebhafte Debatte

Die Debatte war wesentlich lebhafter als das Duell zwischen Präsident Obama und seinem Herausforderer Romney vor einer Woche. Nach der enttäuschenden Vorstellung von Obama beim ersten Fernsehduell mit Romney steht Biden unter Druck, mit seinem Auftritt wieder einen Vorsprung herauszuarbeiten. Romney war daraus als eindeutiger Sieger hervorgegangen, seitdem steigt seine Popularität in Umfragen deutlich an. Derzeit deutet alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Wahlen am 6. November hin.

Biden saß ein Vierteljahrhundert im Senat, auch als Vorsitzender der Ausschüsse für Auswärtiges und Justiz. Bei der Wahl vor vier Jahren machte er bei seiner Debatte mit Sarah Palin eine gute Figur und zeigte sich bei seiner gescheiterten Präsidentschaftsbewerbung als starker Redner. Ryan hat dagegen vergleichsweise wenig Erfahrung mit derartigen Debatten. Er gilt als Experte für Haushaltsfragen und eher schwach in der Außenpolitik.

In diesem Jahr gibt es nur eine Debatte der Vize-Kandidaten. Am 16. und 22. Oktober finden dann zwei weitere TV-Duelle zwischen Obama und Romney statt. (APA, 12.10.2012)

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Joe Biden hat das richtige gemacht: das Gemisch aus Bullshit und Luegen von Paul Ryan als solchen bezeichnet ("a bunch of malakey"). Die Luegen von Romney/Ryan muessen als Luegen dargestellt werden, sonst werden sie es schaffen durch systematische Desinformation genuegend Amerikaner gegen ihre wirtschaftlichen und sozialen Interessen fuer sie zu waehlen (bei diesem Wahlprogramm sollten sie nur geschaetzte 10-15% der Stimmen oder weniger erlangen wenn nur jene Waehler fuer sie waehlen, deren Interessen mit ihrem Programm uebereinstimmt).

Mit dieser Debatte hat Joe Biden auch alle Zweifel zerstreut ob es eine gute Idee fuer Obama war ihn als VP-Kandidaten zu halten.

Am Besten ist es,

diese Typen und das ganze Drum-herum um diese Wahlen nicht einmal zu ignorieren.

das wäre dumm, nachdem sie großen einfluss auf den ausgang der us wahl haben die wiederum großen einfluss auf die gesamte weltpolitik hat.

Mich wundert ja, dass Ryan am Ende der Debatte nicht aufgesprungen und auf's Klo gerannt ist:
http://imgur.com/a/DnIqe

Ich habe die Debatte selbst nicht gesehen (war mir zu spät), muss mich auf die Berichte und Kommentare verlassen.

Davon abgesehen, dass vieles, etwa die Anschauungen zur Steuerpolitik, doch nur unter der jeweiligen Parteibrille angemsssen/verfehlt ist, finde ich Bidens Aussage doch sehr merkwürdig, die GOP übertreibe die Gefahr des iranischen Atomprogramms: Wozu dann die immer schärferen Sanktionen, wozu die Drohung mit allen Optionen?

Im Kern steht neben dieser Inkonsistenz der Argumente natürlich eine Verharmlsung des Atomprogramms im Raum. Wem das nützt? Wer sich auf Biden berufen wird? Da muss man nicht dreimal raten ^^

sie sind alle gleich.

Romney/Ryan versprechen

20% weniger Steuern für alle Amerikaner
Keine Änderung der Gesundheitsführsorge (Obama Care)
Keine Änderung der Sozialabsicherung (Obama Care)
Mehr Ausgaben (Schiffe/Subs) für die Navy
Reduzierung der Staatsschulden
Reduzierung der Staatsausgaben
Schließen der Steuerschlupflöcher (wobei die profitablesten nicht geändert werden und jene die geschloßen werden nicht genannt wurden)
...

Hierzu ein kleiner Rückgriff in die Geschichte:
https://www.youtube.com/watch?v=SUZGkNAUSvY

Die Steuerbelastung von Romney läßt (für einige...hoffentlich) die von den USA ausgehenden ständigen Erpressungen der Schweiz und Österreichs auch in einem anderen Licht erscheinen.

