Schlaffs Gag-Auftritt im U-Ausschuss

Der Unternehmer kam als letzte Auskunftsperson und verglich die Befragung mit "Gestapo-Methoden", nahm den Vergleich aber wieder zurück. Beim Verkauf der Mobiltel gibt es Hinweise auf ein Scheingeschäft

Die Befragung war zu Ende, noch bevor sie begonnen hatte: Er war recht froh gewesen über die Möglichkeit, die "Mysterien über die Telekom-Ost-Geschäfte" aufklären zu können, sagte Milliardär Martin Schlaff zu Beginn seiner Befragung.

Dann habe er leider erfahren, dass er Mitbeschuldigter in einem Verfahren sei. Da er darüber nichts Genaueres wisse, bleibe ihm nur eine Möglichkeit: sich zu entschlagen. Und das tat er dann auch in erschöpfendem Maße: 72-mal insgesamt. Damit ist Schlaff Entschlagungs-Spitzenreiter des 19. U-Ausschusses der Zweiten Republik, der mit diesem Zeugen auch zu Ende geht.

Erster Fragesteller war Harald Vilimsky (FPÖ) - der scheiterte. Seine Frage, ob Schlaff in den vergangenen Monaten Kontakt zu Ausschuss-Mitgliedern oder Spitzenvertretern der Parlamentsparteien gehabt hatte, mündete in einer eineinhalbstündigen Debatte. Schlaff sagte, er sehe keinen Zusammenhang zum Beweisthema - Vorsitzender Walter Rosenkranz ließ die Frage dennoch zu.

"Ja oder nein?", fragte er. Die heftige Antwort des Befragten: "Herr Vorsitzender, Sie sind ein junger Mann", entgegnete Schlaff, "ich weiß nicht, ob Sie Bruno Kreisky kennen, der auf eine Ja/Nein-Frage geantwortet hat: 'Die Frage wurde mir zuletzt von der Gestapo gestellt.'"

Nach Protest entschuldigte sich Schlaff. Abseits der heftigen Wortduelle mit den Mandataren schwieg er sich in der Sache selbst aber aus. Die wenigen Antworten, die ihm zu entlocken waren, ergaben kaum Neues. So gab Schlaff etwa bekannt, er sei "kein Mitglied einer Geheimloge".

Aufschlussreicher waren dafür die verlesenen Akten. Etwa jenes Memo der US-Botschaft im Auftrag des FBI an Interpol in Wien, wonach "die Brüder Schlaff in kriminellen Kreisen als Schwindler wohlbekannt" seien. Und auch über den Verkäufer der bulgarischen Mobiltel an ein Schlaff-Konsortium, Michail Cherney, gab es neue Erkenntnisse: Der " Großkriminelle" (O-Ton von Peter Pilz) sei von Sofia mit Einreiseverbot belegt worden, ihm drohte der Lizenzentzug. Pilz vermutet, dass die österreichischen Investoren - neben Schlaff die Bawag, Josef Taus und Herbert Cordt - nur als "Strohmänner" fungierten und Cherney die Mobiltel weiter kontrollierte. Darauf deute auch hin, dass Ex-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner ihm trotz Bedenken des Bundeskriminalamtes ein Visum verschaffte.

Als Hinweis auf ein Scheingeschäft dient der Kreditvertrag mit der Bawag zum Erwerb des Telekomunternehmens. Darin wird vermerkt, dass die Treuhandschaft den bulgarischen Behörden nicht offengelegt wird. Die Justiz sieht das offenbar anders, sie hat das Verfahren eingestellt. Auch der von der Beratungsgruppe BDO erstellte Prüfbericht hält fest, dass "die Kaufpreisfindung nachvollziehbar" sei. Für Pilz hat die Expertise "Birnbacher-Qualität", sagte der Grüne in Anspielung auf das sechs Millionen Euro teure Gutachten zum Verkauf der Kärntner Hypo des geständigen Steuerberaters Dietrich Birnbacher. (Saskia Jungnikl, Andreas Schnauder, DER STANDARD, 12.10.2012)

 

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Auch ohne den Hinweis von Schlaff auf Kreisky -

kann man deutlich merken, wer im lande das sagen hat...

Wann wird's endlich mal demokratie?

Nach seinem Gestapo-Sager würde ich als Vorsitzender die Befragung abbrechen, ...

... würde den Parlamentsdiener ersuchen diesen Herrn wegen Missachtung des Ausschusses für 3 Tage in einer Arrestzelle schmoren lassen.

Ich nehme freundlicherweise an, dass das nicht der parlamentarischen Geschäftsordnung entspricht, da ich ansonsten nicht verstehe würde, wie man sich als Mitglied eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses dermaßen beleidigen lassen kann. Eine Entschuldigung ist bei einer solcherart vorgetragenen Arroganz bestenfalls ein Milderungsgrund.

