50 Jahre Südsternwarte: Vom Traum zur führenden Astronomieeinrichtung

11. Oktober 2012, 18:20
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In München wird das 50-jährige Bestehen der Europäischen Südsternwarte gefeiert - Wissenschaftsminister: "Mitgliedschaft Österreichs ermöglicht wertvollen Blick ins All"

München/Wien - Die Europäische Südsternwarte (ESO) feiert am Donnerstag in München ihr 50-jähriges Bestehen. Am 5. Oktober 1962 unterzeichneten Belgien, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Schweden den Gründungsvertrag. In den darauf folgenden fünf Jahrzehnten entwickelte sich die ESO zu einer der weltweit führenden Astronomie-Einrichtungen. Mittlerweile sind 15 europäische Länder Mitglieder der ESO, Österreich trat 2008 bei.

Die ESO ist aus dem Traum einiger Astronomen entstanden, die Kräfte für die Errichtung eines großen Teleskops zu bündeln, das den an interessanten Objekten reichen Südhimmel erschließen würde. Durch ein gemeinsames europäisches Observatorium sollte auch der damaligen Dominanz der USA in der Astronomie entgegengewirkt werden.

"Hoffnungen weit übertroffen"

"50 Jahre später haben sich die ursprünglichen Hoffnungen der fünf Gründungsmitglieder nicht nur bewahrheitet, sondern wurden weit übertroffen", so ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw in einer Aussendung der ESO. Heute entwickle, baue und betreibe die ESO die größten und leistungsfähigsten bodengebundenen Teleskope der Welt. Mittlerweile sind Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigten Königreich Mitglieder der ESO.

Die ESO-Teleskope stehen ausschließlich im Norden Chiles, wo ideale Beobachtungsbedingungen herrschen: Es fällt extrem wenig Niederschlag, wenige Wolken beeinträchtigen die Sicht, die störenden atmosphärischen Turbulenzen sind gering und es gibt nur wenig Lichtverschmutzung.

Das erste Observatorium wurde 1969 auf dem Cerro La Silla rund 600 Kilometer nördlich der chilenischen Hauptstadt Santiago eröffnet. Mehrere kleine Teleskope sind dort nach wie vor in Betrieb.

Very large, extremely large

1987 beschloss die ESO die Errichtung eines zweiten Observatoriums auf dem Cerro Paranal in 2.600 Metern Seehöhe noch weiter nördlich in der Atacama-Wüste. Herzstück dieser 1998 eröffneten Sternwarte ist das Very Large Telescope (VLT), das Flaggschiff der europäischen Astronomie. VLT besteht aus vier Spiegelteleskopen mit jeweils 8,2-Meter-Spiegeln.

Gemeinsam mit den USA und Japan baut die ESO mit dem Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) derzeit das größte Radioteleskop der Welt. Auf einem Hochplateau in der Atacama-Wüste in etwa 5.000 Meter Höhe werden 66 Antennen von je zwölf Metern Durchmesser aufgestellt. Die offizielle Eröffnung ist für März 2013 geplant.

Ganz in der Nähe des VLT plant ESO das "Extremely Large Telescope" (E-ELT). Dieses Riesen-Fernrohr soll einen rund 40 Meter großen Spiegel bekommen, dessen Fläche sich aus rund 900 sechseckigen, beweglichen Spiegel-Elementen zusammensetzt. Österreich beteiligt sich an der Errichtung des E-ELT, das frühestens 2021 in Betrieb gehen wird.

"Die Mitgliedschaft Österreichs ermöglicht Wissenschaftern an zahlreichen heimischen Universitäten und Forschungseinrichtungen einen wertvollen Blick ins All", sagte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (VP), der an der Jubiläumsfeier in München teilnimmt, in einer Aussendung. Zugleich erhöhe der Zugang zur ESO-Infrastruktur auch die Attraktivität des Forschungsstandortes Österreich. So sieht das auch die Astrophysikerin und Forschungsvizerektorin der Universität Innsbruck, Sabine Schindler: "Die ESO-Mitgliedschaft Österreichs bedeutet nicht nur Zugang zu fortschrittlichsten Technologien und hoch entwickelten Techniken, sondern auch eine verstärkte Einbindung Österreichs in den europäischen Forschungsraum." (APA, 11.10.2012)

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