Sparziele in Südeuropa: Zeit für eine Atempause

Kommentar11. Oktober 2012, 18:50
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Verspätet drängt der Internationale Währungsfonds nun auf eine leichte Abkehr vom Sparkurs in den Krisenländern

Mit Griechenland und Spanien gibt es in der Eurozone bereits zwei Länder, in denen jeder vierte Bürger arbeitslos ist. Irgendwie hat man sich in Europa an diese Horrorzahlen gewöhnt, obwohl eine Arbeitslosigkeit von 25 Prozent neben Millionen tragischer Einzelschicksale nichts anderes bedeutet, als dass in den beiden Ländern das Wirtschaftssystem völlig kollabiert ist.

Verspätet drängt der Internationale Währungsfonds nun auf eine leichte Abkehr vom Sparkurs in den Krisenländern. Dass sich Deutschland sperrt, ist zwar politisch verständlich - Kanzlerin Angela Merkel kann dem Bundestag die Rettungspakete kaum noch verkaufen, und 2013 sind Wahlen. Wirtschaftlich ist die Haltung aber fatal. Zunächst wird verkannt, dass Spanien nicht überschuldet ist, sondern mit den Folgen einer Immobilienblase und Bankenkrise kämpft. In Spanien ist Sparen das falsche Rezept.

In Griechenland und Portugal müssen Gehälter runter, und der Staat muss Ausgaben streichen. Doch die Strategie ist übereilt und sorgt derzeit dafür, dass sich die Lage stetig verschlimmert. Um auf die Beine zu kommen, brauchen die Krisenländer eine Atempause und ein Aufbauprogramm, also Investitionen in Bildung und Forschung. Das alles wird "Nordländer" wie Deutschland und Österreich zusätzlich Geld kosten. Doch ohne Kursschwenk wird Europa bald erleben, dass es selbst in Staaten mit einer 25-prozentigen Arbeitslosigkeit noch bergab gehen kann. (András Szigetvari, DER STANDARD, 12.10.2012)

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