Die kunst um's eck herum zu beleidigen -

- zitiert darf schon noch werden, auch vorm u-ausschuss...!

"Dann habe er leider erfahren, dass er Mitbeschuldigter in einem Verfahren sei. Da er darüber nichts Genaueres wisse, bleibe ihm nur eine Möglichkeit: sich zu entschlagen. "
Der höhnische Satz impliziert eine "bestellte Untersuchung".
Geld und Tricks muß man halt aufweisen...

Der Kerl ist eine einzige "Unschuldsvermutung".
Man könnt es auch literarischer ausdrücken.

Schlaffs Gag-Auftritt

Bitte, das Wort schreibt man mit "K" und "ck".

man kann auch den letzten Buchstaben durch -xi- ersetzen

Ich versteh auch nicht warum sich die ÖVP-Soldaten wie der Amon so anbiedern - die werden doch nicht ernsthaft glauben, dass Schlaff sich herablassen wird sich diesen Wichten für ihre Arschkriecherei erkenntlich zu zeigen?

Für solche Leute zählt doch nir eines, nämlich sie selbst.

warad im Übrigen

interessant wo der Herr Schlaff von der Gestapo gefragt wurde, er ist 1953 geboren.

Hat er es mit dem Mosad Merkazi leModi'in uLeTafkidim Mejuchadim verwechselt ?

erstens hat er Kreisky zitiert, zweitens hat auch Schlaff einen Vater / eine Mutter, die selbiges erlebt haben könnten

weil jüdisch

Seine Eltern haben fast alle ihre Verwandten im Holocaust verloren

zumindest laut Profil- Interview.
Eine spezielle Gefahr bei der ganzen Causa ist, dass Leute, die antisemitische Klischees pflegen, sich darin bestätigt fühlen könnten.
Dabei macht sie nur wieder einmal deutlich, das Leute, die einer diskriminierten oder verfolgten Gruppe angehörigen, dadurch nicht automatisch "gut" werden, sondern dass es auch unter den "Opfern", wie überall sonst auch, sowohl Heilige als auch A...löcher und alles dazwischen gibt

dieser jüdische Humor ist einfach grandios, danke Herr Schlaff

naturwaach???

der schlaff taugt mir.

Wenigstens mal einer der Witzfiguren a la Pilz und Petzner ordentlich in die Schranken weist. Wäre besser, solche Kretauren würden in der Sozialschmarotzer-Wohnung oder im Solarium bleiben.

Ned raunzn - AUFSTEHN!!!

+++“Volle Aufklärung statt Vertuschung! U-Ausschuss muss weitergehen!”

Wann? Samstag, 13. Oktober, 10 Uhr
Wo? Hauptbahnhof St. Pölten. Von dort spazieren wir zum SPÖ-Bundesparteitag, um Faymann unsere Meinung zu sagen: WIR FORDERN VOLLE AUFKLÄRUNG!

Der Untersuchungsausschuss wurde abgedreht. Abgedreht, damit Korruptionsfälle vertuscht werden. Keine neuen Akten, keine neuen Zeugen. Durch die Weigerung von Werner Faymann vor dem Ausschuss zu erscheinen, werden Dinge wie Telekom-Ostgeschäfte, Staatsbürgerschaftskäufe, Inseratenaffäre und vieles mehr unter den Teppich gekehrt. Faymann hat für den Fall seiner Ladung sogar mit Neuwahlen gedroht. WIR WOLLEN VOLLE AUFKLÄRUNG!

https://www.facebook.com/events/45... 274617374/

Jawoll, Neuwahlen.
U. am besten gleich die legislaturperiode auf 10 o. 12 jahre verlängern...?

Ich fürchte

solche Nachrichten stärken die Mentalität des "braven Staatsbürgers" nicht wirklich.

Birnbacher-Gutachten könnte ein neuer Fachbegriff werden.

"Ich brauch bis nächste Woche ein Birnbacher-Gutachten."
"Mochma scho."

Vermögenssteuer NOW !

Glauben sie echt, dass die Schlaffs dieser Welt mit ihren Stiftungskonstruktionen und Auslandsgesellschaften etc. davon betroffen wären...?

... warum will Faymann dann die Vermögenssteuer???

Um die Mittelschicht auszupressen

bis sie zur Paddei kriecht um von dort Unterstützung aus den Staatsfinanzen zu bekommen.

Damit fängt man billig Wählerstimmen.

mach mich nicht schlaff!

gestaposager=leistungstraegerhumor!

diese Präpotenz. unfassbar. vielleicht können unsere staatsanwälte etwas zu tage fördern. die hoffnung auf gerechtigkeit stirbt zuletzt.

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