Kremsmünster: "Pumpgun-Pater" vor Anklage

11. Oktober 2012, 18:17
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Justiz entscheidet Ende Oktober

Linz - Über zwei Jahre hat die Staatsanwaltschaft Steyr ermittelt, jetzt scheint es fix, dass die jahrelangen Übergriffe körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt gegen zahlreiche frühere Zöglinge des Benediktinerstiftes Kremsmünster ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Wie Der STANDARD aus gewöhnlich gut informierten Justizkreisen erfuhr, soll noch Ende Oktober gegen den heute 77-jährigen Pater A. Anklage erhoben werden.

Dringender Tatverdacht

Ein Blick in den 1200 Seiten starken Gerichtsakt lässt den Heiligenschein von Pater A. rasch verblassen. Die Staatsanwaltschaft sieht demnach einen dringenden Tatverdacht bei einer Reihe von Delikten: schwere Nötigung, Quälen oder Vernachlässigen unmündiger oder wehrloser Personen, Vergehen nach dem Waffengesetz - der Pater besaß illegal eine Pumpgun und eine Pistole und soll damit einen Schüler bedroht haben - Körperverletzung, sexueller Missbrauch von Jugendlichen, sexueller Missbrauch von Unmündigen, schwerer sexueller Missbrauch von Jugendlichen, Vergewaltigung, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses, gefährliche Drohung und Nötigung.

Im März trat Pater A. auf eigenen Wunsch aus dem Kloster aus.

Die Delikte wären, da die Übergriffe zwischen 1970 und 1995 passiert sein sollen, eigentlich strafrechtlich verjährt. Doch die entscheidende Wende brachte ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes Gutachten der Linzer Psychiaterin Adelheid Kastner. Sie attestierte drei von 14 untersuchten Personen "schwere Folgen", was die Verjährungsfrist verlängert und somit eine Anklage noch möglich macht.

40 mutmaßliche Opfer einvernommen

Offiziell hält man sich bei der Staatsanwaltschaft noch bedeckt. "Es sind für den 29. Oktober noch zwei kontradiktorische Einvernahmen geplant. Dann wird es eine offizielle Stellungnahme von unserer Seite geben", entgegnet der Sprecher der Staatsanwaltschaft Steyr, Andreas Pechatschek, auf STANDARD-Anfrage.

Insgesamt 40 mutmaßliche Opfer wurden von den Behörden einvernommen, gegen zwölf Personen wurde ermittelt. Elf Verfahren wurden eingestellt, übrig blieb das Verfahren gegen Pater A. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 12.10.2012)

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