Türkisch-russische Spannungen: Wegmarke im Syrien-Krieg

Kommentar11. Oktober 2012, 19:00
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Haben die russische Regierung und ihre Rüstungsexporteure tatsächlich heimlich Waffen für Bashar al-Assad in den Laderaum einer Passagiermaschine gepackt, dann wird Russland vorgeführt

Einer wird schon recht haben, und davon wird auch abhängen, wohin der Krieg in Syrien treibt. Waren keine Waffen oder eindeutig militärische Rüstung an Bord der Verkehrsmaschine, die Ankara zur Landung auf türkischem Boden gezwungen hat, dann ist die türkische Regierung blamiert. Dann steht sie als verantwortungsloser Zündler da, der einen Bürgerkrieg in Syrien noch größer macht.

Haben jedoch die russische Regierung und ihre Rüstungsexporteure tatsächlich heimlich Waffen für Bashar al-Assad in den Laderaum einer Passagiermaschine gepackt, dann wird Russland vorgeführt. Alle Doppelmoral stößt einmal an ihre Grenzen: Die Waffenlieferungen an die Rebellen laut anklagen, Resolutionen im Sicherheitsrat blockieren und ein mörderisches Regime mit Munition alimentieren ergibt keine haltbare diplomatische Position.

Im einen Fall werden die Türken ihre Kriegsdrohungen gegen Syrien für einige Zeit zurückschrauben. Im anderen werden die Russen mehr Beweglichkeit in der Diplomatie zeigen, vielleicht sogar einsehen, dass der Punkt erreicht ist, an dem die Rückendeckung für das Assad-Regime Moskaus eigenen Interessen nur noch schadet.

Die türkisch-russischen Spannungen treiben die Internationalisierung des syrischen Bürgerkriegs allerdings nur voran. Die Rebellen haben daran ein Interesse, aber auch das syrische Regime, das seinen Untergang aufhalten will. (Markus Bernath, DER STANDARD, 12.10.2012)

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