Österreich und die Schweiz sind leider steuerrechtliche Schurkenstaaten.
Weg mit den Schlupflöchern für Steuerflüchtlinge, damit ist ausser den Verbrechern niemand gedient.

Romney braucht nicht flüchten. Die USA sind die gröte Staueroase der Welt, siehe die Einkommenssteuer der vierhundert reichsten US Einkommensbezieher (über 200 Millionen Dollar jährlich)

Also warum wettern die USA über die Schweiz??? Fragen Sie sich das doch einmal, bitte
..............And those super-rich 400 Americans pay an average tax rate of 19.9 percent-- the same tax rate for a worker making just $110,000 per year .....

http://www.huffingtonpost.com/2012/06/0... 75021.html

Eine kleine Hilfe

Die Obamaklatura will den durchschnittlich wohlhabenden Ami abzocken. So wie auch unsere Politiker den durchschnittlich Wohlhabenden abcashen wollen. Bei den Milliardären stehen unsere Politiker Schlange um einen Posten. Denen passiert schon nichts.

Biden war klar überzeugender, Ryan ist irgendwo zwischen aggressiv und substanzlos auseinandergefallen, wie eigentlich zu erwarten war ...

Sie wissen schon, daß Biden der mit den weißen Haaren war...

und Ryan der mit dem Dackelblick, aber es geht wirklich nicht darum, wie die beiden ausschauen. Sie müssen auch mal zuhören und mitdenken was die beiden sagen!

Wenn Biden sich nicht benommen haette wie das Rumpelstilzchen, waeren seine genialen Argumente noch besser ruebergekommen.

Speziell seine totale Ahnungslosigkeit bezueglich Libyen habe ich geschaetzt.

Aber die demokratische Basis freut sich, dass er es dem Ryan so richtig gezeigt hat.

Inzwischen verliert Obama durchschnittlich 5 Wahlmaenner am Tag.

«Bidens Lächeln ist ausser Kontrolle geraten»

Der amerikanische Vize-Präsident Joe Biden muss für sein wiederholtes Lachen in der TV-Debatte viel Spott einstecken. Ein Überblick der Analysen und Kommentare in den US-Medien.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/a... y/20436196

Dass Ryan aus dem Stamm der Unterbelichteten kommt, kann er jetzt nicht mehr leugnen. Man darf gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn die Reps gewinnen und ein Obama Fan bin ich nicht wirklich.

Das ist doch das Verrückte. Erkundige dich. Ryan ist hochintelligent, kennt unglauchblich viele Fakten, kann gut reden etc.
Die Republikaner haben, irgendwann seit Reagan, angefangen mehr und mehr Annahmen als gegeben hinzunehmen.
Steuersenkungen als bekanntes Beispiel

Und gehandelt haben sie immer so, dass der Staatsanteil gestiegen ist, die Steuereinnahmen in % gefallen sind und nachher mehr Schulden da waren.

ho...

...mo

Ryan sieht auf dem Photo

wie ein Filmboesewicht aus den 40-ern aus.

solang, er net wie die Fekter ausschaut...

... wobei ich nie weiß, ob das der Standard z'fleiß macht oder es beim Anblick der Dame zwangsläufig zu nun ja, Unwohlsein kommt.

Geh bitte

Irgendwann wird's auch fad mit dem Republikaner-Bashing auf Krone-Niveau. Mit der gleichen Berechtigung könnte man sagen, auf dem Foto sieht Ryan aus wie der unbestechliche Staatsanwalt, der den reichen Unsympathler (Biden) wegen diverser Finanzvergehen vor Gericht anklagt.

Sie werden sich wundern - ich finde Ryan viel, viel besser

als Romney. Ich wuensche mir, er und nicht Romney waere der Praesidentschaftskandidat - vielleicht wird er das auch sein, in 4 bis 8 Jahren.

Aber er sieht nun mal auf dem Photo aus wie einer aus einem John-Huston-Film, vielleicht wie Bogey selbst?

Finden sie leere Versprechen als attraktiv?
Ich meine die Reps spielen jetzt virtuellen Weihnachtsmann, die Bescherung nach der Wahl würde leider mehr als ernüchternd ausfallen.
Aber versprechen könnte ich auch vieles...

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